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Wöchentliche Marktberichte

Okt 22, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Ungleiche Risikoprämie für dieselbe Angst

USD

EUR USD (1,1510)

Nach den beruhigenden Worten von EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici – Italien stelle keine Ansteckungsgefahr für andere europäische Länder dar –, konnte der Euro am vergangenen Freitag einen Großteil der Verluste aus den beiden vorangegangenen Handelstagen wieder wettmachen. Zeitgleich fielen die Renditen italienischer Staatsanleihen, die am Freitagmorgen noch auf das höchste Niveau seit Anfang 2014 spurteten – zweijährige Papiere notierten zwischenzeitlich jenseits der Zwei-Prozent-Marke, zehnjährige lagen bei mehr als 3,70 Prozent –, wieder deutlich zurück. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen kamen zeitweise ebenfalls unter Druck, zogen aber am Nachmittag parallel zum Euro wieder an. Zehnjährige US-Staatsanleiherenditen stiegen am Nachmittag ebenfalls, wiesen jedoch eine geringere Volatilität als am Vortag auf und bleiben somit weitestgehend unauffällig. Ungeachtet dieses scheinbaren Gleichlaufs zwischen der EUR/USD-Wechselkurs- und der Renditeentwicklung scheinen Anleihe- und Devisenhändler unterschiedliche Strategien zu bevorzugen, um sich auf mögliche Marktreaktionen vorzubereiten, die aufgrund der existierenden, vielfältigen Unsicherheiten entstehen könnten. Dies liegt vor allem daran, dass Italiens Haushalt momentan nicht das einzige ist, was Akteure beunruhigt. Beispielsweise sichern Trader derzeit verstärkt Währungs-, jedoch weit weniger Zinsrisiken ab, wie an der unterschiedlichen Entwicklung der Volatilitäten dieser Märkte abzulesen ist. Beide Lager weisen eine sehr unterschiedliche Nachfrage- und Umsatzentwicklung auf. Allerdings erklärten beide Händlergruppen unisono, sich hauptsächlich aufgrund der bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA abgesichert zu haben. Dabei liegt der Hedging-Schwerpunkt seit Anfang Oktober beim US-Dollar, der vorwiegend gegenüber Yen bzw. australischem und neuseeländischem Dollar abgesichert wird. Im Gegensatz dazu bewegt sich die Volatilität, die zum Absichern eines Zinsanstiegs zehnjähriger US-Staatsanleihen bezahlt wird, eher am unteren Rand der diesjährigen Handelsspanne. Analysten weisen aber einschränkend darauf hin, dass die Risikoprämien der US-Dollar-Absicherungen geringer ausfallen, als dies vor den 2016er Präsidentschaftswahlen der Fall war.
Zwar war am Freitag die Größenordnung der Euro-Erholung durchaus beachtenswert. Sie verhalf der Gemeinschaftswährung aber trotzdem nicht dazu, sich aus dem kurzfristigen Abwärtstrend zu befreien. Letzterer verläuft wie gehabt zwischen 1,1585 und 1,1305/10.

USD

USD CHF (0,9965)

Der Fluchtwährungseffekt des Vortages war am vergangenen Freitag beim Franken bereits wieder verpufft. Das Aufwärtspotenzial, das wir bei 1,0075 veranschlagt hatten, ist weiterhin gegeben, solange die 0,9905er Unterstützung nicht verletzt wird.

GBP

EUR GBP (0,8805)

Brexit-Hardliner staunten am vergangenen Samstag nicht schlecht, als beim „People’s Vote March“ massenhaft Bürger aus allen Teilen des Landes in London bis vor das Parlament zogen. Die Forderung der Demonstranten: ein zweiter Entscheid über Austritt oder Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge äußern mittlerweile 86 Prozent aller Labour-Mitglieder den Wunsch nach einem zweiten Referendum. Zudem wird die Bewegung auch von prominenter Seite unterstützt, darunter Londons Bürgermeister Sadiq Khan und Musiker Bob Geldof. Mehr als 500.000 Menschen – erwartet wurden von den Organisatoren eigentlich nur bis zu 100.000 – zog es auf die Straßen, was seit dem Referendum 2016 nicht mehr der Fall war. Der Appell mag, trotz seiner Klarheit, nicht wie gefordert in einem neuen Volksentscheid münden. Jedoch könnte er bei allen Verhandlungsbeteiligten ein wichtiges Signal setzen, sich zu bemühen, zumindest eine einvernehmliche Regelung bei den Ausstiegsmodalitäten zu finden. EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigten sich nach Ende des EU-Gipfels zuversichtlich, aber auch die britische Premierministerin Theresa May und Bundeskanzlerin Angela Merkel gaben sich optimistisch, rechtzeitig zu einem Kompromiss zu finden.
Der Euro beendete die vergangene Woche erholt und konnte sogar den kurzfristigen Abwärtstrend neutralisieren. Um jedoch wieder nach oben zu streben, muss er noch eine entscheidende Hürde bei 0,8850 nehmen.

EUR

EUR CHF (1,1470)

In der Schweiz macht sich zusehends Unmut breit. Auch wenn die Eidgenossen nicht direkt von der Causa Italien betroffen sind, wirkt sich das Gezeter um den italienischen Haushalt, das derzeit für Unruhe an den Finanzmärkten sorgt, negativ auf die Schweizer Wirtschaft aus. Solange Italien als Risiko für die Eurozone wahrgenommen wird, wird der Schweizer Zins weiter unter null und der Franken fest bleiben, glauben viele Marktteilnehmer. Immerhin sorgten Moscovicis Kommentare (siehe EUR/USD-Bericht) am Freitagnachmittag auch hier für Entspannung. Der Euro formte daraufhin eine neue Mini-Konsolidierung, die zwischen 1,1390 und 1,1490 verläuft. Aufgrund einer starken Widerstandshürde bei 1,1530/35 könnte es aber, sollte ein kurzfristiger Ausbruch nach oben erfolgen, zu einer Fehlentwicklung kommen.

PLN

EUR PLN (4,2950)

Die am Freitag veröffentlichten polnischen Einzelhandelsumsätze lagen mit einem Plus von 5,6 Prozent weit abseits des August-Niveaus, das mit 9 Prozent wesentlich höher ausfiel. Damit widersprachen sie allen Erwartungen. So hatten Analysten im Vorfeld 7,6 Prozent für September veranschlagt. Der Euro konnte allerdings kein Kapital aus den schwachen Zahlen schlagen und verharrte wenig bewegungsfreudig in der Mitte seiner Konsolidierungszone, die zwischen 4,2650 und 4,3400/20 verläuft.


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