Wöchentliche Marktberichte

Okt 16, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Öl als Waffe?

USD

EUR USD (1,1570)

Die diplomatische Verstimmung zwischen Saudi-Arabien und den USA hat bei einigen Marktteilnehmern gestern für eine leicht erhöhte Risikoaversion gesorgt. Diese wurde zumindest vorübergehend gegenüber Schweizer Franken und Yen, den typischen Fluchtwährungen, sichtbar. Denn im Falle des verschwundenen Kolumnisten der „Washington Post“, Jamal Khashoggi, hatten die USA mit ernsthaften Maßnahmen gedroht. Und Saudi-Arabien reagierte am vergangenen Sonntag umgehend mit der Ankündigung noch stärkerer Maßnahmen. In diesem Zusammenhang äußerte sich schließlich der Chefredakteur des staatlichen Al Arabaya News Network, der offen über den Einsatz von Erdöl als Waffe schrieb. Auch wenn die saudische Botschaft in Washington und der Energieminister Saudi-Arabiens dies später relativierten, sprachen einige Kommentatoren zumindest von einem Versuchsballon. Denn im Raume stand immerhin, dass unter bestimmten Umständen ein Ölpreis von 100, 200 oder gar 400 USD pro Barrel nicht auszuschließen sei. Damit würde Saudi-Arabien aber mit der jahrzehntelang geltenden Tradition brechen, Öl und Politik auseinanderzuhalten. Vermutlich dürfte nur den älteren unter den heutigen Entscheidern das arabische Ölembargo 1973/1974 noch vor Augen sein, mit dem die erste Ölkrise ausgelöst wurde. Die Folge waren damals lange Schlangen an den Tankstellen, autofreie Sonntage und eine Stagflation in der westlichen Welt. Vermutlich will jedoch keine der beiden Seiten eine Eskalation dieser aktuellen diplomatischen Verstimmung riskieren. Immerhin: US- Außenminister Mike Pompeo wurde auf Geheiß von Präsident Donald Trump sogleich zu Konsultationen nach Riad geschickt.
Immerhin gab es gestern auch noch einige ökonomische Daten aus den USA zu bewerten. So etwa die Publizierung der US-Einzelhandelsumsätze für den Monat September, die mit einem Plus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat schlechter als erwartet ausfielen. Aber auch die Kernrate enttäuschte, und lediglich die sogenannte "Control Group" (Einzelhandelsumsätze, bereinigt um Kraftfahrzeuge, Energie und Baumaterialien) wusste mit +0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat leicht positiv zu überraschen. Allerdings blieben diese Daten ohne Einfluss auf das Kursgeschehen. Mit dem gestrigen Handelstag hat sich der Euro zum vierten Mal innerhalb einer Woche gegenüber dem Dollar befestigen können, ohne dabei jedoch seinen kurzfristigen Abwärtstrend zwischen 1,1665 und 1,1335 (leicht modifiziert) zu verlassen.

USD

USD CHF (0,9890)

Dass der Dollar derzeit von den Händlern nicht als sicherer Hafen angepeilt wird, zeigt sich im Verhältnis zum Franken. Denn gestern erlitt der Greenback im Rahmen der diplomatischen Verstimmung zwischen Saudi-Arabien und den USA gegenüber dem Franken einen Rücksetzer, der zum Teil bis zum Ende des Handelstages wieder wettgemacht wurde. Nach wie vor bleiben korrektive Kursrückgänge bis 0,9800 ohne weitere Konsequenzen. Auf der anderen Seite würde oberhalb von 0,9925, wie bereits tags zuvor erwähnt, der übergeordnete Aufwärtstrend in Richtung 1,0075 fortgesetzt werden.

GBP

EUR GBP (0,8800)

Im Vergleich zu vergangenem Montag haben sich die Vorzeichen bei den Brexit-Verhandlungen umgekehrt. Während man sich sowohl auf Seiten der EU als auch Großbritanniens noch vor Wochenfrist optimistisch zeigte, dass bald schon ein Brexit-Deal zustande kommen werde, hat sich seit Sonntag die Stimmung komplett gedreht. Nun wird es bis zum Morgen, wenn der EU-Gipfel beginnt, offenbar keine weiteren Verhandlungen geben. Zumindest brachte der stellvertretende Premierminister Irlands, Simon Coveney, seine Enttäuschung und die vieler anderer Staaten darüber zum Ausdruck, dass sich die britische Seite von den Gesprächen vor Beginn des EU-Gipfels praktisch „ausgeklinkt“ habe. Und die nordirische Democratic Unionist Party (DUP) geht offensichtlich bereits jetzt schon davon aus, dass ein Brexit ohne Abkommen wahrscheinlich unvermeidbar sein werde. Ganz zu schweigen von den innerparteilichen Querelen, mit denen sich die britische Premierministerin herumzuschlagen hat. Denn einem BBC-Tweet zufolge versuchen zu allem Überfluss auch noch einige britische Abgeordnete, Theresa May unter Zuhilfenahme ernster Warnungen dazu zu bewegen, ihren Chequers-Entwurf in Sachen Brexit komplett fallen zu lassen. Fast scheint es – egal, wofür sich Theresa May entscheiden wird –, als könne sie es ohnehin niemandem recht machen.
Umso überraschender war Mays Auftritt gestern Nachmittag im britischen Unterhaus, als sie sich ausgesprochen optimistisch hinsichtlich der bisher erreichten Ergebnisse bei den Verhandlungen mit der EU (große Fortschritte, nur wenige ungelöste Punkte) zeigte. Unterdessen hat der Euro zwar seinen kurzfristigen Abwärtstrend von 0,8835/40 bis nunmehr 0,8685 zu großen Teilen von unten nach oben durchquert, aber die Händler scheinen derzeit noch nicht den richtigen Mut gefunden zu haben, die Gemeinschaftswährung wieder in neutrales Terrain zu hieven.

EUR

EUR CHF (1,1450)

Am schlechter als erwartet ausgefallenen Produzentenpreisindex der Schweiz im Monat September dürfte es vermutlich nicht gelegen haben, dass sich der Franken nach anfänglicher Stärke später wieder abgeschwächt hat. Denn anfangs hatte die Schweizer Währung gestern von Zuflüssen profitiert, die vermutlich aus oben genannter Risikoaversion (vgl. EUR USD) entstanden waren. Zumindest musste der Euro einen ordentlichen Rücksetzer hinnehmen, im Rahmen dessen allerdings die wichtige 1,1390er Unterstützung (heute 1,1380, leicht modifiziert) nicht in Angriff genommen wurde. Nach wie vor bleibt die Gemeinschaftswährung robust, solange dieses Niveau Bestand hat. Allerdings kann ein überzeugender Aufwärtstrend frühestens nach Überschreiten von 1,1540 ausgelöst werden.

PLN

EUR PLN (4,2930)

Die leichte Aufwärtsrevision des polnischen Konsumentenpreisindex für den Monat September dürfte das Kursgeschehen gestern kaum beeinflusst haben. Dennoch hat sich der Euro gegenüber dem Zloty noch einmal, wenn auch in einer überschaubaren Größenordnung, abgeschwächt. Damit bleibt die Gemeinschaftswährung in ihrer bestehenden Konsolidierungszone, die zwischen 4,2650 und 4,3400/20 verläuft.


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