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Wöchentliche Marktberichte

Nov 02, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Sterling im Brennpunkt

USD

EUR USD (1,1410)

Es war eine der Trading-Situationen für technisch orientierte Händler, die sich beim Euro von Mittwoch auf Donnerstagnacht ergeben hatte. Denn es sah aus wie im Bilderbuch: Der Euro markierte sein Tief im laufenden Abwärtstrend fast genau auf Höhe des bisherigen Jahrestiefs vom August. Und nun fällt dieser Rebound auch insofern aus dem Rahmen, dass gestern an einem einzigen Tag die Verluste der vorangegangenen fünf Handelstage wettgemacht wurden. Was per se eigentlich nicht schwierig war, denn der Euro markierte schon seit Wochenanfang nur noch marginal niedrigere Tiefs, begleitet von relativ engen Handelsspannen.
Dass die gestrige Erholung einigen Akteuren nicht so recht ins Konzept gepasst haben mag, zeigt sich auch an den Begründungen, die man allenthalben zu lesen bekam. Das beliebteste Argument darunter ist naturgemäß, dass die Risikofreude zurückgekehrt sei und so auch dem Euro zu einer ordentlichen Erholung verholfen habe. Das wohl wichtigste Datum von gestern, der ISM-Einkaufsmanagerindex der US-Industrie, hat jedenfalls nicht so enttäuscht, dass er per se eine so starke Dollar-Reaktion gerechtfertigt hätte. Am ehesten greift wohl die Begründung, dass die sogenannten Midterms, die am 6. November stattfindenden Zwischenwahlen in den USA, bereits ihre Schatten vorauswerfen. Und so mag es hier und da tatsächlich zu größeren Positionsglattstellungen im Dollar gekommen sein, was angesichts des vorangegangenen Anstiegs zumindest nachvollziehbar ist. Oder ging man wirklich davon aus, dass der US-Arbeitsmarktbericht heute eine böse Überraschung mit sich bringen werde? Betrachtet man vorgenannten ISM-Report genauer, zeigt etwa ein sub-Index, dass die Lohnkosten im Oktober gestiegen sind. Überhaupt ist eine der Befürchtungen im verarbeitenden Gewerbe, dass durch den Handelsstreit der USA mit dem Rest der Welt zunehmend höhere Kosten zu Buche schlagen und letztlich auch die Inflation befeuern könnten. Deswegen ist es sicher angebracht, besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Stundenlöhne im morgigen Arbeitsmarktbericht zu werfen.
Wie eingangs festgestellt, zeigt der Euro nun das typische Chartmuster eines „Doppelbodens“. Ein großer Nachteil bei solch schön geschnittenen Mustern ist allerdings, dass sie, weil für jedermann erkennbar, oft nicht weit tragen bzw. häufig auch nicht funktionieren. Denn die Gewinne aus diesen als Schnäppchen empfundenen Euro-Käufen wollen alsbald realisiert werden. Vor allem weil der Trend des Euro, solange sich dieser unter 1,1510/15 bewegt, noch nach unten gerichtet ist. Allerdings hat die gestrige Korrektur dafür gesorgt, dass der derzeitige Abwärtstrend auf 1,1240 reduziert werden muss.

USD

USD CHF (1,0015)

Die gestrige Dollar-Korrektur hat auch gegenüber dem Franken nicht Halt gemacht. Tatsächlich ist der Greenback im Rahmen seines ohnehin nicht erweiterten positiven Szenarios gestern exakt auf das dafür maßgebliche Niveau von 0,9995 zurückgefallen. Darunter wäre der Aufwärtstrend, dessen Untergrenze ohnehin tiefer bei 0,9950 verläuft, zwar noch nicht zerstört, würde aber erheblich an Dynamik verlieren.

