Wöchentliche Marktberichte

Okt 19, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Eine „beispiellose“ Neuverschuldung

USD

EUR USD (1,1460)

Er sei beispiellos in der Historie des Stabilitätspakts – mit diesen Worten reagierte EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici offenbar in seinem Brief an Italiens Finanzminister Tria auf den Haushaltsentwurf der italienischen Regierung für 2019. Denn der Entwurf stimme überhaupt nicht mit den Regeln des Pakts überein. So biete eine Neuverschuldung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Grund zur Sorge für die EU-Kommission und viele ihrer Mitgliedsstaaten. Nun bleibt Italien relativ wenig Zeit für eine Klarstellung, denn diese muss bis Montag erfolgen. Kein Wunder, dass die Renditen von Italiens Staatsanleihen wieder nach oben schossen – der Renditeabstand zwischen zehnjährigen italienischen Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen weitete sich mit rund 330 Stellen auf das höchste Niveau seit April 2013 aus. Verglichen damit hielt sich indes der gestrige Kursrückgang des Euro in Grenzen.
Allerdings litt der Euro außerdem unter einer gewissen Dollarstärke, die wohl auch auf das Protokoll des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) von Mittwochabend zurückzuführen sein dürfte. Zumindest stand dieses Thema für viele Kommentatoren gestern ganz oben auf der Agenda. Offensichtlich war man doch überrascht gewesen, wie falkenhaft sich einige Mitglieder des FOMC in der Sitzung vom 26./27. September tatsächlich geäußert hatten. Denn dieser Aufzeichnung zufolge sind einige FOMC-Mitglieder offenbar bereit, weitere Zinserhöhungen, auch über den neutralen Zinssatz (das ist derjenige Zinssatz, der das Wachstum weder hemmt noch fördert) hinaus vorzunehmen. Dabei enthält das Protokoll durchaus Hinweise darauf, dass es auch Mitglieder des Offenmarktausschusses gegeben hat, die nicht so stark an der Zinsschraube drehen möchten. Auf jeden Fall wird damit deutlich, dass die Strategie der Fed, schrittweise die Zinsen auch über einen längeren Zeitraum hinweg zu erhöhen, selbst mit dem Risiko, dabei das US-Wachstum abzuwürgen, von Beobachtern viel ernster als zuvor genommen wird. So schien man gestern eine verzweifelte Suche anzustellen, bis tatsächlich eine Zinstaube gefunden wurde, die sich zu Wort meldete. Die Rede ist vom Chef der regionalen Fed von St. Louis, James Bullard, der die Ansicht vertritt, dass die für ihn immer noch nicht überzeugende Inflation und andere Faktoren gegen die Notwendigkeit weiterer Zinserhöhungen der Notenbank sprechen. In diesem Jahr ist es Bullard zwar nicht, aber 2019 wird er im Offenmarktausschuss stimmberechtigt sein.
Unterdessen hat sich der Euro im Rahmen seines Abwärtstrends gestern zum Handelsschluss etwas deutlicher abgeschwächt, so dass dessen Potenzial nun bis 1,1305/10 reicht. Die obere Begrenzung des Trends ist daher deutlich niedriger, bei 1,1585, anzusetzen.

USD

GBP

EUR GBP (0,8800)

Der EU-Gipfel ist offenbar wie das Hornberger Schießen, nämlich ohne greifbares Resultat ausgegangen. Deswegen sprachen Kommentatoren im übertragenen Sinne vom Mantel des Schweigens, der den Verlauf des gestrigen Abendessens beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs umhüllt habe. Und zwar einzig, um zu vermeiden, dass das Treffen mit einem ähnlich schlechten Nachgeschmack wie das von Salzburg im September endet. Immerhin: Premierministerin Theresa May zeigte sich offen für den Vorschlag von EU-Kommissionschef Michel Barnier, die Übergangsphase nach dem Brexit – bislang ist ein Zeitraum bis Ende 2020 vereinbart – zu verlängern. Inhaltlich hat der EU-Gipfel vom Mittwoch außer der Option eines möglichen Zeitgewinns allerdings nichts gebracht. Nun muss sich Theresa May zu Hause einem anderen Gegner stellen, nämlich den Brexiteers aus der eigenen Partei, die genau dieses Spielen auf Zeit überhaupt nicht mögen und vermutlich nach wie vor einen klaren Schnitt und eine schnelle Trennung von der EU forcieren werden. Das britische Pfund hat aber gestern gegenüber dem Euro nicht in erster Linie deswegen leicht nachgegeben. Vielmehr waren es die britischen Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen des Monats September, die enttäuschten. Zwar hatten Volkswirte aufgrund des guten Wetters im Juli und August zwangsläufig mit einem Rückgang der Umsätze gerechnet, waren allerdings am Ende doch zu optimistisch gewesen. Deswegen hat sich der Euro etwas erholt und so den kurzfristigen Abwärtstrend zwischen 0,8815/20 und 0,8660 fast zum Erliegen gebracht.

EUR

EUR CHF (1,1420)

Die nicht unerwartete Absage von EU-Kommissar Pierre Moscovici an Italiens Haushalt hat gestern Abend nun doch noch zu einer Fluchtbewegung in Richtung Franken geführt. Dabei hat der Euro auch sein Niveau unterlaufen, das ihm innerhalb der größer angelegten Seitwärtsbewegung zwischen 1,1350/55 bzw. 1,1280 und 1,1530/35 an der Oberseite eine gewisse Robustheit gewährleistet hätte.

PLN

EUR PLN (4,3000)

Der Zloty vermag es derzeit nicht, einen eindeutigen Trend einzuschlagen. Stattdessen bleibt es bei kleineren Impulsen, die aber aufgrund der Kurzfristigkeit der zugrunde liegenden Transaktionen relativ schnell wieder abgewürgt werden. Und somit hat sich auch an der vorherrschenden Konsolidierungszone zwischen 4,2650 und 4,3400/20 an einem Tag wie gestern, ohne wichtige Wirtschaftsdaten, gar nichts geändert.


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