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Wöchentliche Marktberichte

Okt 04, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Viele Fragen offen

USD

EUR USD (1,1470)

Der italienische Staatshaushalt und die damit verbundene Neuverschuldung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für 2019 war auch gestern das Thema des Tages. Immerhin sind mittlerweile die Renditen für italienische Staatsanleihen wieder zurückgekommen, so dass etwa Papiere mit zehnjähriger Laufzeit nunmehr wieder deutlich unter dem Höchststand vom Dienstag (rund 3,47 Prozent) lagen. Allerdings blieb der Euro dagegen unter Druck, zumal er sich gestern nicht überzeugend erholen konnte. Gut möglich, dass man den beschwichtigenden Stimmen vom parteilosen Wirtschaftsminister Giovanni Tria und von Matteo Salvini (stellvertretender Ministerpräsident, Lega Nord) nicht so recht trauen wollte. Denn die beiden erklärten, die Regierung habe ihre Pläne geändert und sei willens, die Neuverschuldung [gemessen in Prozent des Bruttoinlandsprodukts] in den Jahren 2020 und 2021 schrittweise zurückzuführen. Ein Optimismus, den zumindest Devisenhändler nicht so recht teilen mochten. Sogar nachdem Ministerpräsident Giuseppe Conte am Abend die Zahlen zu den geplanten Budgets für die Jahre 2020 und 2021 (Neuverschuldung von 2,1 bzw. 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) bestätigte.
Allerdings bestand der gestrige Handelstag nicht nur aus reiner Euroschwäche, sondern verdankt sich zu großen Teilen auch einem robusten US-Dollar. Dieser war möglicherweise deswegen so gut nachgefragt, weil sich Mitglieder des Offenmarktausschusses der US-Notenbank zu Wort meldeten. So etwa der Chef der regionalen Fed von Richmond, Thomas Barkin, der sich bei der Beurteilung der künftigen Leitzinsen vor allen Dingen auf Löhne, Preise von langlebigen Wirtschaftsgütern, die US-Produktivität und die Renditekurve konzentrieren möchte. Und da das Wachstum in den USA solide und sich die Inflation erwartungsgemäß entwickelt, kann man dem FOMC-Mitglied eine gewisse falkenhafte Einstellung unterstellen. Etwas zurückhaltender zeigte sich Patrick Harker. Der Chef der Fed von Philadelphia äußerte, er habe ursprünglich zwar nur drei Zinserhöhung im Jahr 2018 befürwortet, doch sei er bereit, einen weiteren Zinsschritt im Dezember zu unterstützen. Allerdings ist Harker in diesem Jahr nicht stimmberechtigt. Dies gilt auch für Charles Evans (Fed von Chicago), der sich ebenfalls gestern äußerte. Dabei hielt sich Evans an das Ergebnis des vergangenen Treffens des Offenmarktausschusses, das von den Akteuren im Wesentlichen als leicht falkenhaft interpretiert wurde. Die Haltung Evans ist insofern bemerkenswert, als dieser noch vor einigen Monaten als Zinstaube galt.
Schließlich gab es auch noch einige US-Daten. Allen voran die Zahl der neu geschaffenen Stellen der Arbeitsmarktagentur ADP für den Monat September. Diese lag nämlich mit einem Zuwachs von 230 Tsd. deutlich über den mittleren Erwartungen der Ökonomen (184 Tsd.). Im Gegensatz zu früheren Zeiten reagierte der Dollar jedoch nicht auf diese Zahl, was als Indiz dafür gewertet werden kann, dass sich die Akteure vornehmlich auf die Lohnkomponente des Arbeitsmarktberichts am kommenden Freitag konzentrieren werden. Nachdem jedoch Fed-Chef Jerome Powell sich gestern Nacht in einer Rede auch noch recht hawkish äußerte, durchbrach der Euro das untere Ende seiner Seitwärtsspanne zwischen 1,1495 und 1,1815. Einen neuen kurzfristigen Abwärtstrend würden wir allerdings erst nach Unterlaufen der wichtigen Unterstützung bei 1,1420/25 ausrufen wollen.

