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Wöchentliche Marktberichte

Okt 26, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Trübe Herbst-Aussichten

USD

EUR USD (1,1370)

Das Hauptinteresse der Händler dürfte gestern der EZB-Ratssitzung gegolten haben. Allerdings wurden für dort keine Überraschungen erwartet und tatsächlich hat es dann auch keine gegeben. Dass die Leitzinsen auf ihrem Rekordtief belassen würden (Hauptrefinanzierungssatz bei 0 Prozent, Einlagenzinssatz für Banken -0,4 Prozent), bedürfte eigentlich keiner besonderen Erwähnung mehr. Genauso wie die Bestätigung, dass das Volumen der Anleihekäufe von monatlich 15 Mrd. Euro bis zum Jahresende fortgesetzt und diese dann, sofern sich an der Datenlage nichts Gravierendes ändert, ganz eingestellt werden sollen. Die jüngsten Wirtschaftsdaten hätten sich, so EZB-Chef Mario Draghi, zwar schwächer entwickelt als erwartet, aber die Risiken für das Wirtschaftswachstum seien ausgewogen. Und dass die Inflation das EZB-Ziel von 2 Prozent erreichen werde, daran hat Draghi ebenfalls keinerlei Zweifel geäußert, weswegen der Euro gestern immerhin einen kleinen Satz machte und sein Tageshoch bei rund 1,1430 markierte. Hatte denn tatsächlich jemand geglaubt, dass die EZB von ihrem Credo, dass der Leitzins bis über den „Sommer 2019“ hinaus nicht angehoben werden soll, bei ihrer gestrigen Sitzung plötzlich abweichen würde? Auf jeden Fall wurden die allenfalls kurzfristig orientierten Euro-Optimisten recht schnell abgestraft.
Tatsächlich muss man festhalten, dass es nach Ansicht des ifo-Konjunkturexperten Klaus Wohlrabe in Deutschland, wahrscheinlich aber auch in der gesamten Eurozone wohl keinen goldenen Herbst geben wird. Denn das prognostizierte Wachstumsplus für das vierte Quartal von 0,6 Prozent sei mittlerweile wohl nur noch „schwer zu halten“. Und zwar weil der ifo-Geschäftsklimaindex gestern von 103,7 auf 102,8 Indexpunkte stärker als erwartet gefallen war, und weil die befragten Führungskräfte sowohl die Lage als auch die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate pessimistischer einschätzen. Zum Vergleich: Noch im Januar befand sich der ifo-Index mit 117,6 Punkten auf dem höchsten Niveau des Jahres und ist seither, wenn man von der Juli-Erholung absieht, nur gefallen. Tatsächlich passt die jüngste Entwicklung des Index zu den am Vortag enttäuschend ausgefallenen Einkaufsmanagerindices für Deutschland und die Eurozone. Und es spricht nicht viel dafür, dass es – nachdem es wahrscheinlich schon im dritten Quartal nicht geklappt hat – in den verbleibenden drei Monaten dieses Jahres zu einer konjunkturellen Erholung kommen wird.
Besser sieht es indes in den USA aus, wo heute die erste Schätzung des dortigen Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal publiziert wird. Dabei liegt die mittlere Erwartung der Ökonomen bei +3,3 Prozent (annualisiert). In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf das viel beachtete Modell der Fed von Atlanta (GDPNow) verweisen, dessen Prognose gestern (saisonbereinigt und annualisiert) trotz eines Rückgangs um 0,3 Prozentpunkte immer noch bei 3,6 Prozent lag. Und so ist es kein Wunder, dass sich der Euro gestern weiter nach unten orientierte und seine nächste Unterstützung bei 1,1360 testete. Den Auslöser für weitere Kursrückgänge setzen wir heute allerdings niedriger bei 1,1340/45 an – entsprechend tiefer befindet sich dann auch das weitere Abwärtspotenzial, das bis 1,1245/50 reicht. Dieses Szenario bleibt erhalten, sofern 1,1520/25 nicht überschritten wird.

