Wöchentliche Marktberichte

Nov 29, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Im Zeichen der Fed

USD

EUR USD (1,1385)

Der gestrige Handelstag stand ganz im Zeichen der Rede von Jerome Powell. Offenbar hat der Fed-Chef einige Akteure ziemlich überrascht. Dies zeigte sich insbesondere an der Reaktion des Euro zum US-Dollar. Was war geschehen? In seiner Rede am gestrigen Abend sprach Powell zwar zunächst über den ökonomischen Ausblick. Und der sei, was das Wachstum betreffe, solide, begleitet von niedriger Arbeitslosigkeit und einer Inflation von knapp 2 Prozent. Aber die spätere Bemerkung, dass die Fed keinem im Voraus festgelegten geldpolitischen Pfad folgen würde, stand dann doch ganz im Gegensatz zu den früheren Statements, wo immer von schrittweisen Zinserhöhungen die Rede war. Und folgt man dem Transskript Powells, gewinnt man den Eindruck, dass dieses regelmäßige schrittweise Vorantasten an den sogenannten neutralen Zins, der nach Einschätzung der US-Notenbank immerhin zwischen 2,5 und 3,5 Prozent liegt, anscheinend der Vergangenheit angehört. Böse Zungen könnten nun gar behaupten, Powell habe sich der Kritik von US-Präsident Donald Trump vom Vortag gebeugt. Dieser hatte sich erneut abfällig über die Fed und ihren Präsidenten geäußert. Denn noch tags zuvor hatten Kollegen von Jerome Powell (Esther George, Rafael Bostic und Charles Evans) in einer Paneldiskussion keinerlei Anzeichen erkennen lassen, dass die US-Notenbank womöglich eine Pause im Zinserhöhungszyklus einlegen könnte.
Zuvor gab es gestern noch einige Wirtschaftsdaten zu begutachten. Das wohl wichtigste davon war die erste Revision des US Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal, das annualisiert mit +3,5 Prozent geringfügig hinter den Erwartungen zurückblieb. Hier fielen allenfalls die Ausgaben der privaten Verbraucher etwas aus dem Rahmen, die weniger stark als ursprünglich gedacht gestiegen waren. Allenfalls bei den gestern ebenfalls publizierten US-Neubauverkäufen hätte man ein Haar in der Suppe finden können. So blieben diese im Oktober mit einem Zuwachs von 544 Tsd. deutlich hinter den Erwartungen der Ökonomen zurück, die im Mittel von einem Zuwachs von 583 Tsd. ausgegangen waren. Allerdings wurde die September-Zahl fast ebenso deutlich nach oben revidiert, so dass sich unter dem Strich nicht viel verändert hat.
Bis zur Rede von Jerome Powell hatte sich der Euro gestern nicht bewegt. Allerdings wurde der am Vortag langsam begonnene Abwärtstrend im Rahmen der späteren heftigen Korrektur mit Überschreiten von 1,1370 zumindest derart abgebremst, dass der Trend zwar nicht gebrochen – dies wäre formal erst oberhalb von 1,1450 der Fall –, aber fast vollständig seiner Dynamik beraubt wurde.

USD

USD CHF (0,9930)

Bis zur Rede von Fed-Chef Jerome Powell blieb das Handelsgeschehen im Dollar vergleichsweise ruhig. Erst als die taubenhaften Statements Powells veröffentlicht waren, geriet der Greenback auch gegenüber dem Franken ins Schleudern. Ersterer hat nun mit Unterlaufen von 0,9930 den Aufwärtstrend endgültig zum Erliegen gebracht hat. Folgerichtig zeichnet sich nun eine neue Seitwärtsentwicklung zwischen 0,9845 und 1,0080 ab.

GBP

EUR GBP (0,8865)

Zumindest in der britischen Bevölkerung scheint sich das Blatt zugunsten von Theresa May zu wenden. Denn einer gestrigen Umfrage des britischen Instituts Survation zufolge scheinen sich die Briten immer mehr mit dem Brexit-Abkommen der Premierministerin anfreunden zu können. Demnach unterstützen 41 Prozent der wahlberechtigten Briten den Deal, während ihn 37 Prozent ablehnen – der Rest der Befragten war unentschlossen. Zwei Wochen zuvor lag dieses Verhältnis noch bei 31 zu 47 Prozent. Besonders erwähnenswert ist dabei, dass Wähler der Conservative Party den Deal im Verhältnis 50 zu 29 Prozent unterstützen, und sogar 62 Prozent der Konservativen möchten, dass ihre Abgeordneten für das Abkommen stimmen (nur 22 Prozent möchten ein Votum dagegen). Bemerkenswert ist auch, dass sich 46 Prozent derjenigen, die gerne in der EU geblieben wären, mit dem Brexit-Abkommen anfreunden können. Sollte sich dieser Trend in den kommenden Tagen fortsetzen, sind Theresa Mays Chancen, das Abkommen mit der EU am 11. Dezember durchs Parlament zu bringen, jedenfalls gestiegen. Und so ist es auch nachvollziehbar, dass sich Sterling gestern gegenüber dem Euro zeitweise recht ordentlich befestigen konnte. Letzterer fiel im Rahmen seiner Konsolidierung vorübergehend bis auf 0,8810 zurück, konnte sich aber per Saldo wieder auf das Ausgangsniveau vom Tagesanfang erholen. Damit blieb der Euro leicht unter der Mitte seiner breit gefassten Seitwärtsbewegung zwischen 0,8730 und 0,9025.
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EUR

EUR CHF (1,1300)

Das von der Crédit Suisse und der CFA erhobene Investoren-Sentiment, das gestern mit -42,3 noch pessimistischer als im Oktober ausfiel (-39,1), mag zwar eine schlechte Stimmung reflektieren. Allein hatte das Datum keine Auswirkungen auf das Verhältnis von Euro und Franken. Ersterer ist gestern zunächst zwar wieder ein Stückchen nach unten gedriftet, scheint aber wie von uns erwartet nicht in der Lage zu sein, wichtige Unterstützungen zu durchbrechen. Nach dem Beinahe-Test der wichtigsten Nachfragemarke am gestrigen Handelstag bleibt nun an der Unterseite 1,1250 das Maß der Dinge. Allerdings trägt bereits der jüngste Ausflug des Euro an der Unterseite deutliche Anzeichen eines sogenannten „false break“, einer Fehlentwicklung. Dieser wäre mit Überschreiten von 1,1405 bestätigt, weswegen dann ein bullishes Signal gegeben wäre.

PLN

EUR PLN (4,2850)

Der Euro hat sich gestern unabhängig vom Einfluss neuer ökonomischer Erkenntnisse weiter abgeschwächt und scheint nun die Untergrenze seiner Konsolidierung zwischen 4,2750 und 4,3460 in Angriff nehmen zu wollen. Und solange er sich unterhalb von 4,3000 bewegt, stehen die Chancen für einen Durchbruch nicht schlecht.


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