Wöchentliche Marktberichte

Nov 30, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wo liegt der neutrale Zins?

USD

EUR USD (1,1395)

Rechtzeitig zum Beginn des G20-Gipfels in Buenos Aires hat sich gestern wieder einmal US-Präsident Donald Trump per Tweet zu Wort gemeldet. Und zwar zu seinem Lieblingsthema Strafzölle. Und dabei machte Trump nicht den Eindruck, als wolle er beim Treffen mit seinem chinesischen Gegenüber, dem Staatspräsidenten Xi Jinping, in irgendeiner Weise im Handelskonflikt entgegenkommen. Allerdings sind die Händler derartige Kommentare vom US-Präsidenten gewöhnt und hielten sie auch gestern für eine leere Drohgebärde, um die chinesische Seite unter Druck zu setzen.
Viel interessanter war gestern, wie Marktbeobachter im Nachgang die Rede von Jerome Powell diskutierten. Dabei kamen Zweifel auf, ob sich der Fed-Präsident tatsächlich am Vortag so taubenhaft geäußert hatte, wie dies von vielen Akteuren aufgefasst worden war. Zurecht wiesen skeptische Stimmen darauf hin, dass Powell zwar geäußert habe, dass sich der Leitzins nicht mehr weit entfernt vom neutralen Zins befinde, der von der Notenbank in einer Bandbreite zwischen 2,5 und 3,5 Prozent verortet wird. Aber damit, so der Einwand, sei keineswegs klargestellt, ob der neutrale Zins auch tatsächlich an der Untergrenze dieses Bandes liegen müsse. Denn genau genommen weiß sowieso niemand, wo sich dieser neutrale Zins tatsächlich befindet. Zur Erinnerung: Der neutrale Zins ist derjenige Zins, der die Konjunktur weder anheizt noch bremst. Tatsächlich hatte sich etwa Powells Stellvertreter Richard Clarida vor rund zwei Wochen in ähnlicher Weise geäußert, und der Markt hatte zu heftig reagiert. Interessant ist allerdings, dass Powell zwar in seiner Rede am Mittwochabend die bis zuletzt immer wieder von Fed-Vertretern geäußerte geldpolitische Strategie gradueller Zinsschritte ebenfalls erwähnt hatte, allerdings dabei die Vergangenheitsform benutzte. Als ob er damit indirekt ausdrücken wollte, dass man sich auf diese regelmäßigen Schritte in Zukunft nicht mehr verlassen könne.
Dass die US-Notenbank möglicherweise tatsächlich im kommenden Jahr ihr Tempo hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen verlangsamen könnte, dafür spricht die Entwicklung des von der Fed bevorzugten Inflationsmaßes, der Index der persönlichen Konsumausgaben, der gestern für den Monat Oktober veröffentlicht wurde. Dessen Kernrate blieb mit 1,8 Prozent nämlich etwas hinter den Erwartungen der Ökonomen zurück. Darüber hinaus gab es noch das Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank vom 7./8. November zu begutachten, das aufgrund der jüngsten Entwicklungen an Aktualität verloren und somit kaum Einfluss auf das Kursgeschehen hatte. Unterdessen verbrachte der Euro gestern einen relativ ruhigen Handelstag und hat bislang jedoch seinen fast zum Erliegen gekommenen Abwärtstrend noch nicht gebrochen. Dies wäre nach Überschreiten von 1,1445 der Fall.

USD

USD CHF (0,9970)

Es war wohl gestern eher Frankenschwäche als echte Dollarstärke, die dem Währungspaar letztlich etwas auf die Füße geholfen hatte, allerdings ohne einen Richtungsimpuls auszulösen. Tatsächlich bewegt sich der Greenback – wie bereits tags zuvor angezeigt – in einer Seitwärtsentwicklung zwischen 0,9845 und 1,0080.

GBP

EUR GBP (0,8915)

Pfund Sterling ist gestern überraschend unter Druck geraten, obwohl die Nachrichten keine echten Neuigkeiten boten. Sei es, dass EU-Chefunterhändler Michel Barnier das derzeitige Brexit-Abkommen als „einzig möglichen Deal" bezeichnete und damit den Briten quasi ein „take it or leave it“ signalisierte. Oder dass die Chefin der nordirischen DUP (Democratic Unionist Party) im britischen Unterhaus wieder einmal betonte, dass es ein besseres Abkommen geben müsse als den Brexit-Deal, den Theresa May mit der EU ausgehandelt habe. Ja, Arlene Foster ist sich jetzt schon sicher, dass das Abkommen nicht das britische Parlament passieren wird. Oder hatten sich die Marktteilnehmer doch noch vom Schreckensszenario anstecken lassen, das die Bank of England am Mittwoch für den Fall eines Brexit ohne Abkommen mit der EU dargelegt hatte? Denn demzufolge könnte die britische Währung bis zu 25 Prozent an Wert verlieren. Psychologisch gesehen bedeutet dieses Abwarten ohne neue positive Neuigkeiten derzeit offenbar für einige Händler eine Art von Unsicherheit, die man in der Psychologie als Kontrolldefizit bezeichnet. Vermutlich in erster Linie aus diesem Grund ist der Euro gestern in den oberen Bereich seiner derzeitigen Konsolidierung zwischen 0,8730 und 0,9025 gezogen.

EUR

EUR CHF (1,1350)

Nun ist auch das Schweizer Bruttoinlandsprodukt – ähnlich wie das deutsche – im dritten Quartal dieses Jahres geschrumpft und zwar um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Ökonomen waren hingegen von einem Wachstum von 0,4 Prozent ausgegangen. Auf Jahressicht ergibt sich damit nur noch ein Plus von 2,4 Prozent (erwartet worden waren +2,9 Prozent). Damit ist der Franken gestern etwas unter Druck geraten und hat den Euro nach einem missglückten Ausbruch an der Unterseite, wie von uns angedeutet, in seine frühere Konsolidierungszone zurückgeführt. Deswegen würde nach wie vor mit Überschreiten von 1,1405 ein bullishes Signal ausgelöst. Bis dahin bleibt an der Unterseite 1,1250 die wichtigste Unterstützung.

PLN

EUR PLN (4,2830)

Mit einer Handelsbandbreite von gerade einmal 130 Punkten trat der Euro gestern nicht nur auf der Stelle, sondern konnte sogar nicht einmal die Handelsbandbreite des Vortages verlassen. Damit hat die Konsolidierung zwischen 4,2750 und 4,3460 nach wie vor Bestand. Solange sich der Euro unterhalb von 4,3000 bewegt, besteht immer noch eine gute Chance, dass die Gemeinschaftswährung die Untergrenze des Feldes auch durchbrechen kann.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.