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Nov 19, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

US-Wachstum, plötzlich nicht mehr stark?

USD

EUR USD (1,1400)

Es ist gerade einmal zehn Tage her, da tagte der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC). Und in ihrem Statement ging die Fed von einer nach wie vor starken Konjunktur, gekennzeichnet durch einen kräftigen Arbeitsmarkt und weiter deutlich wachsende Ausgaben der privaten Haushalte, aus. Die Risiken bezüglich des konjunkturellen Ausblicks seien ausgewogen, hieß es. Und auch die Kerninflation befinde sich demnach auf Jahresbasis nahe dem angestrebten Ziel von 2 Prozent, während die langfristigen Inflationserwartungen per Saldo wenig verändert seien. Ja, das Statement hatte zwar keine hawkishen Elemente, aber es las sich durchaus bullish. Am vergangenen Freitag, also gut eine Woche später, schien dieses Statement offenbar völlig in Vergessenheit geraten zu sein. Denn der Vize-Präsident der Fed, Richard Clarida, äußerte in einem Fernsehinterview, er sehe Anhaltspunkte dafür, dass sich das globale Wachstum abkühlen werde. Auch befänden sich die kurzfristigen Zinsen nahe am neutralen Niveau. Zur Erinnerung: Als neutral wird derjenige Zins bezeichnet, der das Wachstum weder hemmt noch fördert. Und auch Claridas Kollege Quarles sowie die derzeit nicht stimmberechtigten Mitglieder Harker ((Fed Philadelphia) und Kashkari (Fed Minneapolis) zeigten sich in Sachen US-Wachstum mit einem Male vorsichtiger. Was aber war denn so Weltbewegendes geschehen, dass man von Fed-Seite in so kurzer Zeit jeglichen Optimismus aufzugeben schien? Wo doch selbst Fed-Chef Jerome Powell noch am vergangenen Mittwoch zwar von der Gefahr möglicher Gegenwinde für das US-Wachstum gesprochen hatte, dieses aber dennoch immer noch für stark hielt.
Eine Antwort mag ein Editorial des Wall Street Journal vom Freitag geben. „America is not an Island“ – Amerika sei keine Insel, lautete dessen Titel. Da wurde gleich zu Beginn darauf hingewiesen, dass etwa Deutschlands Wachstum um 0,2 Prozent im vergangenen Quartal geschrumpft sei, zum ersten Mal seit dem Jahr 2015. Und auch in Japan sei das Wachstum im dritten Quartal um 0,3 Prozent gesunken, war da zu lesen. Tatsächlich könnte man aus diesen Zahlen allein womöglich Gefahren für das globale Wachstum herleiten. Dennoch: Gerade die schlechten Wachstumszahlen Deutschlands sind auf Sondereffekte aus dem Kfz-Sektor zurückzuführen. Hatte nicht Bundesbankpräsident Weidmann erst kürzlich davon gesprochen, dass die Erholung in Deutschland trotz des geschrumpften Bruttoinlandsprodukts intakt sei? Auch EZB-Präsident Mario Draghi sah noch am Freitag die Risiken für das Wachstum im Großen und Ganzen ausgewogen. Oder übt sich die EZB nur in Zweckoptimismus, damit sie endlich im Dezember das Anleihekaufprogramm beenden kann? Aber auch die japanische Wachstumszahl steht in einem ganz anderen Licht, wenn man bedenkt, dass es dort in besagtem Quartal eine schwere Naturkatastrophe gegeben hatte. Und dann ist im Editorial auch noch von Chinas Wachstum die Rede, das im dritten Quartal tatsächlich mit +6,5 Prozent im Jahresvergleich enttäuscht hatte. Eine Zahl, die bereits im Oktober publiziert wurde und der US-Notenbank bei ihrer vergangenen Sitzung schon längst bekannt gewesen sein musste. Aber plötzlich steht nun die Forderung im Raum, die Fed müsse die für Dezember vielerorts erwartete Zinserhöhung von 25 Basispunkten noch einmal überdenken.
Die Märkte haben auf jeden Fall reagiert. So ist die implizite Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im Dezember (vgl. CME FedWatch Tool) am Freitag auf 65 Prozent gesunken. Vor einer Woche betrug sie noch rund 75 Prozent und vor einem Monat lag sie gar über 80 Prozent. Aber auch der US-Dollar ist unter Druck geraten und hat den Euro immerhin fast bis an den Rand der Obergrenze seines bisherigen Abwärtstrends bei 1,1430 gebracht; ein Trend, dem wir bereits im vergangenen Kommentar kein Momentum mehr attestieren konnten.

