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Okt 25, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Die Fed im Visier

USD

EUR USD (1,1410)

Fast fühlte es sich so an, als ob der Euro gestern das nachgeholte, was eigentlich schon am Vortag fällig gewesen wäre. Beanstandeten wir nämlich, dass die Gemeinschaftswährung auf allgemeine Risikoaversion und auf eine in Aussicht gestellte US-Steuerreform für den dortigen Mittelstand am Dienstag nicht reagierte, haben sich die Vorzeichen nunmehr geändert. Zwar war gestern von der geplanten Steuerreform nichts mehr zu hören, aber US-Präsident Donald Trump brachte sich anderweitig wieder einmal ins Gespräch, als er Fed-Chef Jerome Powell in einem Interview mit dem Wall Street Journal bereits Dienstagnacht heftig kritisiert hatte. Als ob Powell bei jeder Zinserhöhung ein Glücksgefühl empfinden würde. Und als Trump gefragt wurde, was das größte Risiko für die US-Wirtschaft darstellte, antwortete er: „Die Fed“. Weil sie die Zinsen zu schnell erhöhen würde. Und fast ein wenig enttäuscht gab Trump zu, dass er Powell für einen Vertreter niedriger Zinsen gehalten habe, was sich nun offensichtlich als falsch herausgestellt habe. Aber selbst, wenn Trump den Fed-Chef entlassen würde – es ist unklar, ob es dafür überhaupt eine Rechtsgrundlage gibt –, gäbe es im Offenmarktausschuss der Notenbank immer noch genügend Falken. Einer ist gestern hinzugekommen. Die Rede ist von Raphael Bostic, Chef der Fed von Atlanta, der, eigentlich als Zinstaube unterwegs, in einer Rede klarstellte, dass noch weitere Zinserhöhungen fällig seien, zumal er die US-Wirtschaft und auch den eingeschlagenen Weg der Fed für so robust halte, dass ihr selbst Gegenwind, etwa ausgelöst durch Volatilität an den Aktienmärkten oder die US-Handelspolitik, nur wenig anhaben könnten. Indes: Auch wenn Donald Trump den Fed-Chef nicht aus seinem Amt entfernen kann, ist dies jedoch bei Mitgliedern des Direktoriums des Offenmarktausschusses angeblich gemäß des Federal Reserve Act von 1935 möglich, zumal diese für eine Amtszeit von 14 Jahren ernannt werden. Allerdings ist eine Entlassung nur aus wichtigem Grund möglich.
Daneben gab es für die Eurozone gestern ungünstige Wirtschaftsdaten zu verdauen. So etwa die vorläufigen Einkaufsmanagerindices der Industrie und der Dienstleister, die allesamt nicht nur hinter dem Vormonatswert, sondern auch hinter den Erwartungen der Ökonomen deutlich zurückblieben. Dies ist insofern pikant, als die Deutsche Bundesbank – auch die Zahlen für Deutschland enttäuschten – noch am Montag in ihrem Bericht zwar eingeräumt hatte, dass die konjunkturelle Aufwärtsbewegung in Deutschland im dritten Quartal wohl vorübergehend zum Erliegen gekommen, das Wachstum aber fundamental so intakt sei, dass es zumindest noch im vierten Quartal dieses Jahres eine konjunkturelle Erholung geben könnte. Nun sind diesbezüglich einige Fragezeichen angebracht. Gut möglich, dass sich die EZB bei ihrer heutigen Sitzung auch mit dieser Thematik befasst. Vielleicht ist der Euro aus dieser Angst heraus gestern deutlich unter Druck geraten und hat sein Abwärtsrisiko seit Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindices für die Eurozone bis 1,1380 innerhalb weniger Stunden ausgenutzt. Während eine Verstärkung des Trends heute erst unterhalb von 1,1360, dann in Richtung 1,1265/70, möglich ist, darf für dieses Szenario 1,1535 nicht mehr überschritten werden.

USD

USD CHF (0,9985)

Im Gegensatz zur Eurozone fielen die US-Einkaufsmanagerindices besser als erwartet aus. Gut möglich, dass der Dollar deswegen gestern etwas an Boden gewann. Dabei hat der Greenback nach wie vor seine Potenzialmarke bei 1,0075 im Visier. Dieses positive Szenario bleibt jedoch nur erhalten, solange 0,9915 nicht verletzt wird.

GBP

EUR GBP (0,8850)

Theresa May, die gestern Abgeordnete ihrer Partei zu einem privaten Treffen im Parlament eingeladen hatte, dürfte sich weiteren Anfeindungen ausgesetzt gesehen haben. Denn die britische Times hatte gestern einen Kabinettsentwurf zugespielt bekommen, demzufolge Theresa Mays Brexit-Plan das Vereinigte Königreich – entgegen ihrem anderslautenden Versprechen – statt einiger Monate möglicherweise jahrelang in einer Übergangsphase mit der EU halten könnte. Dies hat zumindest für zusätzlichen Ärger im Kabinett gesorgt. Zumal Medienberichten zufolge bereits 46 der 48 für ein Misstrauensvotum notwendigen No-Confidence-Briefe von Tory-Abgeordneten auf den Weg gebracht worden sein sollen. Allerdings gilt es nicht als sehr wahrscheinlich, dass Theresa May tatsächlich ein Misstrauensvotum ihrer Partei befürchten muss, denn Kommentatoren zufolge gibt es derzeit keinen geeigneten Kandidaten für die Besetzung der Parteispitze. Die Gemeinschaftswährung blieb gestern weitgehend unbewegt, aber ihr Aufwärtspotenzial reicht derzeit bis 0,8885. Aber auch nur solange, wie 0,8800 nicht unterlaufen wird.

EUR

EUR CHF (1,1365)

Nun gab es doch noch eine leichte Fluchtbewegung in den Schweizerfranken am gestrigen Handelstag – genauso wie in den japanischen Yen. Mag sein, dass die Ursache dafür in den globalen Aktienmärkten liegt, die sich nicht wirklich erholen wollen, aber auch die Renditen italienischer Staatsanleihen haben sich gestern wieder leicht befestigt. Derzeit kratzt der Euro am unteren Ende seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1360 und 1,1490 – darunter würde sich jedoch Abwärtspotential bis auf zunächst 1,1280 eröffnen.

PLN

EUR PLN (4,3100)

Nach Händlerangaben soll sich der Zloty vor allen Dingen wegen der schlechter als erwartet ausgefallenen europäischen Einkaufsmanagerindices gestern abgeschwächt haben. Allerdings hielt sich die angebliche Schwäche in Grenzen, so dass der Euro gerade einmal über die Mitte seiner Konsolidierungszone zwischen 4,2650 und 4,3400/20 klettern konnte.


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