Wöchentliche Marktberichte

Nov 23, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Der Deal zum Deal

USD

EUR USD (1,1410)

Trotz des gestrigen Thanksgiving-Feiertages hatten die Devisenhändler einiges zu verarbeiten. Da war zum einen die Frage, wie lange die US-Notenbank im Jahr 2019 ihre Leitzinsen noch erhöhen könne, ohne dabei die Wirtschaft abzuwürgen. Einer Reuters- Umfrage vom Dienstag zufolge gehen die Ökonomen im Mittel davon aus, dass es neben einem Zinsschritt im Dezember noch drei weitere Zinserhöhungen im kommenden Jahr geben wird. Allerdings sprechen die Geldmärkte eine andere Sprache. Danach errechnet sich (vgl. CME FedWatch Tool) für mindestens drei Zinserhöhungen bis Ende 2019 nur noch eine implizite Wahrscheinlichkeit von 36 Prozent und für mindestens vier Schritte, wie sie von den Ökonomen prognostiziert werden, ergibt sich nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 11 Prozent. Vor zwei Wochen, also nach der Sitzung der US-Notenbank, lagen diese Wahrscheinlichkeiten noch bei rund 60 bzw. 26 Prozent. Mit anderen Worten: Die (vor)schnell reagierenden Märkte gehen im Gegensatz zu den Ökonomen davon aus, dass die Notenbank im kommenden Jahr eine Pause im Zinserhöhungszyklus einlegen wird.
Von Euro-Seite gab es immerhin das EZB-Protokoll der Sitzung vom 24./25. Oktober zu bewerten, das aber keine wesentlich neuen Erkenntnisse zu Tage förderte. Auf jeden Fall scheint man sich innerhalb des EZB-Rates darin einig gewesen zu sein, dass man auf jeden Fall das Anleihekaufprogramm zum Jahresende einstellen möchte.
Was die italienische Verschuldungsfrage angeht, war gestern ebenfalls eine deutliche Beruhigung festzustellen. So gaben die Anleiherenditen durchweg nach, was den Eindruck vermittelt, dass sich die Anleihehändler von den jüngsten Statements der stellvertretenden Premierminister Italiens, Matteo Salvini und Luigi Di Maio, die sich weiterhin weigern, von ihren Haushaltsentwürfen abzuweichen, nicht mehr sonderlich beeinflussen ließen. Am Ende des Tages landete der Euro etwa dort, wo er begonnen hatte, und bleibt stabil in seiner Seitwärts-Entwicklung, solange das wichtige Nachfrageniveau bei 1,1310/15 nicht unterlaufen wird. Darunter entstünde allerdings ein neuer Abwärtstrend mit Risiko bis zunächst 1,1195.

USD

USD CHF (0,9940)

Aufgrund des gestrigen Thanksgiving-Feiertages in den USA blieben die Bewegungen des Greenback gestern überschaubar. Dies gilt auch im Verhältnis zum Schweizer Franken. Nach wie vor befindet sich der Dollar in seinem noch nicht abgeschlossenen Korrekturmodus, im Rahmen dessen 0,9895 nicht unterlaufen werden darf, um den übergeordneten Aufwärtstrend nicht zu gefährden.

GBP

EUR GBP (0,8870)

Die britische Premierministerin Theresa May hat Bemerkenswertes geschafft und sich aus der schier aussichtslos scheinenden Krisensituation der vergangenen Woche, als noch ein mögliches Misstrauensvotum innerhalb der eigenen Partei in greifbare Nähe gerückt war, befreit. Denn Großbritannien und die EU haben sich auf den Entwurf einer Erklärung zu ihren künftigen Beziehungen geeinigt. Und fast könnte man paradoxerweise den Eindruck gewinnen, dass Großbritannien und die EU nach dem Brexit enger zusammenarbeiten wollen, als dies bislang der Fall war. Diese Erklärung zur künftigen Partnerschaft zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich wird jedenfalls das eigentliche Brexit-Abkommen begleiten, dessen Entwurf damit für den EU-Sondergipfel am Sonntag komplettiert ist. Dennoch scheinen noch einige Streitpunkte ungelöst, wie etwa die Fischereirechte, für die es nun bis zum 1. Juli 2020 ein besonderes Abkommen geben soll, oder das Thema Gibraltar, das in der Erklärung dem Vernehmen nach keine Erwähnung findet. Dass es vielerorts für schwierig, wenn nicht gar für unmöglich gehalten wird, dass das Brexit-Abkommen das Unterhaus passieren wird, zeigte sich in der Debatte im Parlament am gestrigen Nachmittag. Nicht nur die Labour-Opposition, sondern auch Brexiteers aus der eigenen Partei zerrissen förmlich die Erklärung in der Luft. Der Chef der Liberalen Demokraten, Vince Cable, brachte es womöglich auf den Punkt, als er die Erklärung als ein "agreement to have an agreement" bezeichnete. Sterling-Händler werteten den Entwurf der Erklärung jedoch als Erfolg, weswegen der Euro im dünnen und hektischen Handel vorübergehend um fast ein Prozent abrutschte – im großen Bild bewegt er sich in einer (modifizierten) Seitwärtsentwicklung zwischen 0,8730 und 0,9025.

EUR

EUR CHF (1,1350)

Die Schweizer Industrieproduktion ist im dritten Quartal mit +1,4 Prozent im Jahresvergleich wesentlich niedriger als von den Ökonomen im Konsens erwartet ausgefallen (+6,2 Prozent gegenüber Vorjahr). Auch wenn die Industrieproduktion nur einen vergleichsweise geringen Beitrag zum Wachstum leistet, scheinen die gestrigen Zahlen zumindest eine ähnliche Entwicklung wie in Europa zu reflektieren. Immerhin konnte sich der Euro vorübergehend etwas befestigen, musste aber ein Teil dieser kleinen Gewinne wieder abgeben und bewegt sich immer noch im unteren Bereich seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1310 und 1,1500.

PLN

EUR PLN (4,2930)

Das Protokoll der Sitzung der Polnischen Nationalbank vom 7. November zeigt, dass sich zumindest einige der Ratsmitglieder mit einer möglichen Leitzinserhöhung von 25 Basispunkten gedanklich auseinandergesetzt haben. Dennoch geht die Mehrheit der Entscheider nach wie vor davon aus, dass die Zinsen in den kommenden Quartalen unverändert niedrig bleiben werden. Zumal die Unsicherheit über die Wachstumsentwicklung in Polen offenbar zugenommen hat. Deutlich besser als erwartet sind im Oktober die Einzelhandelsumsätze ausgefallen, die ein Plus von 9,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr aufwiesen. Gut möglich, dass der Zloty deswegen gestern ein wenig zulegen konnte. Auch wenn sich der Euro während der vergangenen drei Handelstage etwas abgeschwächt hat, bleibt er letztlich ohne Trendimpuls innerhalb seiner Konsolidierung zwischen 4,2780 und 4,3460 gefangen.


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