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Wöchentliche Marktberichte

Okt 29, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Der US-Verbraucher muss es richten

USD

EUR USD (1,1395)

Die vorläufigen Daten, die das US-Handelsministerium am Freitag präsentierte, lagen zwar ein wenig über den Markterwartungen. So stieg das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP), auf das Jahr hochgerechnet, um 3,5 Prozent. Marktteilnehmern hat dies aber offensichtlich nicht gereicht, um dem US-Dollar bzw. dem US-Aktienmarkt einen positiven Wochenschluss zu bescheren. Dabei lag das erzielte Wachstum immerhin um 0,2 Prozentpunkte höher als der Konsenswert. In der Einzelanalyse sah ein Teil der Daten sogar noch interessanter aus: Die Konsumausgaben wiesen diesmal ein dickes Plus von 4 Prozent aus – so viel, wie dies seit knapp vier Jahren nicht mehr der Fall war.
Die Frage, was genau die Akteure an den Wachstumszahlen nicht überzeugen konnte, scheint berechtigt. Der Grund für die negative Reaktion von USD- und Aktienhändlern dürfte der laufende Handelsstreit sein, den die USA und China derzeit ausfechten. Dies zeigte sich sowohl im merklichen Rückgang der Rohöl- und Soja-Exporte als auch im sich eintrübenden Konsumklima. Denn die Konsumausgaben mögen im abgelaufenen Quartal zwar sehr stark gewesen sein. Ob sich US-Verbraucher aber weiterhin in so ausgiebiger Spendierlaune halten lassen, ist nicht sicher. Dagegen sprach am Freitag zumindest das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima. Die zweite Schätzung für Oktober ergab einen niedrigeren Wert: 98,6 Punkte, nachdem Ende September noch 100,1 Zähler ermittelt wurden. Damit hat sich der Indikator stärker eingetrübt, als Akteure erwartetet hatten. Sofort kamen Zweifel auf, ob die US-Konsumenten auch im letzten Quartal einer Wachstumsdelle würden entgegenwirken können. Am Ende wird es also (wieder einmal) der US-Verbraucher sein, der es richten muss.
Der Euro konnte sich am Freitag zwar aufbäumen, ein Ausbruch aus seinem kurzfristigen Abwärtstrend gelang ihm aber nicht. Die übergeordnete Abwärtsbewegung verläuft in voller Breite zwischen 1,1550 und 1,1245. Sie kann aber auch eine etwas sanftere Form mit einer Untergrenze bei 1,1325 annehmen.

USD

USD CHF (0,9980)

Dollar-Händler schienen die soliden US-Wachstumszahlen vorwegzunehmen. Jedenfalls erreichte der Dollar Freitagmittag, kurz vor der US-BIP-Datenveröffentlichung, mit 1,0025 den höchsten Wert seit Mitte Juli, bevor er sich in der zweiten Handelshälfte bis weit unter die Parität zurückzog. Dem Greenback fehlten 50 Stellen bis zur Potenzialmarke, die wir bei 1,0075 in den Raum gestellt hatten. Allerdings ist das positive Szenario noch gegeben bzw. dieses Niveau erreichbar, solange 0,9935 unverletzt bleibt. Die Unterstützung, die den USD nach unten absichert, liegt indes bei 0,9885.

GBP

EUR GBP (0,8875)

Das gesamte Vereinigte Königreich auf eine gemeinsame Linie einzuschwören, mit der Europäischen Union ein attraktives Brexit-Abkommen zu verhandeln, dabei die irischen Interessen nicht zu vernachlässigen und gleichzeitig gegen die unbarmherzig tickende Uhr zu arbeiten ist eine Herkulesaufgabe. Von daher ist Premierministerin Theresa May dieser Tage nicht zu beneiden. Zudem lassen Menge und Qualität der Herausforderungen bei vielen Akteuren Zweifel daran aufkommen, dass bis Ende März nächsten Jahres eine passable Lösung gefunden wird, die alle Beteiligten zufriedenstellen kann. Wie tiefgreifend die Sorgen rund um den Brexit sind, spiegelte sich am Freitag auch in der Stimmung der deutschen Exportwirtschaft wider: Die ifo-Exporterwartungen der Industrie sanken im Oktober deutlich um 3,2 auf 11,6 Punkte, hauptsächlich, weil die Angst vor einem harten Brexit für „steigende Unsicherheit unter den Exporteuren" sorge, wie es aus dem ifo-Institut hieß.
Unwohler als deutsche Exporteure scheinen sich mit der derzeitigen Situation wohl nur Pfund-Händler zu fühlen. Der Euro setzte sich am Freitag die zweite Woche in Folge gegenüber Sterling durch und stoppte lediglich 5 Stellen vor seinem Auslöser für einen Aufwärtstrend, der nach wie vor bei 0,8900 liegt.

EUR

EUR CHF (1,1375)

Großbritannien hat zusehends Angst davor, nach dem Brexit isoliert zu werden. Verständlicherweise suchen die Briten in dieser Situation die Nähe zu Gleichgesinnten. Die Schweiz bietet sich hierfür geradezu an, denn sie steht derzeit – ähnlich wie das Vereinigte Königreich – mit der EU in zähen Verhandlungen. Das Verhältnis zwischen Brüssel und Bern ist in letzter Zeit erheblich komplizierter geworden, da sich beide Parteien beim geplanten „Institutionellen Rahmenabkommen“ partout nicht näher kommen können oder wollen.
Anders als zum Pfund steht der Euro gegenüber dem Franken momentan unter Druck. Am Freitag wurde die jüngste Konsolidierung nach unten verlassen, sodass sich für die Gemeinschaftswährung Abwärtspotenzial bis auf 1,1280 eröffnet hat. Lediglich eine rasche Erholung jenseits von 1,1440 vermag die Lage für den Euro wieder zu stabilisieren und sein Abdriften zu verhindern.

PLN

EUR PLN (4,3090)

Nach Meinung von Zentralbanker Jerzy Osiatyński wird die polnische Inflation in den nächsten zwei bis drei Quartalen unter 2,5 Prozent bleiben. Mit dieser Aussage stimmte das Ratsmitglied die Marktteilnehmer am Freitag bereits ein wenig auf die Sitzung der Polnischen Nationalbank am übernächsten Dienstag und Mittwoch ein. Zloty-Händler verabschiedeten sich jedoch ins Wochenende, ohne größere Reaktionen auf diese Aussagen zu zeigen. Der Euro verharrt somit weiter innerhalb seiner Konsolidierung, die unverändert zwischen 4,2650 und 4,3400/20 verläuft.


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