Wöchentliche Marktberichte

Nov 28, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Richard Clarida offenbar keine Zinstaube

USD

EUR USD (1,1295)

Gemessen an den gestrigen Ereignissen und Statements ist der Euro noch ganz gut davongekommen. Angefangen von Italien, dessen Budgetdefizit nach einer Meldung des italienischen Il Messagero mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von 2,4 auf 2,2 Prozent gesenkt wird. Das ist etwas mehr, als tags zuvor (2,1 Prozent) noch kolportiert wurde. In dem gestrigen Bericht wird Premierminister Giuseppe Conte zitiert, der offenbar etwa 3,6 Milliarden EUR an Einsparmöglichkeiten im Haushalt sieht, ohne dabei allerdings von den großen Vorhaben wie etwa dem Mindesteinkommen für die Bürger abzusehen. Aber auch trotz dieser Geste des guten Willens dürfte die EU die jüngsten Anstrengungen Italiens kritisch betrachten.
Zweiten Gegenwind bekam der Euro aus einer leicht aufgekommenen Risikoaversion heraus, die sich allerdings zunächst nicht in großem Umfange niederschlug. Die Rede ist von der neuerlichen Drohung von US-Präsident Donald Trump, der in einem Interview gegenüber dem Wall Street Journal ausgeführt hatte, ohne Zögern neue Strafzölle auf China-Importe in einer Größenordnung von zusätzlichen 276 Mrd. USD zu erheben, sofern es beim G20-Gipfel in Buenos Aires, der am Freitag beginnt, keine Einigung mit dem chinesischen Staatspräsident Xi Jinping im Handelskonflikt geben sollte.
Die wohl größte Überraschung dürfte allerdings die gestrige Rede von Richard Clarida dargestellt haben. Der Fed-Vizepräsident, dessen Interview gegenüber CNBC noch am vorvergangenen Freitag von vielen Akteuren als Signal verstanden wurde, dass die Fed möglicherweise ihr Tempo beim derzeitigen Zinserhöhungszyklus drosseln könnte, stellte sich nun in einem ganz anderen Licht dar. Wie von uns bereits angedeutet, wurde das Interview des Fed-Vize seinerzeit als viel zu taubenhaft interpretiert. Und diese Vermutung hat sich mit der gestrigen Rede Claridas insofern bestätigt, als dieser den US-Arbeitsmarkt als robust bezeichnete und erklärte, dass er ein gutes Wachstum bis ins kommende Jahr hinein erwarte. Auch habe das Lohnwachstum Fahrt aufgenommen. Tatsächlich seien schrittweise Zinserhöhungen, so Clarida, angemessen, und er persönlich würde sich sogar für noch mehr Zinserhöhungen als bislang erwartet aussprechen, sofern die Inflation an der Oberseite überraschen sollte.
Obgleich das von uns immer wieder erwähnte wichtige Nachfrageniveau bei 1,1305/10 dem Angebotsdruck gestern noch einige Zeit standhalten konnte, war die Last für den Euro am Ende doch zu groß. Es gab zwar keinen massiven Abverkauf, so dass sich der von uns angekündigte kurzfristige Abwärtstrend zunächst nur langsam entfaltete. Aber dessen Risiko reicht nunmehr bis 1,1115. In diesem Zusammenhang darf jedoch 1,1370 nicht mehr überschritten werden – die Trendobergrenze liegt etwas höher bei 1,1455.

USD

USD CHF (0,9990)

Der Dollar konnte gestern gegenüber dem Franken (aber gegenüber anderen Valuten) keinen Boden gut machen, geriet aber auch nicht wirklich unter Druck. Gut möglich, dass beide Währungen aufgrund einer drohenden Eskalation im Handelskonflikt der USA mit China gleichermaßen stark gesucht waren. Der Greenback bleibt ohnehin im Korrekturmodus eines übergeordneten Aufwärtstrends, im Rahmen dessen allerdings 0,9930 nach wie vor nicht mehr unterlaufen werden darf, um diesen nicht zu gefährden. Um die Korrektur zu beenden, müsste auf der anderen Seite 1,0070 überwunden werden.

GBP

EUR GBP (0,8865)

Theresa May hat in der Nacht zum Dienstag offensichtlich ein unmoralisches Angebot von den Brexiteers aus ihrer eigenen Partei bekommen. Zumindest sollen einem Pressebericht der britischen Times zufolge diese Rebellen angeblich bereit gewesen sein, den umstrittenen Deal von Theresa May unter der Bedingung zu unterstützen, dass sich die Premierministerin auf ein Rücktrittsdatum festlegt. Der Vorschlag ist in zweierlei Hinsicht pikant. Zum einen haben die Brexiteers bislang offiziell erst 25 der 48 notwendigen Stimmen zusammen bekommen, um ein Misstrauensvotum gegen May anzustrengen. Auch wenn bislang darüber hinaus noch eine unbekannte Anzahl von Briefen beim Vorsitzenden des dafür zuständigen 1922-Ausschusses eingegangen sein dürften, ist die kritische Zahl offenbar immer noch nicht erreicht. Zum anderen könnte sich Theresa May, selbst wenn es ihr gelänge, die ganze Konservative Partei hinter sich zu vereinen, immer noch nicht sicher sein, ob der Brexit-Deal mit der EU das Unterhaus passieren würde. Denn die nordirische DUP machte gestern noch einmal klar, dass sie dem Abkommen in der derzeitigen Form nicht zustimmen werde. Und so wunderte es kaum jemanden, dass Sterling gestern zumindest zeitweise gegenüber dem Euro etwas deutlicher als am Vortag nachgab. Doch die Gemeinschaftswährung blieb weiterhin in ihrer breit gefassten Konsolidierungszone zwischen 0,8730 und 0,9025 gefesselt.

EUR

EUR CHF (1,1285)

Auch wenn es gestern keine ökonomischen Daten aus der Schweiz gab, war der Franken offensichtlich weiterhin gesucht. Dabei ist allerdings unklar, ob die Nachfrage aus Gründen der Risikoaversion infolge der Haltung Italiens im Haushaltsstreit mit der EU entstanden war. Zumindest die Entwicklung der Renditen italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen am gestrigen Handelstag legt diesen Schluss nicht nahe. Denn dieser Spread hat sich im Zehn-Jahres-Bereich nur um ein paar Punkte unbedeutend vergrößert. Auch wenn die Unterseite der Konsolidierungszone bei 1,1310 nunmehr vollumfänglich „geknackt“ wurde, bleibt das Potenzial etwaiger Abwärtsbewegungen zunächst auf 1,1255 begrenzt. Bis dahin besteht die Gefahr einer Gegenbewegung der Gemeinschaftswährung, die bereits oberhalb von 1,1405 im Anschluss ein bullishes Signal auslösen könnte. Deswegen würde erst mit Versagen von 1,1255 ein schwacher Abwärtstrend des Euro eingeleitet.

PLN

EUR PLN (4,2970)

Eine Nullnummer hat der Euro gegenüber dem Zloty gestern zumindest auf Basis Schlusskurs hingelegt. Und so gab es nicht zuletzt auch wegen der engen Handelsspanne von 120 Stellen keinerlei Richtungshinweise für den Euro, der sich immer noch innerhalb der Konsolidierung zwischen 4,2750 und 4,3460 befindet.


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