Wöchentliche Marktberichte

Okt 31, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wachstum in der Eurozone enttäuscht

USD

EUR USD (1,1340)

Wenn es an den Finanzmärkten derzeit um Begriffe wie „Neuverschuldung“ oder „Wirtschaftswachstum“ geht, denkt man automatisch an Italien. Nicht nur weil die in diesem Land geplante Neuverschuldung von 2,4 Prozent der EU-Kommission zu hoch ist. Sondern weil auch die Budgets für die kommenden Jahre auf Wachstumsannahmen beruhen, die vielerorts als zu optimistisch angesehen werden. Und genau diese Hoffnungen auf ordentliche Wachstumsdaten haben gestern einen Dämpfer erhalten. Denn die ohnehin moderaten Erwartungen der Ökonomen von +0,2 Prozent für Italiens Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal wurden gestern enttäuscht. Ersten Schätzungen zufolge hat Italiens Konjunktur im dritten Quartal stagniert. Dies bedeutet, dass die italienische Wirtschaft zum ersten Mal seit dem vierten Quartal 2014 nicht mehr gewachsen ist. Aber Italiens Premierminister Giuseppe Conte fühlte sich gestern durch diese schwache Wachstumszahl im Nachhinein sogar darin bestätigt, bereits in den vergangenen Wochen auf einen expandierenden Staatshaushalt gesetzt zu haben. Und an diesem will die italienische Regierung auf jeden Fall festhalten. Kein Wunder, dass gestern die Renditen italienischer Staatsanleihen wieder kräftig anzogen. Gleichzeitig erreichte der Renditevorsprung zehnjähriger Anleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit ähnlicher Laufzeit wieder den Stand von Ende vergangener Woche. Interessanterweise hat sich der Euro deswegen allerdings nicht besonders deutlich abgeschwächt und markierte gegenüber dem Vortag nur ein minimal niedrigeres Tief. Und das, obwohl auch die erste Schätzung für das Wirtschaftswachstum der Eurozone im dritten Quartal mit einem Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal hinter der Konsenserwartung der Ökonomen zurückblieb.
Überhaupt ist die relative Ruhe im Euro-Handel während der vergangenen Tage erstaunlich. Während etwa Dienstagnacht die Aktienmärkte in den USA auf die von Medien kolportierten Drohungen Donald Trumps, Strafzölle auf sämtliche China-Importe zu erheben, sofern es in den Verhandlungen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping Ende November keine Fortschritte gebe, kräftige Abschläge hinnehmen mussten, reagierte die Gemeinschaftswährung kaum. Auch nicht, als das Weiße Haus diese Drohungen später relativierte.
An der geringen Volatilität der Gemeinschaftswährung änderte sich auch nichts, als die erste Schätzung zur deutschen Inflation publiziert wurde. Danach ist der Konsumentenpreisindex im Oktober mit vorläufig +2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr etwas stärker als von den Ökonomen vorhergesagt, aber auch gegenüber dem Vormonat höher als erwartet ausgefallen. Am Ende des Tages blieb der Euro auch gestern in seinem zweiteiligen Abwärtstrend, der nun in seiner breiten Version von 1,1530/35 bis 1,1215/20 (enger gefasst bis 1,1310) reicht.

USD

USD CHF (1,0050)

Immerhin hat der Dollar gestern etwas mehr Fahrt aufgenommen, ohne dabei allerdings übergroßes Momentum zu entwickeln. Gut möglich, dass auch das für Oktober veröffentlichte US-Verbrauchervertrauen des Conference Board mit 137,9 Punkten dazu beitrug. Dieses fiel deutlich höher als erwartet aus. Da aber der Vormonat nach unten revidiert wurde, handelte es sich nun beim Oktober-Wert um den höchsten seit dem Jahr 2000. Mit dem gestrigen Fortschritt des Greenback hat sich nun dessen Potenzial bis 1,0090/95 erhöht – jenseits davon wäre – allerdings nur mit einer deutlichen Steigerung der Dynamik – sogar ein Niveau von 1,0220 denkbar. Allerdings lässt dieses derzeit positive Szenario nur Rücksetzer bis 0,9960 zu – die Untergrenze des Aufwärtstrends liegt nun bei 0,9915.

GBP

EUR GBP (0,8915)

Der britische Schatzkanzler schien in seiner Haushaltsrede vor dem Unterhaus am Dienstagabend beinahe Unmögliches vollbracht zu haben. Mit Bezug auf die Prognosen des unabhängigen Amtes für Haushaltsverantwortung (OBR) konnte Hammond in seiner Rede davon ausgehen, dass es in den kommenden fünf Jahren im Vereinigten Königreich weder eine Rezession noch irgendetwas anderes geben dürfte, wodurch der Staatshaushalt gefährdet werden könnte. Ja, manch einer wird sich gefragt haben, wie Hammond das geschafft haben mag. Steigende Wachstumsprognosen, gepaart mit einer (in Prozent des BIP) sinkenden Neuverschuldung bis zum Fiskaljahr 2023/24. Und das, obwohl die geplanten Kosten für den Nationalen Gesundheitsdienst NHS während der gleichen Zeit massiv ansteigen würden? Ein Kommentator hat nun die Geldquelle des Schatzkanzlers offengelegt. Denn die britischen Steuereinnahmen sprudeln viel stärker als gedacht, weswegen die britische Steuerlast wohl im laufenden Fiskaljahr den höchsten Stand seit mehr als 30 Jahren erreichen dürfte. Immerhin: Der britische Steuerzahler bekommt davon etwas zurück, denn der Grundfreibetrag wird nun ein Jahr früher als ursprünglich geplant von 11.850 auf 12.500 GBP erhöht. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass es einen Brexit-Deal gibt. Pfund-Händler wollten allerdings dieser wunderbaren Geschichte nicht folgen. Vielmehr setzten sie Sterling abermals unter Druck, so dass der Euro nun sogar einen kleinen Aufwärtstrend mit Potenzial bis 0,8995 eröffnen konnte. Allerdings bleibt dieses Szenario nur unter der Bedingung erhalten, dass 0,8845/50 nicht verletzt wird.

CHF

EUR CHF (1,1400)

Dass das KOF-Konjunkturbarometer im Oktober etwas niedriger als erwartet ausgefallen war, dürfte gestern kaum jemanden interessiert haben. Immerhin gab es etwas Bewegung für den Franken, als Italiens Staatsanleihen unter Druck gerieten. Allerdings stellte das für den Euro keine Bedrohung dar, so dass nicht viel fehlt, um den von uns mit Fragezeichen versehenen Abwärtstrend (Potenzial nun reduziert bis 1,1290/95) zu beenden. Hierfür würde nämlich bereits ein Überschreiten von 1,1435 genügen.

PLN

EUR PLN (4,3330)

Auch ohne wichtige neue ökonomische Daten aus Polen konnte sich der Euro gegenüber dem Zloty gestern weiter befestigen und hat sich damit die Chance erhalten, die Obergrenze seiner derzeitigen Konsolidierung zwischen 4,2650 und 4,3400/25 nicht nur zu durchbrechen, sondern auch noch einen neuen Aufwärtstrend in Richtung 4,3720 zu eröffnen..


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