Wöchentliche Marktberichte

Okt 02, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Theresa Mays neues Angebot

USD

EUR USD (1,1540)

Es gab gestern zwei große Themen, die den Euro-Handel beschäftigten. Zum einem das neue Freihandelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada, kurz USMCA genannt, das nun das vorherige NAFTA-Abkommen der drei nordamerikanischen Staaten ersetzen soll. Vor allem US-Präsident Donald Trump war voll des Lobes für die neue Übereinkunft. Aber dieses sozusagen auf den letzten Drücker zustande gekommene Abkommen – Donald Trump persönlich hatte dafür eine Deadline bis zum Ablauf des 30. September gesetzt – unterscheidet sich von seinem Vorgänger nicht so dramatisch, wie die Lobeshymnen der Beteiligten dies glauben lassen wollen. Ein Kommentator brachte es auf den Punkt: Die wichtigste Änderung sei der Namen des Abkommens, das man spöttisch auch als NAFTA 2.0 bezeichnen könnte. Nun ist also geplant, dass die drei Vertragspartner das Papier bis Ende November unterzeichnen. Anschließend muss es in den USA noch vom Kongress durchgewunken werden. Allerdings dürfte dies aufgrund gesetzlicher Fristen frühestens im nächsten Jahr geschehen, was insofern interessant ist, als die Midterm-Wahlen am 9. November die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus und möglicherweise auch im Senat zu Gunsten der Demokraten ändern könnten. Zumindest lässt sich sagen, dass das USMCA den Euro gestern kaum beeinflusst hat.
Das zweite große Thema war Italien. Nicht nur, weil die Renditen für italienische Staatsanleihen auch gestern wieder deutlich angezogen hatten. Tatsächlich beschäftigte die Akteure ein Medienbericht, wonach die EU-Kommission die italienischen Haushaltspläne zurückweisen werde. In diesen Zusammenhang passt auch, dass der Einkaufsmanagerindex für die Industrie in Italien mit 50,0 (Markit) zwar nur geringfügig nach unten revidiert wurde, aber es um den Wachstumsoptimismus der Manager für Italien nicht besonders gut bestellt sein dürfte. Am Ende des Tages hat sich der Euro nicht erholen können, sondern bleibt vielmehr in der unteren Hälfte seiner neuen Seitwärtsspanne zwischen 1,1495 (modifiziert) und 1,1815.

USD

USD CHF (0,9845)

Auch gestern hat sich der Dollar gegenüber dem Franken weiter befestigen können. Und dies, obwohl der US-Einkaufsmanagerindex (ISM) für das verarbeitende Gewerbe leicht hinter den Erwartungen der Ökonomen zurückgeblieben war. Gut möglich, dass die Händler aber auch festgestellt hatten, dass der Index gegenüber dem Vormonat, der immerhin den höchsten Stand seit 2014 aufwies, nicht dramatisch zurückgefallen war. Und so hat sich der Greenback bis auf zehn Stellen dem Potenzialpunkt seines derzeitigen Aufwärtsimpulses bei 0,9865 (darüber 0,9940) angenähert. Das positive Szenario bleibt jedenfalls erhalten, solange sich Korrekturen oberhalb von 0,9735 vollziehen.

GBP

EUR GBP (0,8870)

Die Akteure scheinen in Sachen Brexit wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Denn einem Bericht von Bloomberg zufolge plant Theresa May offenbar, der EU ein ganz neues Angebot zu unterbreiten. Der britische Vorschlag sieht einem hohen Regierungsvertreter zufolge hinsichtlich der festgefahrenen Verhandlungen zur Grenzproblematik zwischen Irland und Nordirland vor, der EU einen großen Schritt entgegenzukommen. In diesem Zusammenhang könnte die britische Regierung ihren Widerstand gegenüber einer Zollgrenze zwischen dem britischen Festland und Nordirland zumindest partiell aufgeben. Einzelheiten dieses Plans sind jedoch bislang nicht bekannt geworden, aber Sterling konnte sich daraufhin immerhin deutlich erholen. Auch weil die Akteure gestern den Eindruck bekamen, dass man auch auf britischer Seite immer noch an einem Brexit-Deal interessiert sei. Nicht profitieren konnte das Pfund allerdings vom besser als erwartet ausgefallenen Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes (Markit). Das vordergründig ordentlich aussehende Datum wird nämlich bei der Betrachtung der einzelnen Bestandteile wegen der von vielen Industrieunternehmen geäußerten Brexit-Unsicherheit wieder relativiert.
Gestern Nacht meldete die britische Zeitung „The Times“, Theresa May würde weitere signifikante Konzessionen an die EU vorbereiten, darunter eine selbstauferlegte Beschränkung Großbritanniens, nach dem Brexit Freihandelsabkommen abschließen zu können. Allerdings reagierte Sterling bislang kaum auf die Meldung, so dass der Euro gestern Nacht fast unbewegt im unteren Bereich der derzeitigen Konsolidierung zwischen 0,8850 und 0,9100 verharrte.

EUR

EUR CHF (1,1385)

Der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes ist für die Schweiz im September mit 59,7 nicht nur deutlich unter der mittleren Schätzung der Ökonomen, sondern auch klar unter dem August-Wert (64,8) geblieben. Besonders auffällig ist der Rückgang bei den Neuaufträgen. Damit könnte es laut Angaben des erhebenden Instituts (Credit Suisse/procure.ch) mit dem "Mini-Boom" in der Industrie schon bald zu Ende sein und sich die konjunkturelle Gangart wieder normalisieren. Der Franken ließ sich allerdings von den Daten kaum inspirieren. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die anziehenden Anleiherenditen in Italien kaum zu Franken-Nachfrage geführt haben. Per Saldo ist der Euro gestern demnach auf der Stelle getreten und bleibt innerhalb seiner größer angelegten Seitwärtsbewegung zwischen 1,1265 und letztlich 1,1445/50.

PLN

EUR PLN (4,2850)

Auch in Polen stand der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (Markit) zur Veröffentlichung an und fiel schlechter aus als vielerorts erwartet. Wie bereits auch in der Eurozone scheint sich das Wachstum auch in Polen zu verlangsamen. Darüber hinaus war Polens Inflation im September gegenüber dem Vorjahr mit einem Konsumentenpreisindex von +1,8 Prozent geringfügig unter den Erwartungen der Ökonomen geblieben. Unterdessen hat sich der Euro innerhalb seiner Konsolidierungszone zwischen 4,2600 und 4,3420 etwas befestigt.


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