Wöchentliche Marktberichte

Nov 07, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Demokraten erobern US-Repräsentantenhaus

USD

EUR USD (1,1440)

Ein Kommentator stellte gestern die Frage, was man wohl mit dem Dollar angestellt hätte, wenn einem im Vorhinein die Wahlergebnisse der gestrigen Midterms bekannt gewesen wären. Tatsächlich hätte dieses Herrschaftswissen nicht zwangsläufig auch zu Kursgewinnen geführt. Denn nicht jeder hat die gleichen Entscheidungen zu treffen, und manch einer ist, wenn auch nicht ganz freiwillig, bereits positioniert in die gestrige Wahlnacht hineingegangen. Nun scheint es sich also heute früh relativ klar abzuzeichnen, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus mehrheitlich übernehmen werden, während es im Senat nicht zu einem Wechsel der Mehrheit gereicht hat. US-Medienberichten und Hochrechnungen zufolge werden die Demokraten (FiveThirtyEight) nicht nur die für eine Mehrheit notwendigen 23 Stimmen, sondern vermutlich mehr als 30 Sitze hinzugewinnen. Im Senat, der nur zu einem Drittel neu gewählt wurde, werden die Republikaner allerdings das Sagen behalten – Hochrechnungen zufolge könnten sie sogar bis zu drei Stimmen hinzugewinnen. Immerhin eines ist jetzt schon sicher: US-Präsident Donald Trump wird nicht mehr wie früher einfach durchregieren können, sondern muss viele Entscheidungen erst mühsam durch den Kongress bringen. Ob es dann noch zu einer von Trump versprochenen Steuersenkung für den Mittelstand kommt, erscheint daher fraglich. Am Ende ist das von den Prognose-Instituten für am wahrscheinlichsten gehaltene Szenario tatsächlich eingetreten. Erwartungsgemäß hat sich der Dollar in einer ersten Reaktion etwas abgeschwächt.

Jenseits der gestrigen Wahlen gab es immerhin auch noch die endgültigen Daten zum Einkaufsmanager-Index der Dienstleister in der Eurozone zu bewerten, die am Ende leicht positiv überrascht haben, aber dennoch im Oktober nicht an das Niveau des Vormonats herangekommen waren. Aus dem Rahmen fällt allerdings die Entwicklung in Italien, da dortzulande nicht nur der Index der Dienstleister zum ersten Mal seit fast zweieinhalb Jahren wieder unter der wichtigen 50er-Linie, der Grenze zwischen expansiver und zurückgehender Konjunktur, notierte. Auch die Zahlen des verarbeitenden Gewerbes und somit der Gesamtindex lagen für Italien damit in einem Bereich, der eine leichte Schrumpfung der Wirtschaft anzeigt. Ganz im Gegensatz zu Spanien, dessen Wirtschaft sich den Einkaufsmanager-Zahlen zufolge im Wachstumsmodus zu befinden scheint.
Der Euro zeigt sich unterdessen im Rahmen seines derzeitigen Abwärtstrends leicht erholt, bleibt aber einem Risiko bis 1,1260 ausgesetzt. Auf der anderen Seite würde bereits mit Überschreiten von 1,1490/95 der vorherrschende Trend beendet.

USD

USD CHF (1,0010)

Der Dollar hat sich heute früh infolge der sich abzeichnenden Machtverschiebung im US-Repräsentantenhaus etwas abgeschwächt und dabei beinahe die Untergrenze des derzeitigen Aufwärtstrends zwischen 0,9975 und 1,0130 getestet, sich zwischenzeitlich aber wieder erholt.

GBP

EUR GBP (0,8725)

Sterling-Händler waren gestern mindestens ebenso optimistisch, wie sich Dominic Raab in Sachen Brexit zeigte. Denn zum Schluss der von vielen Beobachtern mit Spannung verfolgten Kabinettssitzung machte der Brexit-Minister gegenüber Journalisten ein ziemlich eindeutiges Handzeichen: Daumen hoch. Hatte es also tatsächlich einen Durchbruch gegeben? Nein, "safe" war überhaupt nichts. Vielmehr machte Theresa Mays Regierungssprecher später deutlich, dass es zwar konstruktive Diskussionen bei der Kabinettssitzung gegeben habe, aber eine Reihe schwieriger Punkte ungelöst geblieben seien. Dazu gehört offenbar auch die Verfahrensweise, wie im Falle eines Falles der sogenannte Backstop beendet werden könnte. Zur Erinnerung: Um eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland zu vermeiden, soll Großbritannien im Notfall in der Zollunion mit der EU verbleiben, bis eine andere Lösung in der Grenzfrage gefunden wird. Während Brüssel keine zeitlich begrenzte Notfalllösung anstrebt, möchte Großbritannien die Zeitspanne für einen solchen Backstop befristen. Auch wenn sich der Sprecher von Theresa May gestern nicht detailliert dazu äußern wollte – einem Medienbericht zufolge wird sich das Kabinett alsbald zu einer neuen Sitzung einfinden, wenn eine Entscheidung zu einem Brexit-Deal [bzw. über ein neues Angebot an die EU] ansteht. Bis dahin werden sich Theresa May und Dominic Raab wohl noch einmal zusammensetzen müssen, um einen neuen Kompromissvorschlag für alle Beteiligten auszuarbeiten. Unterdessen bleibt Sterling auch heute gegenüber dem Euro in guter Position. Dieser unterschritt sogar kurzzeitig die Untergrenze seiner derzeitigen Konsolidierung zwischen 0,8720 und 0,8940, womit ein schwacher Abwärtstrend in Richtung 0,8650 ausgelöst wurde. Dieser bleibt intakt, solange 0,8825 (modifiziert) nicht überschritten wird.

EUR

EUR CHF (1,1450)

Auch ohne neue ökonomische Erkenntnisse hat sich der Euro gestern abermals marginal nach oben geschraubt und befindet sich nun seit sieben Handelstagen auf einem kleinen Aufwärtspfad, der allerdings jederzeit brechen könnte. Aber auch wenn der hierfür erforderliche Auslöser bei 1,1415 liegt, dürften sich entsprechende Reaktionen innerhalb der derzeitigen Konsolidierungszone zwischen 1,1310 und 1,1510 abspielen. Letztere Marke bleibt nach wie vor auf der anderen Seite ein Auslöser für Aufwärtsbewegungen in Richtung 1,1590.

PLN

EUR PLN (4,3050)

Auch der gestrige kleine Ausflug des Euro an der Oberseite stellte sich am Ende des Tages als Luftnummer heraus. Damit bleibt der kurzfristige Euro-Aufwärtstrend mit Potenzial bis 4,3720 in Gefahr, verletzt zu werden. Denn der Trend ist spätestens nach Unterschreiten von 4,3000 beendet. Mehr noch würde damit ein Rücktest der ehemaligen Konsolidierungszone unter bei 4,2650 möglich werden.


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