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Nov 21, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Italien und die Risikoaversion

USD

EUR USD (1,1390)

Italien ist nach einer kurzen Pause wieder stärker in den Fokus des Händlerinteresses zurückgekehrt. Denn noch am Montag kam es uns seltsam vor, dass es den Euro-Händlern zumindest vordergründig entgangen zu sein schien, wie sich der Renditevorsprung zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit ähnlicher Laufzeit deutlich vergrößert hatte. Zumindest hat es etwas gedauert, bis dann gestern auch der Euro Reaktion zeigte. Vielleicht musste besagter Rendite-Spread erst auf 335 Basispunkte steigen, bis der ein oder andere Weckruf bei den Devisenakteuren aktiviert wurde. Zumindest wurde damit das bisherige Jahreshoch vom 19. Oktober (338 Basispunkte) nur knapp verfehlt. Immerhin hatte sich der Renditevorsprung bis zum Handelsschluss wieder etwas zurückgebildet. Lag es womöglich daran, dass sich der stellvertretende Premierminister Italiens, Luigi Di Maio, gesprächsbereit für einen Dialog mit der EU-Kommission zeigte? Aber Reden und Handeln sind natürlich zweierlei, und bis gestern sprach nichts dafür, dass Italien von seinem überarbeiteten Haushaltsentwurf, der immer noch eine Neuverschuldung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für das kommende Jahr vorsieht, Abstand nehmen wird. Nun ist es heute an der EU-Kommission, sich zum italienischen Haushalt zu äußern.
Und so ist es auch kein Wunder, dass der gestrige Handelstag von steigender Risikoaversion gekennzeichnet war. Und von der hat auch der Greenback seit einer Woche wieder einmal profitiert. Vielleicht auch, weil die Neubaubeginne im Oktober wie erwartet ausgefallen waren. Dies wäre allein allerdings kein Grund gewesen, plötzlich Dollar zu kaufen. Noch tags zuvor war die Stimmung unter den US-Bauherren ziemlich deutlich gesunken, so dass der dazugehörige NAHB-Index auf den niedrigsten Stand seit viereinhalb Jahren fiel. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass die Zahl der Neubaubeginne womöglich durch die Wiederaufbautätigkeit infolge des Hurrikans Florence aufgebessert wurde und somit übertüncht haben mag, dass sich die Situation im Immobiliensektor tatsächlich verschlechtert hat. Auf jeden Fall musste der Euro gestern einen kräftigen Rückschlag hinnehmen, bleibt aber stabil, solange 1,1310/15 gehalten werden kann. Darunter würde, wie schon gestern angezeigt, ein neuer Abwärtstrend, dann mit anfänglichem Risiko bis zunächst 1,1195, eingeleitet.

GBP

EUR GBP (0,8895)

Beim Sterling-Handel ist ein wenig Ruhe eingekehrt. Nicht zuletzt, weil der Chef der Bank of England und seine Kollegen aus dem Geldpolitischen Komitee sich bei der gestrigen Anhörung zum Inflationsbericht vor dem Finanzausschuss des britischen Parlaments diplomatisch gezeigt haben. Gefragt, ob ein Brexit ohne Abkommen zu einer Zinserhöhung oder Zinssenkung der Bank of England führen würde, gab BoE-Chef Mark Carney ein lakonisches „It depends" zur Antwort. Und das spiegelt ziemlich realistisch wider, in welcher Situation sich die Bank of England derzeit befindet: Sie muss, wie andere Entscheider auch, abwarten, wie die Geschichte um das Brexit-Abkommen am Ende ausgehen wird. Unterdessen wird Theresa May heute mit dem Präsidenten der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, zu weiteren Gesprächen in Sachen Brexit-Abkommen zusammentreffen, ohne dass größere Änderungen im Vertragstext zu erwarten sind. Immerhin sind innerhalb der Konservativen Partei bis jetzt immer noch nicht genügend Stimmen (48) zusammengekommen, um ein Misstrauensvotum gegen die Premierministerin anzustrengen. Aber die nordirische Partei DUP machte gestern noch einmal deutlich, dass sie im britischen Parlament gegen den derzeitigen Entwurf des Abkommens stimmen werde. Und so musste auch Sterling gegenüber dem Euro gestern den ganzen Tag in einer Art Hängepartie verbringen. Tatsächlich produzierte die Gemeinschaftswährung gegenüber dem britischen Pfund gerade einmal eine Tagesbandbreite von 50 Stellen und versucht nach wie vor ein Gleichgewicht innerhalb der breit gefassten Grenzen zwischen 0,8700 und 0,9025 zu finden.

EUR

EUR CHF (1,1325)

Es dürfte wohl nicht der besser als erwartet ausgefallene Handelsbilanzüberschuss der Schweiz gewesen sein, der den Euro gestern unter Druck setzte. Vielmehr war der Franken im Zuge neu aufgekommener Risikoaversion (wie auch die andere Fluchtwährung, der japanische Yen) gestern unter den Akteuren gut nachgefragt gewesen. Nicht zuletzt infolge der nochmals gestiegenen italienischen Anleiherenditen. Damit testete der Euro gleichzeitig das untere Ende seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1310 und 1,1500 und dürfte unterhalb von 1,1280 sogar einen neuen Abwärtstrend einleiten.

PLN

EUR PLN (4,3060)

Die polnische Industrieproduktion (+7,4 Prozent gegenüber Vorjahr), aber auch der Produzentenpreisindex (+3,2 Prozent gegenüber Vorjahr) ist im Oktober stärker als von den Ökonomen im Mittel erwartet gestiegen und könnte somit zum gestrigen Aufschwung des Zloty beigetragen haben. Der Hauptimpuls dürfte allerdings aus dem Euro herausgekommen sein, der sich in Richtung zur Mitte seiner Konsolidierungszone zwischen 4,2780 und 4,3460 abgeschwächt hat.


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