GBP

EUR GBP (0,8780)

Die Musik im Devisenhandel machte gestern sicherlich das britische Pfund, das noch stärker als der Euro gestiegen war. Dies war allerdings kein Selbstläufer, denn es gab in Folge zur Brexit-Euphorie vom Mittwoch gestern so etwas wie eine kalte Dusche. So stellte sich die angebliche Einigung über die Finanzbranche, kolportiert von der Times in Berufung auf britische Regierungsvertreter, zumindest als vorschnell, wenn nicht gar als Falschmeldung heraus. Denn die EU-Kommission erklärte rundweg heraus, der Times-Story fehle die Grundlage. Und auch der von uns gestern erwähnte Brief von Dominic Raab an den Vorsitzenden des Brexit-Ausschusses im Unterhaus, Hilary Benn, in dem der Brexit-Minister mit dem 21. November ein konkretes Datum für den Abschluss eines möglichen Brexit-Abkommens mit der EU ins Spiel gebracht hatte, erscheint nun, wie wir es gestern bereits angedeutet hatten, in einem anderen Licht. So wurde der 21. November nicht nur von einem hohen EU-Diplomaten als sehr unwahrscheinlich bezeichnet. Selbst Raabs eigenes Ministerium erklärte inzwischen, dass es kein derartiges Datum gebe. Immerhin schien gestern Abend etwas Bewegung in die Brexit-Verhandlungen zu kommen, als bekannt wurde, dass die EU mit London die Möglichkeiten eines Kompromisses in der irischen Grenzfrage neu ausloten wolle.
Dass das britische Pfund auf diese Relativierungen nur geringfügig nachgab, dürfte auf die gestrige Sitzung des Geldpolitischen Ausschusses der Bank of England (MPC) zurückzuführen sein. Dass diese den Leitzins bei 0,75 Prozent unverändert belassen würde, war weithin erwartet worden. Auch dass das MPC seinen Wachstumsausblick für das laufende Jahr und für 2019 leicht auf 1,3 bzw. 1,7 Prozent senkte, dürfte kaum überrascht haben. Allerdings machte die BoE deutlich, dass der Zinspfad – sofern es nicht die offenen Brexit-Verhandlungen gäbe – etwas steiler als bisher gedacht verlaufen könnte. Deswegen könnte der Leitzins Ende 2021 bei 1,4 Prozent (im August hieß es noch 1,1 Prozent) liegen. Diese leicht falkenhafte Note sorgte letztlich dafür, dass sich Sterling gestern sogar stärker noch als der Euro erholte – gegenüber dem Dollar war es der beste Tag seit neun Monaten. Und solange Sterling unter 0,8875 bleibt, stehen die Chancen auf einen Durchbruch an der Unterseite der Konsolidierungszone zwischen 0,8720 und 0,8940 nicht schlecht.

EUR

EUR CHF (1,1440)

Die Schweizer Inflation ist im Oktober mit einem Plus von 0,2 Prozent des Konsumentenpreisindex gegenüber dem Vormonat etwas stärker als erwartet gestiegen, während die Jahresrate mit +1,1 Prozent der Konsenserwartung entsprach. Allerdings gilt dies nicht für die Kernrate, die mit +0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein wenig enttäuschte. Enttäuschend fiel auch der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes aus. Allerdings dürfte der gesamte Datenkranz gestern für die Entwicklung des Franken kaum maßgeblich gewesen sein. Vielmehr führte die (vermeintlich) neu entfachte Risikofreude dazu, dass sowohl Franken wie auch der ebenfalls als Fluchtwährung bekannte japanische Yen gestern unter Druck gerieten. Gleichzeitig ist es dem Euro endlich gelungen, seinen Abwärtstrend zu beenden und in eine neue Konsolidierung zwischen 1,1310 und 1,1510 einzuschwenken.

PLN

EUR PLN (4,3185)

Trotz des gestrigen Feiertags in Polen hat der Zloty etwas an Boden gewonnen und somit die bullishen Ambitionen des Euro leicht eingetrübt. Allerdings ohne Konsequenzen für den derzeitigen Aufwärtstrend in Richtung 4,3720 – ein Szenario, das gültig bleibt, solange 4,2980/00 nicht unterschritten wird.

CZK

EUR CZK (25,82)

Die Entscheidung der Tschechischen Zentralbank (mit fünf zu zwei Stimmen) den Leitzins um 25 Basispunkte zu erhöhen, hat der Krone gestern etwas auf die Füße geholfen. Allerdings bleibt der Aufwärtstrend des Euro in Richtung 26,02, darüber 26,18 erhalten, solange 25,76 nicht unterschritten wird.


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