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Dez 04, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Euphorie in den USA, Zurückhaltung in China

USD

EUR USD (1,1380)

Was war das gestern teilweise für eine Euphorie! Vor allen Dingen die Aktienmärkte reagierten dies- und jenseits des Atlantiks geradezu ausgelassen auf den von den USA und China in Buenos Aires am Wochenende ausgehandelten „Waffenstillstand“ im Handelskonflikt. 90 Tage soll nun Zeit sein, um zu einer Lösung in diesem Streit zu gelangen. Allerdings gab es gestern allein schon hinsichtlich dieser Frist eine unterschiedliche Wahrnehmung bei den Beteiligten. Denn China hat die 90 Tage – wie übrigens auch andere Details der Abmachung – offiziell bislang nicht bestätigt, sofern man Medienberichten Glauben schenken möchte. Auch gerierten sich die USA und China vollkommen unterschiedlich hinsichtlich des Waffenstillstands. Während sich die USA, repräsentiert durch US-Präsident Donald Trump, besonders lautstark und euphorisch gab, war aus China vergleichsweise wenig zu hören. Aber allen voran war US-Präsident Trump wieder einmal auf Twitter aktiv und bezeichnete das Treffen mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping als „außergewöhnlich“. Besonders ein Tweet Trumps, wonach China sich bereit erklärt habe, Strafzölle auf US-Autoimporte (derzeit 40 Prozent) zu reduzieren oder gar zu beseitigen, sorgte für ausgesprochen gute Stimmung an den Finanzmärkten. Vor allem waren Währungen der sogenannten Emerging Markets sowie Valuten, die bislang besonders vom Handelskonflikt betroffen waren, besonders gefragt. Überhaupt ließ sich eine gewisse Risikofreude beobachten, was allerdings für den Euro nicht gelten sollte: Von der anfänglichen Stärke am Montagmorgen war am Ende nämlich nicht mehr viel übriggeblieben.
Immerhin gab es Wirtschaftsdaten für Deutschland, Frankreich und die Eurozone insgesamt zu vermelden. Die Rede ist von den Einkaufsmanager-Indices für das verarbeitende Gewerbe, die im Vergleich zur ersten Schätzung im November (Markit) nach oben revidiert wurden. Aus dem Rahmen fällt allerdings der Einkaufsmanager-Index von Italien, der im November wie bereits wie im Vormonat unter der markanten 50er-Linie lag. Mit einem Index von 48,6 (nach 49,2) kann man sich durchaus Sorgen darüber machen, ob Italien seine Wachstumsprognose für 2019 (+1,5 Prozent) überhaupt erreichen wird. Dies ist insofern von Bedeutung, als sich der Grad der Neuverschuldung am Bruttoinlandsprodukt bemisst. Und so sieht es fast wie eine Spiegelfechterei aus, wenn über Italien kolportiert wird, dass es angeblich bereits sei, der EU-Kommission insofern entgegenzukommen, dass es seine Neuverschuldung von 2,4 auf 1,9 bis 2,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduzieren möchte. Ein Bruttoinlandsprodukt, das nach Schätzung der EU-Kommission in diesem Jahr 1,1 und in 2019 nur 1,2 Prozent betragen wird, also deutlich niedriger als von Italien veranschlagt. Aber weder die italienischen Anleihemärkte noch der Euro haben auf die jüngsten Daten reagiert. Am Ende des Tages ist es dem Euro gestern wiederum nicht gelungen, seinen kurzfristigen Abwärtstrend durch Überschreiten von 1,1455 (für heute modifiziert) zu beenden. Immerhin ist auf der anderen Seite nun mit 1,1230 (fallend) ein gutes Nachfrageniveau entstanden.

USD

USD CHF (0,9965)

Auch der ISM-Einkaufsmanager-Index für das verarbeitende Gewerbe lag in den USA über den Erwartungen der Ökonomen, hatte aber gestern genauso wenig Einfluss auf den Wechselkurs, wie diverse Reden von Mitgliedern des Offenmarktausschusses der US-Notenbank. Hervorzuheben ist allenfalls die Rede von Fed-Vize Richard Clarida, der sich nicht nur über das robuste US-Wachstum zu freuen schien, sondern auch ansonsten einen leicht falkenhaften Eindruck hinterließ. Dennoch gab Clarida wie auch seine anderen Kollegen keinerlei Hinweis darauf, ob die US-Notenbank im Rahmen ihres Zinserhöhungszyklus ein gemäßigteres Tempo im kommenden Jahr einschlagen wird. Damit blieb der Greenback im Rahmen seiner engen Konsolidierung zwischen 0,9910 und 1,0000 – ein richtungsweisendes Signal kann derzeit frühestens mit Überschreiten von 1,0055 erwartet werden.

GBP

EUR GBP (0,8925)

Gestern geriet das britische Pfund erneut unter Druck. Grund war möglicherweise ein Pressebericht in der Sunday Times, demzufolge Einzelheiten eines bereits im vergangenen Monat verfassten Briefes des britischen Justizministers, Geoffrey Cox, durchgesickert sein sollen. Ein Brief, der, dem Vernehmen nach, eine Rechtsauskunft hinsichtlich des Brexit-Abkommens Großbritanniens mit der EU beinhalten soll. Danach wäre Großbritannien, sofern das Unterhaus dem Deal zustimmen sollte, „für immer“ in einer Zollunion mit Brüssel gefangen. Und zwar wegen der Vereinbarung über die Notfallklausel, den sogenannten Backstop. Dieser besagt, dass Großbritannien im Notfall in der Zollunion mit der EU verbleiben soll, bis eine andere Lösung in der Grenzfrage gefunden wird, um eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland zu vermeiden. Der Brief ist deswegen so brisant, weil wichtigen Kabinettsvertretern zufolge die britische Regierung Teile dieser Rechtsauskunft angeblich nicht veröffentlichen möchte. Die britische Premierministerin zeigte sich indes unbeirrt und erteilte Spekulationen, sie könne möglicherweise zurücktreten, sofern sie die Abstimmung über den Brexit-Deal am 11. Dezember verlieren sollte, quasi eine Absage. Am Ende des Tages konnte sich der Euro gegenüber Sterling deutlich befestigen und zog in den oberen Bereich seiner Konsolidierungszone zwischen 0,8730 und 0,9025 ein.

CHF

EUR CHF (1,1335)

Risikofreude sieht anders aus. Denn der Euro konnte gestern gegenüber Franken kaum großartig Boden gutmachen und bewegte sich mit rund 45 Stellen sogar innerhalb der Bandbreite vom vergangenen Freitag. Vielleicht hat dem Franken auch die Entwicklung beim Einkaufsmanager-Index des verarbeitenden Gewerbes geholfen, der mit 57,7 deutlich über den Erwartungen (56,4) lag. Per Saldo bleibt das derzeitige Szenario erhalten, wonach wir immer noch auf ein Überschreiten von 1,1405 warten, bevor wir ein bullishes Signal empfangen. An der Unterseite bleibt bis dahin 1,1250 das beste Nachfrageniveau.

PLN

EUR PLN (4,2760)

Die Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China hat gestern offensichtlich auch dem Zloty geholfen. Dadurch wurde der Euro an das untere Ende seiner Konsolidierung zwischen 4,2735/50 und 4,3460 gedrückt. Auch wenn die Untergrenze versagen sollte, würde zunächst nur ein vergleichsweise schwacher kurzfristiger Abwärtstrend in Richtung 4,2650 und 4,2440 eingeleitet. An der Oberseite bleibt die wichtigste Hürde für die Gemeinschaftswährung bei 4,3000.


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