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Wöchentliche Marktberichte

Okt 01, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Johnson rät, „Chequers-Plan“ zu entsorgen

USD

EUR USD (1,1595)

Marktteilnehmer waren angesichts des letzten Handelstages des dritten Quartals am Freitag rege damit beschäftigt, ihre Portfolios so zu arrangieren, dass sie, je nach Art der Berichterstattung, eine gute Figur abgeben. Man kann es ihnen daher nicht verübeln, dass sie einige relevante Meldungen nur teilweise oder manchmal gar nicht mitbekommen zu haben scheinen. Darunter waren verschiedene Daten für den Monat September, wie beispielsweise die günstige Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes, der unerwartete Rückgang der Euroraum-Kernteuerung auf 0,9 Prozent sowie die Warnung der EU-Finanzminister, dass Handelskonflikte ernsthafte negative Folgen auf das Wirtschaftswachstum haben könnten. Weniger verständlich ist hingegen, warum ein anderes Datum so wenig Beachtung fand: Die Meldung, dass Frankreichs Staatsverschuldung um 5,2 Milliarden Euro auf fast 2,3 Billionen Euro gestiegen ist und mittlerweile 99 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beträgt.
Der Grund, warum sich kaum jemand für den deutlichen Anstieg zu interessieren schien, liegt auf der Hand: Der Wirbel, den der neue italienische Haushaltsentwurf in den Aktien- und Anleihemärkten verursachte, schien alles andere zu überdecken. Allein der Renditesprung zehnjähriger italienischer Staatsanleihen, der in der Spitze 46 Basispunkte betrug – der stärkste Anstieg seit Ende Mai –, zog viel Aufmerksamkeit institutioneller Investoren auf sich. Da zudem auch der Leitindex FTSE MIB fast vier Prozent ins Minus rutschte und auch der Stoxx-Bankenindex mit einem Minus von 2,8 Prozent negativ ins Blickfeld der Akteure rückte, kam einigen beinahe wieder das Wort Krise über die Lippen. Aber nicht nur die absolute Höhe der italienischen Schulden hat die Marktteilnehmer erschreckt. Investoren beschäftigte auch die Frage, inwiefern sich der neue Haushaltsplan negativ auf die Bonitätsbewertung der großen US-Ratingagenturen auswirken wird. Sollte Italien demnächst herabgestuft werden, würde das Land auf die letzte Stufe des Investment-Grade-Ratings (BBB-) fallen. Für zahlreiche Anleger ein unbehaglicher Gedanke.
Die Nachricht, dass sich die USA heute Nacht mit Kanada darauf einigten ein neues gemeinsames Freihandelsabkommens mit Mexiko einzugehen, hat bislang keine Auswirkungen auf den Devisenhandel gezeigt. Der Euro ist am Freitag aus seinem kurzfristigen Aufwärtstrend gerutscht. Die Gemeinschaftswährung startet daher das letzte Quartal des Jahres in einer neuen Seitwärtsspanne, die zwischen 1,1525 und 1,1815 verläuft.

USD

USD CHF (0,9815)

Selten war der US-Handelsstreit mit China in den vergangenen Monaten so in den Hintergrund gerückt wie am vergangenen Freitag. Selbst US-Dollar-Händler schienen nur auf die Entwicklung in Italien zu achten. Dabei ging beispielsweise völlig unter, dass der chinesische Außenminister Wang Yi in einer Rede vor der UN-Vollversammlung deutliche Worte gegen den US-Protektionismus fand. Den Greenback zogen Händler nach dem starken Anstieg vom Donnerstag abermals nach oben. Was unsere Vermutung einer Shortsqueeze erhärtet. Entsprechend gehen wir davon aus, dass sich der aktuelle Impuls bis auf 0,9865 fortsetzen wird. Jedenfalls, solange Rücksetzer sich oberhalb der 0,9685er Unterstützung abspielen.

GBP

EUR GBP (0,8900)

Es kam in diesem Jahr schon häufiger vor, dass die politischen Akteure Großbritanniens teils ungeschickt agierten und manchmal orientierungslos wirkten. Tatsächlich haben die ständigen Querelen über den bevorstehenden Austritt aus der EU in den vergangenen Monaten noch andere Spuren hinterlassen – beispielsweise in der wirtschaftlichen Entwicklung. Diese hat in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres das langsamste Wachstum seit fast sieben Jahren vollzogen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von Januar bis Juni lediglich um ein halbes Prozent gegenüber der vorangegangen Sechs-Monats-Periode. Die Finanzmärkte blickten abseits dieser bescheidenen Zahlen weiter auf Neuigkeiten in Sachen Brexit und staunten nicht schlecht, als sie Boris Johnsons neuesten „Vorschlag“ an Premierministerin Theresa May im „Daily Telegraph“ lasen. Darin forderte Johnson sie auf, ihren sogenannten Chequers-Plan "wegzuschmeißen" und stattdessen seinen neuen Sechs-Punkte-Plan für den EU-Austritt zu nutzen. Das (innen-)politische Wirrwarr scheint sich demnach munter fortzusetzen. Sterling hat daraufhin seine Erholung unterbrochen. Der Euro bleibt somit weiter innerhalb seiner Konsolidierungszone, die zwischen 0,8850 und 0,9100 verläuft.

EUR

EUR CHF (1,1380)

Die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich hat am Freitag ihr wichtiges Konjunkturbarometer – ein Sammelindikator, der sich aus 273 Einzelindikatoren zusammensetzt – veröffentlicht. Im September konnte der Index gegenüber dem revidierten Vormonatswert um 3,3 Punkte auf 102,2 Zähler zulegen. KOF-Ökonomen interpretierten den Anstieg positiv und erklärten, dass für die nähere Zukunft die Wachstumsraten der Schweizer Wirtschaft „leicht über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre“ zu erwarten sein werden. Den Euro trieben Händler am Freitagmorgen direkt nach der Veröffentlichung der Zahl auf sein Tagestief (1,1280), doch bereits eine Stunde später begann eine beachtenswerte Erholung, die knapp unterhalb der 1,14er Marke in der Nähe des Tageshochs endete. Damit hat der Euro erneut unter Beweis gestellt, dass er sich im laufenden Abwärtstrend – wenn auch auf relativ niedrigem Niveau – stabilisiert hat. Wie gehabt, würden wir jedoch erst einen Durchstoß der 1,1445/50er Hürde abwarten, bevor wir einen kurzfristigen Aufwärtstrend ausrufen. Auf der Unterseite hat indes die 1,1255er Unterstützung an Bedeutung gewonnen.

PLN

EUR PLN (4,2780)

Nachdem die polnische Regierung zu Beginn der vergangenen Woche ihren Haushaltsentwurf für 2019 verabschiedet hat, verkündete am Freitag das Finanzministerium, es seien mittlerweile schon 81 Prozent des Finanzierungsbedarfs des laufenden Jahres gesichert und auch bereits 6 Prozent des 2019er Budgets vorfinanziert worden. Dabei käme dem Budget des nächsten Jahres – wenn sich im letzten Quartal nichts gravierend ändere – zu Gute, dass für 2018 ein geringerer Betrag finanziert werden müsste, als dies ursprünglich geplant war. Der Euro wurde am Freitag fast bis auf die Untergrenze seiner Konsolidierung (4,2600 - 4,3420) gedrückt, konnte sich aber bis Handelsschluss wieder deutlich von ihr absetzen.


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