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Wöchentliche Marktberichte

Okt 08, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Aufmerksamkeitsdefizit beim Dollar  

USD

EUR USD (1,1515)

Wenn nach einem US-Arbeitsmarktbericht nicht der US-Dollar, sondern US-Staatsanleihen in den Fokus der Marktteilnehmer rücken, muss es dafür einen triftigen Grund geben. Die Perspektivverschiebung liegt zum einen in den jüngsten hawkishen Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell begründet, zum anderen im kräftigen Anstieg der Rendite zehnjähriger US-Anleihen, die vergangene Woche lange nicht mehr gesehene Niveaus erreichte.
Dass Powells Erläuterung den kurzfristigen Zins, die Rendite-Rallye hingegen das lange Ende betraf, spielte im allgemeinen Aufruhr so gut wie keine Rolle. Zudem dürfte auch die Tatsache, dass sich beide Zinskurven unabhängig voneinander entwickeln können, Investoren bestens bekannt sein. Als Schlussfolgerung bleibt somit nur noch: Händler und Investoren fürchten sich vor steigenden Zinsen! Dies war vermutlich auch der Grund, weshalb der Anleihemarkt bei der Verkündung der US-Job-Daten ganz besonders auf die Entwicklung der saisonbereinigten Stundenlöhne achtete. Im September konnten diese um 0,3 Prozent zulegen, womit sie sich 2,8 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats befanden. Für den Monat August lag dieser Wert allerdings noch bei 2,9 Prozent. Somit hätte sich seitens der Lohnteuerung eigentlich keine Irritation für Anleihehändler ergeben sollen. Doch am Freitag markierte die Rendite besagter US-Anleihen ein neues Sieben-Jahres-Hoch. Und dass, obwohl sich im US-Arbeitsmarktbericht nicht unbedingt weitere Hinweise auf eine Beschleunigung des laufenden Zinserhöhungszyklus verbargen. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen lag im September mit 134.000 deutlich unterhalb der allgemeinen Erwartungen und betrug in etwa nur die Hälfte des August-Niveaus. Diese schwache Zahl glich wiederum den Anstieg für den Monat August aus, dessen Wert kräftig auf 270.000 nach oben revidiert wurde. Von einer Entwarnung an der Zinsfront konnte man angesichts der niedrigsten Arbeitslosenquote seit fast 50 Jahren (3,7 Prozent) jedoch auch nicht reden.
Der Greenback wirkte in Anbetracht der reichlichen Datenflut wie ein Unbeteiligter. Stattdessen konnte sich der Euro bereits den zweiten Tag in Folge gegenüber dem US-Dollar durchsetzen. Er bleibt daher in neutralem Terrain und muss einen kurzfristigen Abwärtstrend lediglich bei Versagen der 1,1450/55er Unterstützung fürchten.

USD

USD CHF (0,9915)

Zwar hatten Franken-Händler in den vergangenen Wochen alle Hände voll zu tun, den USD-Höhenflug so gut wie möglich in den Griff zu bekommen. Dennoch trieb den Markt eine wichtige Frage um: Welchen Einfluss wird der jüngste Renditeanstieg zehnjähriger US-Staatsanleihen auf den Schweizer Finanzmarkt haben? Es sei schließlich nicht von der Hand zu weisen, dass der risikofreie US-Zins einen „Anker für die weltweiten Vermögenspreise“ darstellt, war von Analystenseite zu hören. Einige von ihnen schätzen, dass die kritische Schwelle für einen Wechsel in den USD-Raum bereits bei einem Zins von 3,5 Prozent – und somit gar nicht mehr weit vom aktuellen Niveau der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen entfernt – beginnen dürfte. Offensichtlich nehmen einige Devisenhändler diese Entwicklung vorweg, was den seit Ende September währenden, plötzlichen Höhenflug des Dollar erklären würde. Der steile, kurzfristige Aufwärtstrend ist weiterhin intakt. Jedoch dürfen Rücksetzer nicht mehr unterhalb von 0,9890 (erneut deutlich angehoben) führen, sonst könnten Korrekturen bis mindestens 0,9800 einsetzen.

GBP

EUR GBP (0,8780)

Das offizielle Austrittsdatum Großbritanniens aus der EU liegt seit ein paar Tagen weniger als ein halbes Jahr entfernt. Dass die Uhr erbarmungslos tickt, wissen zwar alle Beteiligten, doch möglicherweise hat die andere Art der zeitlichen Wahrnehmung bei den Verantwortlichen einen psychologischen Effekt bewirkt. Kurz vor dem Wochenende kam jedenfalls ordentlich Fahrt in die festgefahrenen Brexit-Verhandlungen. Am Freitag verkündete ein britischer Regierungssprecher, dass schon bald ein neuer Vorschlag zur umstrittenen Nordirland-Frage vorgelegt werden soll. Es werde angestrebt, „zügig mit der Arbeit fortzufahren, um diese Verhandlungen im Herbst abschließen zu können", hieß es aus London. In Brüssel stimmten diese Töne freundlich. EU-Diplomaten sprachen von einer „Bewegung in die richtige Richtung". Teilnehmer eines Treffens in Brüssel ließen sogar durchblicken, man sei einem Abkommen „sehr nahe“, da sich die britische Seite eventuell bereit zeige, Zugeständnisse für die von der EU geforderte Notfallklausel zu machen, durch die Nordirland im Zollgebiet mit der EU gehalten werden könne. Diese Nachricht kam bei Sterling-Händlern gut an. Der Euro wurde aus seiner jüngsten Konsolidierung gedrückt und steuert nun im Rahmen eines kurzfristigen Abwärtstrends auf eine wichtige mittelfristige Unterstützungszone zu, die bei 0,8715/25 wartet.

EUR

EUR CHF (1,1415)

Für den Schweizer Konsumentenpreisindex rechneten Analysten im September mit einem Anstieg von 1,1 bis 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Tatsächlich fiel die Teuerung mit 1,0 Prozent aber ein wenig geringer aus, wie das Bundesamt für Statistik am Freitag mitteilte. Insbesondere Kleidung, Schuhe und Frischgemüse haben sich verteuert. Interessant ist auch die Entwicklung des Importgüter-Index, der um 2,4 Prozent stieg. Inlandsgüter zogen hingegen nur um ein halbes Prozent an. Die Kerninflation (ex Energie bzw. frische und saisonale Produkte) lag im Jahresvergleich wiederum nur mit 0,4 Prozent im Plus. Unbeeindruckt von diesen Zahlen schob sich der Euro am Franken vorbei und gelangte dabei fast an die obere Begrenzung der großen Seitwärtsbewegung, die nach wie vor zwischen 1,1275 und 1,1460 (geringfügig modifiziert) verläuft. Eine echte Hürde ist aber erst weiter oben, bei 1,1555 zu finden.

PLN

EUR PLN (4,3040)

Der Euro verabschiedete sich zum Zloty bei lustlosem Handel unter geringen Schwankungen ins Wochenende, was sicher auch dem Mangel an fundamentalen Nachrichten geschuldet war. Er schloss fast genau in der Mitte seiner breiten Konsolidierungszone, die wie gehabt zwischen 4,2650 und 4,3400/20 verläuft.


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