Wöchentliche Marktberichte

Nov 06, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wahltag

USD

EUR USD (1,1400)

Nun ist es endlich soweit: In den USA wird gewählt. Zur Disposition steht das komplette US-Repräsentantenhaus sowie ein Drittel des Senats. Und es gibt nicht wenige Beobachter, die von diesen Zwischenwahlen größere Auswirkungen auf die Finanzmärkte erwarten. Wird US-Präsident Donald Trump weiter durchregieren können? Glaubt man jüngsten Umfragen (FiveThirtyEight), liegt die Zustimmung für Trump derzeit bei 41,9 Prozent, während 52,8 Prozent der Befragten die Politik des Präsidenten ablehnen. Und tatsächlich scheint es dieses Mal so zu sein, dass die Zwischenwahlen nicht nur eine Entscheidung zwischen Republikanern und Demokraten, sondern auch ein Referendum zur Trumpschen Politik bedeuten. Nun neigen Menschen im Allgemeinen und Händler im Besonderen dazu, vor allem unter Zeitdruck Sachverhalte zu vereinfachen. Und hier stellt sich für viele die Frage, welcher Wahlausgang (automatisch) zu welchem Ergebnis an den Finanzmärkten führen wird.
Derzeit am wahrscheinlichsten ist ein Szenario, bei dem die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobern, den Senat aber mehrheitlich den Republikanern überlassen müssen. Nach gängiger Lesart wäre dies für den Dollar als neutral, für die Aktienmärkte im Zweifel zumindest kurzfristig als negativ zu werten. Denn Donald Trump könnte nicht mehr wie bisher durchregieren, sondern müsste letztlich alle seine Vorhaben, insbesondere auch die versprochene Steuersenkung für den Mittelstand, möglicherweise mühsam durch den Kongress bringen. Weniger wahrscheinlich, aber für die Finanzmärkte sicherlich am besten wäre, wenn die Mehrheitsverhältnisse im Kongress so blieben, wie sie sind, also eine Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus und im Senat. Dies würden die Börsen nach Ansicht vieler Beobachter positiv quittieren, und der Dollar würde möglicherweise ein Stück weiter steigen. Die dritte Variante, wonach die Demokraten in beiden Häusern die Mehrheit auf sich vereinigen könnten, gilt als am wenigsten wahrscheinlich und würde vermutlich zumindest den US-Börsen, aber auch dem Dollar temporär einen Dämpfer versetzen. Eigentlich eine ganz einfache Angelegenheit – oder doch nicht?
Das Problem solcher Szenarien ist, dass sie zwar einfach gestrickt sind, aber es bei den Lösungen bereits mehrere Wege gibt. Zieht man darüber hinaus in Betracht, dass selbst drei einfache Verteilungen im Kongress in der Realität wesentlich facettenreicher sein können, etwa „große Mehrheit“, „knappe Mehrheit“ o. ä., wird schnell klar, dass es sowohl bei den Ausgangsszenarien einen riesigen Variantenreichtum und bei den Lösungswegen noch mehr Möglichkeiten gibt. Kurzum: Es sollte uns nicht wundern, wenn, wie es schon häufig in der Vergangenheit sowohl bei wichtigen Finanzmarktereignissen als auch bei Wahlen der Fall war, das vermeintlich naheliegende Resultat nicht eintritt.
Der Euro hat sich unterdessen in seinem derzeitigen Abwärtstrend kaum nach unten bewegt, bleibt aber einem Risiko bis 1,1245 ausgesetzt. Auf der anderen Seite würde bereits mit Überschreiten von 1,1495/00 der vorherrschende Trend beendet.

USD

USD CHF (1,0040)

Wenn man für den gestrigen kleinen Ausflug des Dollar an die Oberseite eine Begründung suchen möchte, kann man diese im gestern publizierten ISM-Einkaufsmanagerindex außerhalb der Industrie finden, der besser als von Ökonomen im Konsens erwartet ausfiel. Allerdings machte der Greenback per Saldo dann doch (vermutlich auch wegen der heute anstehenden US-Zwischenwahlen zum Kongress) keine Fortschritte und verharrt somit in seinem Aufwärtstrend zwischen 0,9955 und 1,0125.

GBP

EUR GBP (0,8740)

Es ist nicht das erste Mal, dass die Devisenhändler mit großen Erwartungen in Sachen Brexit ins Wochenende gegangen sind und dann am Montag feststellen mussten, dass sich viele Dinge nicht wie erhofft entwickelt hatten. Denn gestern lehnten sowohl die EU als auch Irland einen neuen Vorstoß des britischen Brexit-Ministers Dominic Raab rundweg ab, demzufolge Großbritannien das Recht hätte erhalten sollen, eine etwaige Auffanglösung zur Beilegung der irischen Grenzproblematik einseitig kündigen zu können. Dieser sogenannte Backstop, wonach Großbritannien in der Zollunion mit der EU verbleibt, bis eine andere Lösung in der Grenzfrage gefunden wird, um auf diese Weise eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland zu vermeiden, bleibt offenbar das Haupthindernis beim Ringen um einen Brexit-Deal. Während Brüssel keine zeitlich begrenzte Notfalllösung anstrebt, möchte Großbritannien eine zeitliche Begrenzung für einen Backstop. Hatte man kürzlich noch die Hoffnung gehegt, dass man nun zu einer schnellen Lösung des Problems kommen würde, wird das britische Kabinett Medienberichten zufolge bei seinem heutigen Treffen nicht über ein neues Angebot an die EU entscheiden. Aber auch von EU-Seite wurde noch einmal klar, dass mit einer schnellen Übereinkunft wohl nicht zu rechnen ist. So äußerte etwa Irlands Premierminister Leo Varadkar, er erwarte [nun erst] zum Jahresende den Abschluss eines Brexit-Deals. Trotz dieses Rückschlags ist es erstaunlich, dass das britische Pfund nicht stärker nachgegeben hat. Tatsächlich bleibt Sterling gegenüber dem Euro in guter Position, während die Gemeinschaftswährung droht, die derzeitige Konsolidierung zwischen 0,8720 und 0,8940 an der Unterseite zu verlassen. Dies gilt vor allen Dingen, solange 0,8805 nicht überwunden wird.

EUR

EUR CHF (1,1460)

Seit gut zehn Tagen hat sich nun der Euro peu à peu nach oben geschlichen. Allerdings blieb diese Bewegung auf gerade einmal 125 Stellen beschränkt, weshalb das nicht geringe Risiko besteht, dass solche graduellen Fortschritte abrupt abreißen können. Allerdings dürfte sich die Kursentwicklung im Rahmen der derzeitigen Konsolidierungszone zwischen 1,1310 und 1,1510 abspielen, wobei die obere Begrenzung als Auslöser für eine Aufwärtsbewegung des Euro in Richtung 1,1590 einzustufen ist.

PLN

EUR PLN (4,3020)

Mangels neuer ökonomischer Daten blieb die Kursentwicklung des Währungspaares in überschaubarem Rahmen. Allerdings ist bemerkenswert, dass der Euro zum Handelsschluss noch nicht einmal einen kleinen Kursgewinn retten konnte. Damit ist der kurzfristige Euro-Aufwärtstrend in Richtung 4,3720 in Gefahr, da die Gemeinschaftswährung sich nicht richtig von der 4,3000er Marke lösen kann. Sollte dieses Niveau verletzt werden, wäre wahrscheinlich ein Rückgang auf die Untergrenze der ehemaligen Konsolidierungszone bei 4,2650 die Folge.


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