USD

USD CHF (1,0000)

Die von den Finanzmarktakteuren am Freitag wahrgenommenen globalen Wachstumssorgen und die damit möglicherweise drohende Pause im US-Zinserhöhungszyklus sind auch am Kurs des Dollar gegenüber dem Franken nicht spurlos vorüber gegangen. Allerdings befindet sich der Greenback noch in seinem kurzfristigen Aufwärtstrend, dessen Untergrenze derzeit bei 0,9970 liegt. Sollte dieses Niveau gebrochen werden, würde der Potenzialpunkt bei 1,0180 jedenfalls hinfällig, aber ein dem derzeitigen Trend übergeordneter mittelfristiger Aufwärtstrend geriete erst unterhalb von 0,9885 unter Druck.

GBP

EUR GBP (0,8885)

Noch am vergangenen Donnerstagabend wirkten Sterling-Händler ob der hohen Volatilität nahezu verzweifelt. Und es gab nicht wenige Kommentatoren, die kurzfristig orientierten Devisenakteuren empfahlen, sich aus dem Handel mit dem britischen Pfund, sofern möglich, herauszuhalten. Denn die Lage sei unübersichtlich. Natürlich machten noch am Freitagmorgen Gerüchte die Runde, dass die 48 Briefe von Abgeordneten, die erforderlich sind, um ein Misstrauensvotum gegen die britische Premierministerin einzuleiten, mittlerweile beim Chef des dafür zuständigen Ausschusses der Konservativen Partei, dem sogenannten 1922 Committee, eingegangen seien. Ein Gerücht, das bislang nicht bestätigt wurde. Vielmehr schien sich im Laufe des Freitags die fragile politische Situation um Theresa May herum zu stabilisieren. Das war spätestens dann der Fall, als einer der prominenten Brexiteers, Umweltminister Michael Gove, der zuvor zwar den Posten eines Brexit-Ministers abgelehnt hatte, sich zum Ärger vieler Brexiteers dazu entschloss, zusammen mit anderen Ministern im Kabinett May zu bleiben. Und zwar angeblich, um für Großbritannien den „bestmöglichen Deal“ mit der EU zu erreichen. Tatsächlich scheint es, als habe Theresa May in der eigenen Partei wieder etwas mehr Rückendeckung erhalten. Aber selbst, wenn die Premierministerin ein Misstrauensvotum überleben oder ein solches gar nicht erst eingeleitet würde, ist mehr als fraglich, ob der 585-seitige Entwurf zum Brexit-Abkommen in der jetzigen Form die Zustimmung des Unterhauses erhalten wird. Deswegen schloss der Euro gegenüber Sterling auch am Wochenhoch bei 0,8900 innerhalb einer immer noch als sehr volatil einzuschätzenden breiten Seitwärtszone, die derzeitig zwischen 0,8700 und 0,9025 verläuft, wobei von Trendansätzen derzeit naturgemäß nichts zu sehen ist.

EUR

EUR CHF (1,1405)

Das Italien-Risiko scheint für die Devisenhändler derzeit keine Rolle zu spielen. Möglicherweise, weil sich auch die italienischen Anleiherenditen seit vier Handelstagen nicht weiter nach oben entwickelt haben. Und so sind auch keine Anzeichen von Risikoaversion in den typischen Fluchtwährungen Franken und Yen zu beobachten. Der Euro konnte sich jedenfalls im Rahmen seiner derzeitigen breiten Konsolidierungszone zwischen 1,1310 und 1,1500 (modifiziert) marginal befestigen.

PLN

EUR PLN (4,3150)

Medienberichte, wonach der Chef der polnischen Zentralbank, Adam Glapinski, womöglich zurücktreten werde, haben sich am Freitag auf den Zloty negativ ausgewirkt. Zwar wies Glapinski derartige Gerüchte zurück, aber die polnische Währung konnte sich nicht mehr erholen. Zumal auch der Aktienmarkt bereits an den Tagen zuvor infolge eines polnischen Korruptionsskandals, im Rahmen dessen der Chef der polnischen Finanzaufsichtsbehörde in der vergangenen Woche zurücktrat, spürbar zu tragen hatte. Auch infolgedessen hat der Euro am Freitag seinen Stabilisierungspunkt bei 4,3120 überwunden. Allerdings bleibt weiteres Aufwärtspotenzial überschaubar, zumal an der Oberseite guter Widerstand bei 4,3460 lauert. Auf der anderen Seite würde die Gemeinschaftswährung bereits unterhalb von 4,2770 in weniger günstiges Fahrwasser geraten.


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