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Wöchentliche Marktberichte

Okt 17, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Vor dem EU-Gipfel

USD

EUR USD (1,1555)

Einige Probleme, die die Devisenmärkte noch tags zuvor belastet hatten, scheinen sich zumindest vordergründig für die Händler in Luft aufgelöst zu haben. Zum einen sprach gestern kaum jemand über die diplomatische Verstimmung zwischen Saudi-Arabien und den USA – zumal keine der beteiligten Parteien ein Interesse daran zu haben scheint, im Fall des verschwundenen Kolumnisten der „Washington Post“, Jamal Khashoggi, eine Eskalation zu riskieren.
Aber auch hinsichtlich der Neuverschuldung Italiens – der Haushaltsvorschlag wurde fristgerecht bei der EU eingereicht – scheinen die Marktteilnehmer gelassen zu bleiben. Obgleich EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker bereits durchblicken ließ, dass man eine Neuverschuldung von 2,4 Prozent des BIP für das Jahr 2019 nicht durchgehen lassen wolle, da diese deutlich über den von der EU geforderten 0,8 Prozent liege. Zumindest gab es kaum Reaktionen beim Kurs des Euro, und die Renditen italienischer Staatsanleihen bildeten sich sogar deutlich zurück.
Ganz anders scheint man indes die Neuverschuldung beim US-Haushalt zu sehen. So konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Trump-Administration das vorgestern Nacht veröffentlichte US-Defizit von 3,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für das Fiskaljahr 2018, das im September endete, geradezu frenetisch feierte. Nicht nur weil sich Finanzminister Steven Mnuchin in seinem Statement zum US-Haushalt ausgesprochen zufrieden äußerte. Vielmehr zeigte sich auch US-Präsident Donald Trump geradezu euphorisch, als die Zahl der offenen Stellen des JOLTS-Berichts im August mit einem Rekordwert aufwarteten. Rund 7,1 Millionen offene Stellen waren Donald Trump immerhin einen Jubel-Tweet wert. Am Ende des Tages bewegte sich der Euro gestern gerade einmal in einem engen Band von nicht einmal 60 Stellen innerhalb seines Abwärtstrends (1,1665 bis 1,1335/40), der allerdings fast kein Momentum mehr aufweist.

USD

USD CHF (0,9910)

Trotz der positiven Zahl zu den offenen Stellen für den August in den USA kam der US-Dollar kaum voran. Dies mag möglicherweise daran gelegen haben, dass gemäß einer Umfrage von BofA Merrill Lynch (zwischen dem 5. und 11. Oktober) unter internationalen Fondsmanagern großer Pessimismus herrscht. Denn dieser Umfrage zufolge gehen 85 Prozent der Vermögensverwalter davon aus, dass sich der derzeitige globale Wachstumszyklus in seinem Spätstadium befindet. Außerdem sind netto 38 Prozent der befragten Vermögensverwalter der Überzeugung, dass das globale Wachstum in den kommenden zwölf Monaten an Momentum verlieren wird – das ist der pessimistische Ausblick seit dem Aktien-Crash im November 2008. Somit bleibt der US-Dollar nach wie vor in seinen Korrekturmodus, wobei Kursrückgänge bis 0,9800 unproblematisch wären. Auf der anderen Seite würde bereits ein kleiner Satz des Greenback über 0,9925 genügen, um den übergeordneten Aufwärtstrend in Richtung 1,0075 fortzusetzen.

GBP

EUR GBP (0,8770)

Interessanterweise reagierte Sterling gestern auch einmal wieder auf ökonomische Daten. So konnte das britische Pfund von den höher als erwartet ausgefallenen Stundenlöhnen des Monats August profitieren. Allerdings warf auch der heute stattfindende EU-Gipfel gestern bereits seine Schatten voraus. So wechselten sich Meldungen aus Großbritannien und der EU zu den Brexit-Verhandlungen fast im Minutentakt ab. Einmal etwas positiver, ein anderes Mal etwas negativer. Ein EU-Vertreter bemängelte, man sei mit den Verhandlungen nicht dort, wo man eigentlich sein wolle, während es aus Deutschland eher ein optimistisch klingendes Statement gab. Auf der anderen Seite konnte Theresa May froh sein, dass es bis nach dem Mittagessen keine Rücktrittsdrohungen von Mitgliedern ihres Kabinetts gab. Kein Wunder, dass nun mancherorts darüber gerätselt wird, wie Theresa May genügend Stimmen im Unterhaus für einen möglichen Brexit-Deal zusammen bekommen will. Dabei ist die wohl mutigste aller vorgeschlagenen Strategien gleichzeitig die psychologisch interessanteste. So wurde darüber spekuliert, dass die Premierministerin ein Abkommen mit Brüssel schließen könnte, um danach sowohl die Brexiteers in ihrer Partei als auch die nordirische DUP vor vollendete Tatsachen zu stellen. Frei nach dem Motto: Friss oder stirb. Zumindest hätte Theresa May im Falle der Ablehnung ihres Vorschlages eines erreicht: Die Verantwortung für etwaige Auswirkungen auf die britische Wirtschaft, Neuwahlen, vermutlich verbunden mit einem Machtverlust der Torys, müssten diejenigen tragen, die ihr die Gefolgschaft verweigerten. Sich derart zu "committen" wäre für ihre Gegner auf jeden Fall mit höheren psychischen Kosten verbunden. Per Saldo hat sich Sterling gestern also stärker als an den Tagen zuvor präsentiert und so für eine Wiederbelebung des Euro-Abwärtstrends gesorgt, der nun zwischen 0,8825/30 und 0,8675 verläuft.

EUR

EUR CHF (1,1465)

Die Risikoaversion der Händler ist gestern deutlich gesunken. Deswegen konnte sich der Euro im Tagesverlauf gegenüber dem Franken wieder befestigen und kann sich in dieser robusten Verfassung halten, solange 1,1415 unverletzt bleibt. Allerdings muss die Gemeinschaftswährung immer noch beweisen, dass sie einen anhaltenden Aufwärtstrend begonnen hat. Dies wäre formal nach Überschreiten von 1,1530 der Fall.

PLN

EUR PLN (4,2830)

Obgleich der Anstieg der polnischen Beschäftigung im September mit 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr genauso hinter den Erwartungen zurückgeblieben war wie die Entwicklung der Löhne (+6,7 Prozent gegenüber Vorjahr), hat sich der Zloty gegenüber dem Euro etwas befestigen können. Letzterer bewegt sich, wie von uns zu Wochenbeginn angedacht, ganz langsam in Richtung der Untergrenze seiner Konsolidierungszone zwischen 4,2650 und 4,3400/20.


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