USD

USD CHF (1,0000)

Zwar ist der Dollar auch gestern nur ganz langsam vom Fleck gekommen, aber offensichtlich scheint der Appetit der Händler, gegen die Entwicklung des Aufwärtstrends zu halten, relativ gering zu sein. Dabei hat der Greenback nach wie vor seine Potenzialmarke bei 1,0075 vor Augen, darüber wären auch – verbunden mit einer deutlichen Steigerung des Momentums – Kurse von 1,0170 denkbar. Dieses positive Szenario bleibt auf jeden Fall erhalten, solange 0,9935 unverletzt bleibt.

GBP

EUR GBP (0,8865)

Theresa May hat am Mittwochabend offenbar die Rebellen in ihrer eigenen Partei besänftigen können. Dabei hätte sich die Premierministerin eigentlich in "die Höhle des Löwen" begeben, befürchtete ein für Mittwochabend zu einem privaten Treffen im Parlament eingeladener Tory-Abgeordneter. Tatsächlich war direkt im Anschluss an dieses Meeting, dessen Ausgang mit Spannung erwartet wurde, nicht allzu viel über mögliche Ergebnisse zu hören. Aber die ehemalige Innenministerin Amber Rudd musste hinterher eingestehen, dass Theresa May wieder einmal die Kritiker ihres Vorschlags zur Abwicklung des Brexit hinter sich gebracht habe – die Premierministerin "won the room". Und ein anderer Abgeordneter bezeichnete den Raum des Unterhauses, in dem das Treffen stattgefunden hatte, gar als Streichelzoo. Denn die immergleiche Ansage der Rebellen, wonach die Zeit für die Premierministerin bald abgelaufen sei, scheint sich jedes Mal, wenn es ernst werden soll, in Luft aufzulösen. Aber auch wenn es Theresa May noch einmal gelungen sein sollte, die Abgeordneten ihrer Partei hinter sich zu vereinen, und sie einen Brexit-Deal zu 95 Prozent in trockenen Tüchern sieht, steckt für Devisenakteure der Teufel im Detail der verbleibenden 5 Prozent. Ein paar Prozent, die man auch als Extremrisiko bezeichnen könnte. Auf jeden Fall erteilte der britische Brexit-Minister Dominic Raab gestern dem Vorschlag der EU, mit Großbritannien eine Zollvereinbarung zu treffen, die zwar für das gesamte Vereinigte Königreich gelten, aber in einem vom Brexit Abkommen separaten Vertrag festgeschrieben werden soll, noch einmal eine Absage. Und so geriet Sterling fast zwangsläufig unter Druck und trieb den Euro beinahe auf seinen oberen Potenzialpunkt, der nun bei 0,8900 liegt. Der Ausblick für die Gemeinschaftswährung bleibt dabei positiv, solange nunmehr 0,8810 nicht unterlaufen wird.

EUR

EUR CHF (1,1365)

Nach wie vor ist die Untergrenze der Konsolidierung des Euro gegenüber dem Franken bei 1,1355/60 hart umkämpft – darunter würde sich Abwärtspotenzial bis auf zunächst 1,1280 eröffnen. Die Obergrenze der Konsolidierungszone liegt unterdessen bei 1,1490, aber bereits ein Überschreiten von 1,1430 würde die Gemeinschaftswährung etwas stabilisieren.

PLN

EUR PLN (4,3100)

Das Protokoll der Oktober-Sitzung der Polnischen Nationalbank hat keine großen Überraschungen zutage gefördert. Die Mehrheit der Ratsmitglieder geht davon aus, dass das Inflationsziel in den kommenden Quartalen eingehalten wird, wobei einige Entscheider dem Wachstum der Elektrizitätspreise insofern Bedeutung beimessen, dass diese die Konsumentenpreise auch langfristig nach oben treiben könnten. Am Ende des gestrigen Handelstages blieb der Euro ein weiteres Mal ohne Impulse innerhalb seiner Konsolidierung zwischen 4,2650 und 4,3400/20.


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