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Wöchentliche Marktberichte

Nov 22, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Im Sande verlaufen

USD

EUR USD (1,1400)

Nun hat die EU-Kommission sich also dafür ausgesprochen, ein Defizitverfahren gegen Italien einzuleiten, weil es mit einer geplanten Neuverschuldung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für das Jahr 2019 nicht die Anforderungen der EU erfülle, hieß es in der Begründung. Wer nun gedacht hatte, dass die Finanzmärkte auf diese Ankündigung hektisch reagieren würden, musste sich getäuscht sehen. Weder an den Anleihemärkten kam es zu großen Verwerfungen, noch ging der Euro tatsächlich in die Knie. Tatsächlich ist der Renditevorsprung italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit jeweils zehnjähriger Laufzeit gegenüber dem Hoch vom Dienstag von 335 zuletzt sogar auf 312 Basispunkte geschrumpft. Als ob nichts geschehen wäre. Oder ist es den Akteuren erst gestern bewusst geworden, dass das von der EU-Kommission vorgeschlagene Defizitverfahren mehrere Monate in Anspruch nehmen kann? Monate, in denen sich die Finanzmarktteilnehmer typischerweise an ein bestimmtes Grundrauschen der Informationen gewöhnen, bei dem es immer wieder darum gehen wird, ob die EU und Italien zusammenfinden werden oder nicht. Dass es von italienischer Seite dafür eine gewisse Kompromissbereitschaft geben könnte, ließ gestern der italienische Premierminister Giuseppe Conte durchblicken, der mit Reformen vor allen Dingen angeblich dann aufwarten möchte, wenn sich die italienischen Anleiherenditen deutlich erhöhen sollten. Und es mag eben jene Kompromissbereitschaft sein, und dafür reicht eine Andeutung, die sich zumindest gestern von der allseits erwarteten Ankündigung der EU-Kommission abhob.
Auf der anderen Seite gab es aus den USA in erster Linie ein enttäuschendes Wirtschaftsdatum zu vermelden. So war der Auftragseingang der langlebigen US-Wirtschaftsgüter mit -4,4 % gegenüber dem Vormonat viel deutlicher als erwartet gefallen – dies gilt auch für die Kernrate (+0,1 %), die um die volatilen Transportgüter bereinigt ist. Aber auch das US-Verbrauchervertrauen (Uni Michigan) musste etwas nach unten korrigiert werden. Einzig und allein die Verkäufe bestehender Immobilien fielen besser als erwartet aus, so dass sich zumindest beim Modell der Fed von Atlanta GDPNow dieselbe Wachstumsprognose wie am Vortag ergab: Das Bruttoinlandsprodukt wird demnach saisonbereinigt und annualisiert im vierten Quartal um 2,5 Prozent wachsen – zu Anfang des Monats lagen diese Berechnungen einmal bei 3,0 Prozent.
Unter dem Strich ergaben sich für den Euro gestern allerdings keine wesentlichen Veränderungen, was vor allen Dingen auch mit Blick auf den heutigen US-Feiertag Thanksgiving nicht weiter verwunderlich ist. Damit bleibt die Gemeinschaftswährung stabil, solange das wichtige Nachfrageniveau bei 1,1310/15 nicht unterlaufen wird. Darunter entstünde allerdings ein neuer Abwärtstrend mit Risiko bis zunächst 1,1195.

USD

GBP

EUR GBP (0,8910)

Gestern hatte sich Theresa May auf den Weg nach Brüssel begeben. Dort sollte sie mit dem Präsidenten der EU-Kommission Jean-Claude Juncker zusammentreffen, um letzte Hindernisse beim Brexit-Abkommen aus dem Weg zu räumen. So ging es zum Beispiel um Gibraltar, Fischereirechte oder den Warenhandel. Hauptproblem: Spanien verlangt eine Klarstellung zu Gibraltar, das bei künftigen Verhandlungen über die Beziehung zwischen der EU und Großbritannien ausgeklammert werden müsse, und droht mit einem Nein zum Brexit-Abkommen. Dagegen wollte Großbritannien zuletzt auf eine Berücksichtigung Gibraltars im Abkommen nicht verzichten. Neben dem eigentlichen Brexit-Abkommen wird es auch noch eine politische Erklärung, ein 23 Seiten starkes, so genanntes "Association Agreement" zur zukünftigen Partnerschaft zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich geben, das nun den letzten Schliff bekommen soll. Zumindest eines wurde allerdings gestern klar: Sowohl die Unterhändler der EU als auch die Vertreter Großbritanniens möchten offenbar vermeiden, dass der Vertragstext zum Brexit noch einmal geändert wird. Angesichts des gestern recht ruhig verlaufenden Handels bleibt der Euro gegenüber Sterling zwar in seiner Konsolidierung, deren Grenzen wir nun etwas enger zwischen 0,8765/70 und 0,9025 verorten können.

EUR

EUR CHF (1,1335)

Die gesunkene Risikoaversion der Akteure hat sich gestern nicht negativ auf den Franken ausgewirkt. Mit anderen Worten: Die Gelassenheit, die man etwa gestern im Handel mit Italiens Staatsanleihen beobachten konnte, hat sich nicht im Wechselkurs niedergeschlagen. Allerdings hat der Euro das untere Ende seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1310 und 1,1500 aber auch nicht durchbrochen. Wie gehabt würde ohnehin erst nach Versagen von 1,1280 ein neuer Abwärtstrend eingeleitet werden.

PLN

EUR PLN (4,3000)

Der insgesamt relativ ruhige Euro-Handel hat sich gestern auch auf das Wechselkursverhältnis des Euro gegenüber dem Zloty übertragen. Letzterer konnte möglicherweise ein wenig von der Erholung am Aktienmarkt profitieren. Dennoch bleibt der Euro ohne echten Trendimpuls in den Grenzen der derzeitigen Konsolidierungszone zwischen 4,2780 und 4,3460 gefangen.


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