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Wöchentliche Marktberichte

Okt 23, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Italien: Alles wird besser, aber erst später

USD

EUR USD (1,1455)

Der italienische Haushaltsvorschlag war auch Hauptthema am gestrigen Handelstag. Dabei hatte die Woche eigentlich ganz ordentlich für den Euro begonnen, zumal sich viele Akteure über das Wochenende offenbar mit der Herabstufung von Italiens Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Moody abgefunden hatten. Ein wenig erstaunlich war jedoch, dass mancherorts der Ausblick für Italiens Staatsanleihen mit „stabil“ als Positivum verbucht wurde. Vielleicht auch, weil die Kommentatoren dieses Faktum zunächst teilweise unter den Tisch hatten fallen lassen. Denn damit wurde ja zumindest zum Ausdruck gebracht, dass Italien zunächst keine weitere Herabstufung drohe. Und gegenüber der Herabstufung bedeutete dann der stabile Ausblick mental für viele Akteure eine Verbesserung. Und so schrumpfte der Renditevorsprung zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen am Montag von anfangs 310 auf zeitweise 282 Basispunkte, dem niedrigsten Stand dieses „Spreads“ seit dem 5. Oktober. Allerdings war die gute Stimmung unter den Akteuren wieder dahin, als klar wurde, dass Italien beim Budgetdefizit offenbar keine Konzessionen gegenüber der EU machen werde. Denn in einem Brief an die EU-Kommission gab der italienische Finanzminister Giovanni Tria unumwunden zu, dass er sich des Haushaltsdefizits von 2,4 Prozent für 2019 durchaus bewusst sei. Italien beabsichtige aber nicht, das strukturelle Defizit nach dem Jahr 2019 zu erhöhen. Indes: An die einst von der Vorgängerregierung versprochene Senkung des Defizits ist dem Brief zufolge erst ab dem Jahr 2022, also weit in der Zukunft, zu denken. Einmal abgesehen davon, dass die von der italienischen Regierung prognostizierten ausgesprochen optimistischen ökonomischen Rahmenbedingungen in Erfüllung gehen müssen, bevor eine Verringerung des Defizits überhaupt möglich ist, dürften sie die EU-Kommission keinesfalls besänftigen. Auch nicht die Zusage des stellvertretenden Premierministers Luigi Di Maio, zu verhandeln, sollte der Inhalt des Briefes kein Gefallen bei der EU finden, dürfte weder Anleihe- noch Devisenhändler beruhigt haben. Italienische Staatsanleihen und auch der Euro verloren im weiteren Verlauf des Handelstages gemeinsam an Boden.
Immerhin hat die Erholung des Euro vor und nach dem Wochenende dazu geführt, dass sich die Dynamik des vorherrschenden Abwärtstrends etwas verringert hat. Unterdessen bleibt die Gemeinschaftswährung aber angeschlagen mit einem Abwärtsrisiko bis 1,1390/95, darunter 1,1285/90. Allerdings würde derzeit bereits ein Überschreiten von 1,1560/65 den Abwärtstrend in eine Seitwärtsentwicklung überführen.

USD

USD CHF (0,9960)

Obgleich sich der Dollar gegenüber einem Korb verschiedener Währung (gemessen am Dollar-Index) gestern befestigt hatte, egalisierte der als Fluchtwährung ebenfalls gesuchte Franken diesen Vorsprung. Deswegen kam das Währungspaar gestern kaum von der Stelle, wobei das Aufwärtspotenzial für den Greenback bis 1,0075 erhalten bleibt, solange die Unterstützung bei 0,9915 nicht verletzt wird.

GBP

EUR GBP (0,8835)

Eigentlich war die Position Theresa Mays bei ihrer Rede vor dem Unterhaus zu den Brexit-Verhandlungen längst klar: Schenkt man der britischen Premierministerin Glauben, dann steht der Brexit-Deal zu 95 Prozent. Dies ist immerhin ein Wert, der auch in etwa der Wahrnehmung von EU-Chefunterhändler Michel Barnier entspricht. Im Wesentlichen geht es nur noch um die irische-Grenzproblematik, die es jedoch in sich hat. Während man sich vorstellen kann, dass sich die EU und Theresa May irgendwie auf irgendeine Lösung – und wenn sie auch nur temporär sein sollte – einigen könnten, kommt die größte Opposition aus den eigenen Reihen. So möchte Medienberichten zufolge die nordirische DUP, auf deren Stimmen die Premierministerin für eine Mehrheit im Unterhaus angewiesen ist, einen Gesetzesentwurf der Brexiteers unter den Torys unterstützen. Diesem zufolge soll eine etwaige Auffanglösung, falls bei den Verhandlungen mit der EU keine Antwort auf die Irland-Frage gefunden wird, der sogenannte Backstop, für gesetzeswidrig erklärt werden. Damit kämen etwaige Verhandlungen mit der EU praktisch zum Stillstand. Für dieses Vorhaben sollen 40 Abgeordnete der konservativen Torys gewonnen worden sein, wobei allerdings bereits ein Wortführer der konservativen "Rebellen" zum europäischen Handelsschluss einen Rückzieher gemacht haben soll. Auch gab es Gerüchte, wonach ein Misstrauensbrief von Tory-Abgeordneten im Umlauf sein soll, der, sofern genügend Unterschriften zusammenkommen, zu Neuwahlen an der Parteispitze führen würde. Und so war es letztlich kein Wunder, dass das britische Pfund gestern abermals unter Druck geriet und der Euro sogar die wichtige Marke von 0,8850 kurzzeitig knapp überwand. Damit ist zwar noch kein neuer Aufwärtstrend etabliert worden. Trotzdem bleibt Sterling in einer stabilen Position, solange 0,8755 nicht unterlaufen wird.

EUR

EUR CHF (1,1415)

Wie befürchtet hing das Schicksal des Franken auch gestern von der ungelösten Budget-Situation zwischen Italien und der EU ab. Und da sich italienische Staatsanleihen gestern im Laufe des Tages wieder abschwächten, war die Schweizer Währung infolge der Risikoaversion vieler Akteure wieder gefragt. Allerdings ergibt sich dadurch kein neuer Trend. Aber der Euro hat mit seinem Ausbruch an der Oberseite der gestrigen Konsolidierung bei 1,1490 – wie von uns erwartet – ein klassisches Fehlsignal produziert. Mit der Folge, dass sich zwar eine neue Konsolidierungszone zwischen 1,1360 und 1,1490 verorten lässt. Deren Unterseite ist nun allerdings gefährdet und dürfte keinem großen Angebotsdruck standhalten. Gute Unterstützung ist erst bei 1,1310 zu erwarten.

PLN

EUR PLN (4,2910)

Bei den landesweiten polnischen Regionalwahlen hat die PiS (Recht und Gerechtigkeit), die seit 2015 eine absolute Mehrheit der Sitze im Sejm, dem Parlament, hat, mit einem Anteil von insgesamt 32 Prozent zwar die meisten Stimmen bekommen, aber das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Allerdings war das Wahlergebnis ohne Auswirkung auf den Zloty, so dass sich der Euro minimal gegenüber dem Vortag abschwächte. Weiterhin gilt die Konsolidierungszone zwischen 4,2650 und 4,3400/20.


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