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Wöchentliche Marktberichte

Okt 30, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Bescheidene Wachstumsaussichten

USD

EUR USD (1,1375)

An der deutschen Aktienbörse wurde ihr Rücktritt zumindest teilweise für den gestrigen Aufschwung verantwortlich gemacht. Die Rede ist von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in Reaktion auf den Ausgang der Landtagswahl in Hessen auf das Amt der CDU-Vorsitzenden in Zukunft verzichten wird. Doch was mancherorts als Reaktion auf ein Desaster hierzulande positiv eingeschätzt wird, sieht dann international wieder ganz anders aus. Dort ist man vielfach der Meinung, dass Deutschland schwierigen Regierungszeiten entgegensieht. Zumal auch unklar ist, ob Merkel ihr Amt als Kanzlerin bis zum Ende der Legislaturperiode fortführen kann. Zumindest konnte der Euro gestern von der Meldung nicht profitieren. Auch nicht davon, dass italienische Staatsanleihen wieder stärker nachgefragt und somit die Renditen deutlich zurückgefallen sind. So hatte sich etwa der Renditeabstand zwischen zehnjährigen italienischen Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen mit ähnlicher Laufzeit seit Freitag von rund 308 auf vorübergehend 288 Basispunkte reduziert. Auf der anderen Seite sollte man die gestrige Aktivität des Euro – die Handelsbandbreite betrug nicht einmal 60 Stellen – nicht überbewerten.
Aber es ist schon auffällig, dass der Euro gestern keinen weiteren Boden gut machen konnte. Denn immerhin publizierte gestern die Fed von Atlanta ihre erste Wachstumsschätzung für das vierte Quartal 2018, errechnet vom viel beachteten Prognosemodell GDPNow. Und danach wird die US-Wirtschaft nur noch um 2,6 Prozent steigen. Allerdinges sollte man dabei nicht vergessen, dass die Prognosen von GDPNow vor allen Dingen in der ersten Phase ausgesprochen volatil sind. Dennoch: Die Vorhersage für das dritte Quartal dieses Jahres kann sich sehen lassen, denn sie liegt mit 3,6 Prozent (annualisiert) nur 0,1 Prozent über der ersten Schätzung des Handelsministeriums vom vergangenen Freitag.
Allerdings gab es auch noch harte US-Zahlen. So wurde etwa der Index der privaten Konsumausgaben veröffentlicht, der im September gegenüber dem Vorjahr um 2,0 Prozent gestiegen ist und damit im Rahmen der mittleren Erwartungen der Ökonomen lag. Dieses Inflationsmaß wird von der Fed bevorzugt für die Einschätzung ihrer Zinsentscheidungen herangezogen. Unterdessen blieb der Euro auch gestern in seinem zweiteiligen Abwärtstrend, der nun in seiner breiten Version von 1,1535/40 bis 1,1230 (enger gefasst bis 1,1315) reicht.

USD

USD CHF (1,0020)

Der Dollar kriecht weiterhin an der Obergrenze seines leicht aufwärtsgerichteten Trends entlang, die derzeit bei 1,0035 liegt. Gut möglich, dass die implizite Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Fed im Dezember, errechnet vom CME FedWatch Tool, für dieses schwerfällige Vorankommen des Greenback verantwortlich ist. Denn gestern fiel diese Wahrscheinlichkeit auf mittlerweile rund 77 Prozent – vor Wochenfrist war sie noch mit 87 Prozent berechnet worden. Auch wenn das Momentum derzeit nicht gerade besonders überzeugend ist, müsste die Kraft dennoch reichen, um wenigstens die Potenzialmarke bei 1,0075 zu erklimmen. Zumindest bleibt dieses positive Szenario erhalten, solange 0,9935 unverletzt bleibt – die Untergrenze des Aufwärtstrends liegt indes bei 0,9895.

GBP

EUR GBP (0,8875)

Der britische Finanzminister scheint zu den ganz besonders großen Optimisten der dortigen Regierung zu gehören. Denn bei seiner gestrigen Haushaltsrede vor dem Unterhaus sprach Philip Hammond den von vielen Akteuren erwarteten Satz endlich aus: Die Ära des Sparens sei vorbei, sagte der Schatzkanzler. Aber natürlich nur unter der Bedingung, dass es einen Brexit-Deal geben werde, wovon er ausgehe. Aber auch in anderer Hinsicht zeigte sich Hammond ausgesprochen optimistisch. So sieht er das Wachstum Großbritanniens für das Jahr 2019 bei 1,6 Prozent, im März hatte er noch von 1,3 Prozent gesprochen. Für 2020 wurde die Wachstumsprognose um 0,1 auf 1,4 Prozent angehoben, und für das Jahr 2021 bleibt es gegenüber März bei einer Vorhersage von 1,4 Prozent. Aber auch hinsichtlich der Neuverschuldung stimmen die Prognosen recht optimistisch. So sagt das unabhängige Amt für Haushaltsverantwortung (OBR) für 2018/19 nur noch ein Defizit von 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts voraus – im März waren es noch 1,8 Prozent gewesen. Und auch in den Folgejahren soll die Neuverschuldung jedes Jahr schrumpfen, so dass diese 2023/24 nur noch 0,8 Prozent des BIP betragen könnte. Aber es kommt noch besser. So kündigte Hammond steigende Reallöhne für jedes der kommenden fünf Jahre an. Allerdings schienen die Händler diesen Optimismus gestern nicht kaufen zu wollen. Denn Sterling blieb unter Druck und sorgte dafür, dass der Euro sich nicht weit von seinem Auslöser für einen Aufwärtstrend bei 0,8900 entfernen konnte. Allerdings wird der Spielraum für die Gemeinschaftswährung immer enger, so dass bereits mit Unterschreiten von 0,8845 innerhalb der Seitwärtsentwicklung eine Tendenz zur Schwäche erkennbar würde.

CHF

EUR CHF (1,1400)

Es mag wohl einer zurückgekehrten Risikofreude geschuldet sein, dass sich der Franken gestern abgeschwächt hat. Zumindest haben die Renditen italienischer Staatsanleihen – ein Auslöser für die vorherige Risikoaversion der Devisenakteure – gestern deutlich nachgegeben. Damit ist die erfolgreiche Fortführung des am Freitag eingeleiteten Abwärtstrends mit Potenzial bis 1,1280 mit Fragezeichen versehen. Zumindest reicht bereits ein Überschreiten von 1,1440, um das Währungspaar wieder zu stabilisieren.

PLN

EUR PLN (4,3250)

Interessanterweise wurde gestern von Händlern die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, in Zukunft auf das Amt der CDU-Vorsitzenden verzichten zu wollen, als Ursache für eine Euro- und damit auch für eine Schwäche der Währungen Polens, Tschechiens und Ungarn genannt. Tatsächlich hat sich der Zloty gestern gegenüber der Gemeinschaftswährung deutlich abgeschwächt, so dass diese den höchsten Stand seit dem 6. September erreichte. Damit stehen die Chancen ganz ordentlich, dass der Euro nach Wochen der Konsolidierung zwischen 4,2650 und 4,3400/25 die Zone an der Oberseite durchbricht.


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