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Wöchentliche Marktberichte

Dez 05, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wachstumssorgen

USD

EUR USD (1,1325)

Auf die gestrige Euphorie ist nun Ernüchterung erfolgt. Nicht nur weil einzelne Teile des sogenannten Waffenstillstands im Handelskonflikt zwischen den USA und China unklar geblieben sind. Auch die Nominierung des Handelsbeauftragten Robert Lighthizer, einem ausgewiesenen „China-Falken“, dessen kompromissloser Verhandlungsstil bereits unter dem früheren US-Präsidenten Ronald Reagan nicht unumstritten war, trübte die positive Stimmung vom Montag deutlich ein. Und nicht wenige fragten sich, was eigentlich konkret zwischen den USA und China verhandelt worden war.
Aber auch andere Wolken zogen am US-Horizont auf. Und zwar hinsichtlich der US-Zinsstrukturkurve, die gestern in zwei Abschnitten sogar invers verlief. So war der Renditeabstand zwischen Staatsanleihen mit zwei- und fünfjähriger Laufzeit zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren in den Minusbereich gedriftet. Kein Wunder, dass Devisenakteure auch auf den als typischen Vorboten einer Rezession gehandelten Renditeabstand zwischen den zwei- und zehnjährigen Anleihen blickten, der gestern auf ein Plus von 13 Basispunkten geschrumpft war – das ist der niedrigste Wert seit 2007.
Allerdings ist die Interpretation der inversen Zinsstrukturkurve als Vorbote einer Rezession selbst innerhalb des Offenmarktausschusses der US-Notenbank umstritten. Immerhin hat die Fed von San Francisco im August dieses Jahres herausgefunden, dass allen neun Rezessionen in den USA seit 1955 eine inverse Renditekurve vorausgegangen ist. Allerdings immer mit einem Vorlauf von sechs bis 24 Monaten. Außerdem kommen die Verfasser der Studie zu dem Schluss, dass entgegen der herrschenden Meinung der sogenannte „Spread“ zwischen den Renditen der Dreimonats-T-Bills und zehnjährigen Staatsanleihen noch aussagekräftiger sei. Und dieser hielt sich mit knapp 50 Basispunkten gestern noch recht weit von einer Inversion entfernt.
Wie auch immer: Die jüngste Entwicklung dürfte zumindest den Tauben im Offenmarktausschuss der US-Notenbank ein willkommenes Argument bieten, sich für eine Verlangsamung im Zinserhöhungszyklus einzusetzen. Unterdessen meldete sich gestern mit John Williams eine Stimme aus dem Offenmarktausschuss zu Wort. Der Chef der Fed von York zeigte sich nicht nur hinsichtlich der Wachstumsentwicklung in den USA ausgesprochen optimistisch, sondern auch noch falkenhaft.
Am Ende des Tages wurde erneut klar, dass der Euro nicht imstande ist, die Oberseite seines Abwärtstrends tatsächlich auch nur in Angriff zu nehmen. Diese liegt nun bei 1,1440/45 und lässt die Unterseite für den Euro offen für weitere Kursverluste in Richtung 1,1235/40, gegebenenfalls auch noch etwas tiefer (1,1155/60).

GBP

EUR GBP (0,8920)

Hektisch ging es gestern Nachmittag im britischen Unterhaus zu. Denn bevor die fünftägige Marathon-Debatte über den Brexit, die täglich mit einer Länge von je acht Stunden angesetzt ist, überhaupt beginnen konnte, musste die Regierung Theresa Mays eine deftige Abstimmungsniederlage hinnehmen. Die Regierung missachte das Parlament („in contempt of parliament“), so lautete der Vorwurf, weil eine wichtige Rechtsauskunft hinsichtlich des Brexit-Abkommens (wir berichteten gestern darüber) nach Ansicht des Labour-Abgeordneten und Brexit-Schattenministers, Keir Starmer, nicht vollumfänglich veröffentlicht werde. Dies muss nun nachgeholt werden. Und so war es auch kein Wunder, dass Sterling gestern per Saldo keinen Boden gut machen konnte. Immerhin gab es eine Zwischenerholung für das britische Pfund, als die Meldung eines Gutachtens am Europäischen Gerichtshof (EuGH) bekannt wurde, dass die Briten womöglich ihren Austritts-Antrag aus der EU einseitig zurückziehen könnten. Zumindest solange das Austrittsabkommen noch nicht abgeschlossen sei, könnte Großbritannien demnach das Brexit-Verfahren noch stoppen. Allerdings ist das Gutachten rechtlich nicht bindend. Zum Handelsschluss hatte der Euro somit seinen zwischenzeitlichen Verlust fast wieder wettgemacht und bleibt in seiner Konsolidierungszone zwischen 0,8730 und 0,9025.

CHF

EUR CHF (1,1320)

Der Konsumentenpreisindex für die Schweiz ist mit -0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat bzw. +0,9 Prozent gegenüber Vorjahr deutlich niedriger als erwartet ausgefallen. Auch die Kernrate blieb mit +0,2 Prozent im Jahresvergleich hinter der mittleren Prognose der Ökonomen zurück, die von einem Plus von 0,4 Prozent ausgegangen waren. Dabei handelte es sich immerhin um die niedrigste Rate seit Juni 2017. Allerdings blieb die Reaktion des Wechselkurses gegenüber dem Euro überschaubar. So schien eine leichte Risikoaversion der Devisenakteure für Franken-Nachfrage zu sorgen. Am Gesamtbild, innerhalb dessen wir immer noch auf ein Überschreiten von 1,1405 warten, bevor wir ein bullishes Signal geben würden, hat sich nichts Wesentliches geändert. Einzig an der Unterseite ist unser bestes Nachfrageniveau leicht auf 1,1240 abgerutscht.

PLN

EUR PLN (4,2830)

Abseits von allen Wachstumsbefürchtungen in den USA, die immer wieder auch als Argument für Kursentwicklungen im Zloty angeführt werden, war es dem Euro gestern abermals versagt, die untere Grenze seiner Konsolidierung bei 4,2735/50 zu durchbrechen. Allerdings blieb auch die Erholung überschaubar, so dass an der Oberseite die wichtigste Hürde für die Gemeinschaftswährung derzeit bei 4,3000 und danach bei 4,3460 (Obergrenze der Konsolidierung) erhalten bleibt.


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