USD

USD CHF (0,9915)

Es war wohl eine Kombination von beidem: Ein schwacher Franken und ein fester US-Dollar, getrieben durch gute Wirtschaftsdaten (Stellenzuwachs der US-Arbeitsmarktagentur ADP, überraschend guter ISM Einkaufsmanager-Index außerhalb der Industrie), die den gestrigen Handelstag beherrschten. Hinzu kamen vorgenannte Statements von Mitgliedern des Offenmarktausschusses der US-Notenbank sowie von Fed-Chef Jerome Powell (vgl. EUR USD). Schließlich hat der Dollar seinen ersten Potenzialpunkt an der Oberseite bei 0,9865 nicht nur erreicht, sondern auch deutlich überschritten und bewegt sich bereits in Richtung 0,9940. Dieses positive Szenario bleibt erhalten, solange Rücksetzer durch 0,9775 begrenzt bleiben.

GBP

EUR GBP (0,8865)

Obgleich am Montag noch Medienberichten zufolge Theresa May offenbar der EU in Sachen Brexit ein ganz neues Angebot unterbreiten wollte, um vor allem die festgefahrenen Verhandlungen bezüglich der Grenzproblematik zwischen Irland und Nordirland wieder in Bewegung zu bringen, entstand nun gestern zum Ende des Parteitags der konservativen Torys mancherorts ein ganz anderer Eindruck. Zwar hat die Premierministerin abermals bewiesen, dass sie ganz gut tanzen und auch die Opposition kritisieren kann. Aber würde ein geänderter Vorschlag zum Brexit-Abkommen, ein sogenanntes Chequers 2.0, sowohl bei den Brexiteers als auch bei der nordirischen DUP und auch noch bei der EU auf Zustimmung stoßen? Fragen, die offen blieben. Denn bei Theresa Mays abschließender Rede gab es nicht viel mehr als Absichtsbekundungen. Auch Brexit-Minister Dominic Raab machte deutlich, dass Großbritannien im November ein Brexit-Abkommen anstrebe. Mit anderen Worten: Man ist wieder einmal guten Willens. Allerdings hat sich Sterling nach anfänglicher Schwäche gestern Nachmittag erneut erholt und damit den Euro per Saldo in Richtung der Untergrenze seiner Konsolidierung zwischen 0,8840/45 (modifiziert) und 0,9100 gedrückt.

EUR

EUR CHF (1,1375)

Dass die Budget-Problematik Italiens mit weniger Aufmerksamkeit wahrgenommen wird, zeigt sich an der Entwicklung des Franken, der sich am Dienstag zunächst noch deutlich befestigte, als die Renditen der italienischen Staatsanleihen auf ein neues Jahreshoch anzogen. Allerdings hat sich gestern die Situation entspannt, so dass der Euro letztlich seinen verlorenen Boden wieder gut machen konnte. Die Gemeinschaftswährung bleibt demnach innerhalb ihrer größer angelegten Seitwärtsbewegung zwischen 1,1275 und letztlich 1,1445/50.

PLN

EUR PLN (4,3000)

Wie vielseits erwartet, hat die Polnische Nationalbank ihren Leitzins unverändert bei 1,5 Prozent belassen. Deren Chef, Adam Glapinski, betonte gestern nach der Sitzung der Notenbank, er sehe derzeit keinen Grund, die Zinsen bis Ende 2019 zu verändern. Allerdings wollte Glapinski keine Prognose für das Jahr 2020 abgeben. Hinsichtlich der Wachstums- und Inflationsvorhersagen, die im November zur Veröffentlichung anstehen, deutete Glapinski bereits an, dass es keine „revolutionären“ Änderungen geben werde. Unterdessen hat sich der Euro innerhalb seiner Konsolidierungszone zwischen 4,2600 und 4,3420 erneut etwas befestigt.


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