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Okt 09, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Italien-Anleihen erneut im Fokus

USD

EUR USD (1,1470)

Die wahren Feinde Europas seien Jean-Claude Juncker (EU-Kommissionspräsident) und Pierre Moscovici (EU-Wirtschaftskommissar) sowie die Bürokratie Brüssels, polterte gestern Italiens stellvertretender Premierminister Matteo Salvini (Lega Nord) bei einer Pressekonferenz mit der Chefin des französischen rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, in Rom. Die Reaktion der Märkte ließ auch nicht allzu lange auf sich warten. Denn italienische Staatsanleihen standen auf dem Verkaufszettel der Händler zuoberst und gerieten so stark unter Druck, dass die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen in der Spitze auf 3,626, dem höchsten Niveau seit Anfang 2014, anzog. Auch der Renditeabstand gegenüber deutschen Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit vergrößerte sich auf 309 Basispunkte und lag damit 25 Basispunkte über dem Schlusskurs vom Freitag. Da halfen dann auch Salvinis vor jenem denkwürdigen Auftritt gemachte Äußerungen nichts, Italien habe nicht vor, den Euro zu verlassen. Denn den Akteuren dürfte mittlerweile klar geworden sein, dass Salvini sicherlich bleiben möchte, aber eben nach seinen ihm eigenen Vorstellungen. Kein Wunder, dass neben den italienischen Anleihen auch noch gleich der Euro unter die Räder kam.
Nicht minder volatil ging es an den chinesischen Aktienmärkten zu, die nach der Feiertagswoche ebenfalls massiv unter Druck gerieten. Genauso wie die chinesische Währung. Zumindest markierte der Yuan gegenüber dem US-Dollar den niedrigsten Stand seit dem 15. August, weswegen sogleich das US-Finanzministerium hellhörig wurde. Hatte China etwa als Antwort auf die US-Strafzölle tatsächlich die eigene Währung abgewertet? Eigentlich nicht. Denn der Yuan ist nicht nur aufgrund eigener Schwäche, sondern vor allen Dingen wegen der intrinsischen Stärke des US-Dollar gefallen. Dazu genügt allein ein vergleichender Blick auf den Euro. Dieser notierte gestern zwar nicht ganz so niedrig – etwa 1,5 Prozent höher als an seinem Jahrestief von etwa 1,1297, ebenfalls am 15. August markiert. Denn noch bleibt die Gemeinschaftswährung in neutralem Terrain und würde lediglich unterhalb von 1,1450/55 derart unter Druck geraten, dass man von einem neuen kurzfristigen Abwärtstrend sprechen müsste.

USD

USD CHF (0,9925)

Trotz des gestrigen Teil-Feiertages in den USA (Columbus Day) hat sich an der Robustheit des Dollar gegenüber dem Franken nichts geändert. Auch wenn der Bondmarkt in den USA gestern geschlossen war, bleibt die Angst vor weiteren Renditesteigerungen am langen Ende. So scheint es auch dem Mitglied des Offenmarktausschusses der US-Notenbank, James Bullard, gegangen zu sein, der sich in Singapur zu Wort meldete. Der Chef der Fed von St. Louis, zwar derzeit im FOMC nicht stimmberechtigt, gilt als Zinstaube. Und so wundert es auch nicht, dass Bullard die Leitzinsen nun am unteren Ende des neutralen Zinses, demjenigen Zinssatz, der das Wachstum weder beschleunigt noch hemmt, sieht. Allerdings sieht es nicht so aus, als ob die Fed derzeit daran dächte, im Dezember hinsichtlich einer weiteren Zinserhöhung Zurückhaltung zu üben. Zumindest lag die implizite Wahrscheinlichkeit für einen derartigen Schritt zuletzt bei 81 Prozent (vgl. CME FedWatch Tool). Am Ende blieb der recht steile Aufwärtstrend des Greenback auch gestern intakt, wobei wir allerdings unverändert bereits bei Rücksetzern unterhalb von 0,9890 mit Korrekturen in Richtung 0,9800 rechnen.

GBP

EUR GBP (0,8775)

Die EU und Großbritannien scheinen sich im Prozess zur Lösung der irischen Grenzfrage, einem der Hauptprobleme bei den Brexit-Verhandlungen, aufeinander zuzubewegen. Nachdem Teilnehmer eines Treffens von EU-Diplomaten in Brüssel bereits am Freitag hatten durchblicken lassen, dass sich die britische Seite möglicherweise bereit erklären könnte, hinsichtlich der von der EU geforderten Klausel, durch die Nordirland im Notfall im Zollgebiet mit der EU gehalten würde, Zugeständnisse zu machen, scheint es nun auch auf Seiten der EU Bewegung zu geben. So könne man sich einem Bericht des britischen Guardian zufolge vorstellen, Zollkontrollen nicht am Bestimmungsort von Gütern, sondern bereits bei deren Ursprung, also irgendwo auf dem britischen Festland und nicht an der irischen Grenze, durchzuführen. Ein Schritt, der vor allen Dingen den Befindlichkeiten der nordirischen DUP entgegenkommen dürfte, deren Zustimmung für ein Brexit-Abkommen im Unterhaus erforderlich wäre. Dessen ungeachtet soll sich Theresa May bei Abgeordneten der oppositionellen Labour-Partei angeblich um Unterstützung bemüht haben, um einen Deal durch das Unterhaus zu bekommen. Unterdessen zeigte sich Sterling gestern stabil, weswegen der Euro anfällig für weitere Kursrückgänge in Richtung 0,8715/20 bleibt. Die Obergrenze des derzeitigen leichten Abwärtstrends liegt unterdessen bei 0,8875.

EUR

EUR CHF (1,1410)

Nun ist auch der neuerliche Einbruch bei den italienischen Staatsanleihen nicht spurlos am Schweizer Franken vorbeigegangen, der zumindest temporär wieder als Fluchtwährung gefragt gewesen sein dürfte. Denn die gestiegene Risikoaversion wurde auch an einer anderen typischen Fluchtwährung, dem japanischen Yen, erkennbar. Und so ist der Euro im Rahmen seiner großangelegten Seitwärtsbewegung zwischen 1,1295 (modifiziert) und 1,1465 gestern etwas unter Druck geraten.

PLN

EUR PLN (4,3180)

Auch ohne ökonomische Neuigkeiten hat sich der Euro gegenüber dem Zloty gestern abermals etwas befestigt und scheint nun auf das obere Ende seiner Konsolidierung zwischen 4,2650 und 4,3400/20 zusteuern zu wollen.


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