Jetzt starten!

Wöchentliche Marktberichte

Nov 27, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Italienisches Entgegenkommen?

USD

EUR USD (1,1325)

Kommt das deutsche Wachstum im vierten Quartal noch einmal auf die Füße? Zumindest zeugt der jüngste ifo-Index, der gestern publiziert wurde, nicht gerade von großem Optimismus der Befragten. Denn der Indexstand von 102,0 fiel zwar nicht viel schlechter aus als erwartet, zeitigt aber nach dem dritten Rückgang hintereinander eine steigende Unsicherheit in allen Bereichen der Wirtschaft, nicht zuletzt wegen des Brexits und der Handelskonflikte, so ifo-Chefökonom Klaus Wohlrabe. Dennoch: Der ifo-Index dürfte gerade angesichts der Statements einiger EZB-Ratsmitglieder am gestrigen Handelstag eher wenig Beachtung von den Devisenhändlern erfahren haben. Allen voran EZB-Präsident Mario Draghi, der sich in einer Rede durchaus gewahr zeigte, dass die ökonomischen Daten zuletzt schwächer als erwartet ausgefallen seien, aber nach wie vor davon ausgeht, dass ein Teil dieser Schwäche temporärer Natur sei. In ein ähnliches Horn stießen seine Kollegen Sabine Lautenschläger und Ewald Nowotny. Aber auch EZB-Chefvolkswirt Peter Praet machte ein weiteres Mal deutlich, dass die EZB ihr Anleihekaufprogramm auf jeden Fall per Jahresende auf null zurückgeführt haben möchte.
Eine positive Nachricht gab es indes aus Italien. Zumindest dem ersten Anschein nach. So machten Meldungen die Runde, dass die italienische Regierung im Haushaltsstreit mit der EU offensichtlich einlenken und Medienberichten von gestern früh zufolge die Neuverschuldung des Landes möglicherweise von 2,4 auf 2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zurückfahren möchte. Allerdings nur – und dies machte Italiens stellvertretender Premierminister Luigi Di Maio deutlich –, wenn auch die Bemessungsgrundlage für die Neuverschuldung [das Bruttoinlandsprodukt] unverändert bliebe. Italien erwartet für 2019 immerhin ein BIP von +1,5 Prozent (annualisiert), aber die EU selbst geht aufgrund eigener Berechnungen schon längst davon aus, dass bestenfalls ein Wachstum von 1,1 Prozent möglich sei. Und sollte sich die Prognose der EU bewahrheiten, würde Italiens Neuverschuldung, bezogen auf das viel niedrigere Bruttoinlandsprodukt, nicht die in Aussicht gestellten 2,1 Prozent des BIP ausmachen, sondern sogar eine Größenordnung von weitaus mehr als die bisherigen 2,4 Prozent betragen, an denen die italienische Regierung bislang starr festgehalten hat. Diese Rechnung scheinen die Anleihehändler gestern nicht angestellt zu haben, denn der Renditevorsprung italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit ist im Verhältnis zum Schluss vom Freitag noch einmal um 16 auf 291 Basispunkte geschrumpft. Der Euro konnte indes seine anfänglichen Gewinne aufgrund des scheinbaren Einlenkens Italiens nicht beibehalten und fiel auf sein Eröffnungsniveau zurück. Damit bleibt die Gemeinschaftswährung noch halbwegs stabil in ihrer Seitwärts-entwicklung, zumindest solange das wichtige Nachfrageniveau bei 1,1305/10 nicht unterlaufen wird. Darunter entstünde ein neuer Abwärtstrend mit Risiko bis auf zunächst 1,1125.

USD

USD CHF (0,9985)

Für den US-Dollar gab es gestern ökonomisch leicht widerstreitende Signale. Dabei ist der nationale Aktivitätsindex der Fed von Chicago mit +0,24 deutlich besser ausgefallen als erwartet, während der etwas weniger bedeutende Index der Dallas-Fed für das verarbeitende Gewerbe eher enttäuschte. Unter dem Strich konnte der Dollar geringfügig zulege, bleibt aber vorerst im Korrekturmodus, innerhalb dessen nun allerdings 0,9930 (deutlich höher) nicht mehr unterlaufen werden darf, um den übergeordneten Aufwärtstrend nicht zu gefährden.

GBP

EUR GBP (0,8845)

Sterling-Händler verlebten gestern eine vergleichsweise ruhige Handelssitzung. Möglicherweise weil Theresa May nun bis zum 12. Dezember Zeit hat, eine Mehrheit für das mit der EU am Wochenende ausgehandelte Brexit-Abkommen zusammen zu bekommen. Immerhin sind derzeit (noch) 91 Abgeordnete ihrer eigenen Partei nicht bereit, grünes Licht für das Abkommen zu geben. Aber in den verbleibenden Tagen kann sich noch einiges zu Gunsten der Premierministerin verändern, denn sie machte gestern klar, dass die Verhandlungen "back to square one" (“zurück auf Los“) gesetzt würden, sollte der Deal das Unterhaus nicht passieren. Deswegen versuchte May bereits am Wochenende, in einem "Brief an die Nation" für das Abkommen mit der EU zu werben, und ist Medienberichten zufolge sogar bereit, eine Fernseh-Debatte mit Labour-Oppositionsführer Jeremy Corbyn zu führen. Dies ist insofern bemerkenswert, als May etwa noch vor den Wahlen im Jahr 2017 eine derartige TV-Diskussion kategorisch abgelehnt hatte. Dennoch: Auch der neue Brexit-Minister Stephen Barclay nannte es ein hartes Stück Arbeit, den Brexit-Deal durch das Parlament zu bekommen. Am Ende des Tages verbuchte der Euro gegenüber dem britischen Pfund eine Handelsspanne von nicht einmal 40 Stellen und bleibt in seiner breiten Seitwärtsspanne zwischen 0,8730 und 0,9025 gefangen.

EUR

EUR CHF (1,1315)

Der Euro scheint mangels neuer ökonomischer Daten gegenüber dem Schweizer Franken geradezu an der Unterseite seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1310 (bereits einmal verletzt) und 1,1500 zu kleben. Allerdings würde auch bei einem erneuten Unterlaufen dieser Grenze zunächst lediglich ein weiteres Nachgeben der Gemeinschaftswährung in Richtung 1,1270 und 1,1255 angezeigt sein, ohne dass dabei ein Abwärtstrend ausgelöst würde. An der Oberseite liegt dagegen der Auslöser für ein bullishes Signal immer noch bei 1,1405.

PLN

EUR PLN (4,2960)

Vermutlich auch mangels ökonomischer Daten aus Polen ist der Zloty-Handel gestern in ruhigen Bahnen verlaufen. Damit zeigt sich innerhalb der Konsolidierung zwischen 4,2750 und 4,3460 derzeit nicht einmal ein kleiner richtungsweisender neuer Impuls.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.