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Wöchentliche Marktberichte

Nov 01, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Starker Dollar drückt Euro auf Jahrestief

USD

EUR USD (1,1340)

Am Ende des Tages dürfte es gestern eigentlich egal gewesen sein, ob der Euro aufgrund einer neuerlichen inneren Schwäche oder einer fortgesetzten Dollarstärke bis auf sein bisheriges Jahrestief zurückgefallen ist. Im Falle der Dollarstärke ist zumindest die Datenlage relativ eindeutig. Denn der Greenback ist nicht nur gegenüber dem Euro allein, sondern auch gegenüber einem Korb an Währungen (gemessen am Dollar-Index) auf das höchste Niveau seit Mitte 2017 gestiegen. Nicht zuletzt wegen der viel besser als erwartet ausgefallenen Daten der Arbeitsmarktagentur ADP. So sind im Nicht-Agrarbereich mit einem Zuwachs von 227 Tsd. im Oktober ähnlich viele Stellen neu geschaffen worden wie im Vormonat. Aber nicht nur diese Arbeitsmarktdaten überzeugten. Auch die Löhne haben im dritten Quartal 2018 stärker als erwartet angezogen. Zwar ist der Arbeitskostenindex in den USA mit einem Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal nur ein wenig stärker als erwartet gestiegen. Aber die Löhne haben mit +3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr den größten Sprung seit zehn Jahren vollzogen. Obwohl den Entscheidern im Offenmarktausschuss der US-Notenbank diese Zahlen nicht verborgen bleiben dürften, hat sich die implizite Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember mit rund 74 Prozent (vgl. CME FedWatch Tool) gegenüber dem Vortag nicht wesentlich erhöht.
Auf der anderen Seite gab es gestern immerhin eine erste Schätzung für den Konsumentenpreisindex der Eurozone, der mit einem Plus von 2,2 Prozent (bzw. 1,1 Prozent in der Kernrate) im Oktober gegenüber dem Vorjahr wie erwartet ausgefallen war. In Kombination mit den enttäuschenden Wachstumszahlen für die Eurozone vom Vortag gab es für die Händler offenbar wenig Grund, sich für den Euro zu entscheiden. Zumal einige Mitglieder des EZB-Rates in entsprechenden Statements vermittelten, dass man wohl auf jeden Fall mit den Anleihekäufen zum Jahresende aufhören möchte. Da passen zwar schlechte Wachstumszahlen nicht ganz ins Konzept, aber die EZB ist – und das wird oft vergessen – ohnehin nur der Preisstabilität verpflichtet. Und so war es kein Wunder, dass der Euro sang- und klanglos in den unteren Bereich seines Abwärtstrends abglitt. Dieser verläuft nunmehr von 1,1520/25 bis 1,1205/10.

USD

USD CHF (1,0065)

Beflügelt durch die guten ADP-Daten zum US-Arbeitsmarkt hat der Greenback gestern auch gegenüber dem Franken deutlich zugelegt und seinen ersten Potenzialpunkt bei 1,0090/95 erreicht. Um nun eine weitere Perspektive in Richtung 1,0220 zu eröffnen, muss dieses Niveau überwunden werden. Dabei müssen Rücksetzer im Rahmen dieses Szenarios bis auf 0,9995 beschränkt bleiben – die Untergrenze des Aufwärtstrends liegt derzeit mit 0,9945 deutlich höher.

GBP

EUR GBP (0,8820)

Immer wieder konnte man während der vergangenen Wochen lesen und hören, dass ein Brexit-Deal kurz vor dem Abschluss stehe oder bis auf wenige offene Punkte komplettiert sei. So auch gestern, als etwa Portugals Außenminister Augusto Santos Silva äußerte, die EU und Großbritannien seien einem Brexit-Abkommen sehr nahegekommen. Und auch der britische Brexit-Minister Dominic Raab klang gestern diesbezüglich ausgesprochen optimistisch. Das sind alles Meldungen, die Pfund-Händler eigentlich nicht aus dem Gleichgewicht bringen sollten. Als jedoch gestern ein Brief von Dominic Raab an den Vorsitzenden des Brexit-Ausschusses im Unterhaus, Hilary Benn, auftauchte, in dem dieser mit dem 21. November, wenn auch nur indirekt, ein konkretes Datum für den Abschluss eines möglichen Brexit-Abkommens mit der EU ins Spiel brachte, war dies Medienvertretern eine weitere Schlagzeile wert. Und genau diese Schlagzeile mit dem konkreten Datum wurde von den Akteuren wesentlich stärker wahrgenommen als das Informations-Einerlei der Wochen zuvor. Allerdings ist der auf der Web-Seite des Brexit-Ausschusses veröffentlichte Brief auf den 24. Oktober datiert, also bereits eine Woche alt. Auch die Reaktion Hilary Benns am 30. Oktober, dass am 21. November – egal, ob ein Deal zustande gekommen sei oder nicht – eine Anhörung diesbezüglich stattfinden soll, relativierte die Bedeutung dieses Details. So gesehen mag allein die Tatsache, dass mit einem Male ein konkretes Datum im Raum stand, für überzogene Händlerreaktionen in einem überhitzten Markt gesorgt haben. Denn die meisten Akteure hatten sich zuvor auf eine anhaltende Pfund-Schwäche eingestellt. Und so musste der Euro in einem leicht überkauften Markt letztlich eine heftige Korrektur hinnehmen, die den gerade erst begonnenen kleinen Aufwärtstrend zum Erliegen brachte. Deswegen ist die Gemeinschaftswährung gestern wieder in eine Seitwärtsbewegung zwischen nunmehr 0,8720 und 0,8940 gezwungen worden.

EUR

EUR CHF (1,1415)

Die Stimmung unter den Schweizer Investoren hat sich gemäß einer Umfrage von Crédit Suisse/CFA im Oktober mit einem Indexwert im Oktober von -39,1 gegenüber dem Vormonat weiter verschlechtert. Damit sind die Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate auf den niedrigsten Stand seit Februar 2015 gefallen. Allerdings hat sich, wie schon so oft in der Vergangenheit, die Umfrage nicht im Wechselkurs niedergeschlagen. Jedoch gelang es dem Euro auch gestern nicht, seinen Abwärtstrend mit Potenzial bis auf 1,1285 (modifiziert) zu beenden. Obwohl dafür lediglich 1,1425/30 an der Oberseite überschritten werden müsste.

PLN

EUR PLN (4,3385)

Es ist fraglich, ob die etwas niedriger als erwartet ausgefallene polnische Inflationsrate – der Konsumentenpreisindex war gegenüber dem Vorjahr im Oktober um 1,7 Prozent gestiegen – zur gestrigen Zloty-Schwäche beigetragen hat. Zumindest hat der Euro damit erwartungsgemäß die Obergrenze seiner wochenlangen Konsolidierung überschritten und damit einen Aufwärtstrend in Richtung 4,3720 eingeleitet. Für den Erhalt dieses Szenarios darf nun 4,3000 nicht mehr unterschritten werden.


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