Wöchentliche Marktberichte

Sep 28, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EU-Notfallpläne für einen No-Deal-Brexit

USD

EUR USD (1,1640)

Der gestrige Handelstag stand ganz im Zeichen des italienischen Budgetstreits. Denn spätestens bis Mitternacht musste Italiens Regierung der EU-Kommission ihren Haushaltsplan zur Überprüfung vorlegen. Und da sich gestern früh noch keinerlei Vorzeichen ergaben, wann denn die dafür notwendige Kabinettssitzung stattfinden würde, wurden die Investoren zunehmend unruhig. Zumal allerhand Medienberichte kursierten, dass Italiens Finanzminister seinen Rücktritt angeboten habe bzw. zu diesem genötigt worden sei. Denn die Meinungen über die Höhe der Neuverschuldung zwischen dem parteilosen Giovanni Tria und der Koalition aus Lega Nord und Fünf-Sterne-Partei gingen auch gestern auseinander. Während der Finanzminister auf eine Neuverschuldung von weniger als 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bestand, schienen sich die beiden stellvertretenden Ministerpräsidenten Luigi Di Maio und Matteo Salvini auf eine deutlich höhere Neuverschuldung geeinigt zu haben. Diese Uneinigkeit hatte die Renditen italienischer Staatsanleihen zumindest anfangs nach oben getrieben und den Euro unter Druck gesetzt. Der Kursverlust hielt sich bis zum europäischen Handelsschluss mit 0,6 Prozent zwar in Grenzen, wurde aber von einigen Händlern als wesentlich größer wahrgenommen. Zumal der Euro auch auf ökonomische Daten nicht reagierte. So befand sich etwa die erste Schätzung des deutschen Konsumentenpreis-Index für September mit 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat bzw. 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr nicht nur auf dem höchsten Stand seit Herbst 2011. Sie war auch deutlich stärker als von den Ökonomen im Mittel prognostiziert ausgefallen. Aber die Gemeinschaftswährung blieb darauf ohne Reaktion. Dies ist insofern bemerkenswert, als EZB-Präsident Mario Draghi vor einigen Tagen auf eine möglicherweise deutlich anziehende Inflation in der Eurozone hingewiesen hatte und dies vielerorts als Kaufsignal für die Gemeinschaftswährung interpretiert wurde. Natürlich hatte Draghi bereits seinerzeit zum wiederholten Male darauf hingewiesen, dass die EZB über den Sommer 2019 hinweg an den niedrigen Leitzinsen festhalten werde, so dass man eigentlich auch keine Reaktion des Euro auf die deutsche Teuerung erwarten konnte.
Aber auch aus den USA gab es wenig zu vermelden, weswegen man auf den Dollar hätte setzen müssen. Das Argument einiger Händler war indes, die Befestigung des Greenback sei auf das hawkishe Statement der US-Notenbank vom Vortag zurückzuführen, weil der zunächst zögerlich reagierende Dollar Nachholbedarf gehabt hätte. Dieses Argument ist insofern etwas seltsam, als sich an den Zinserwartungen und den impliziten Wahrscheinlichkeiten für die Leitzinserhöhungen bis Ende September 2019 (vgl. CME FedWatch Tool) seit einer Woche gar nichts Wesentliches geändert hatte. Und auch das Ergebnis der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank vom Mittwoch war doch eigentlich von den Akteuren weithin erwartet worden. Von den ökonomischen Daten ist vor allen Dingen der Auftragseingang der langlebigen Wirtschaftsgüter in der Kernrate negativ aufgefallen. Auch ist die Prognose für das Wachstum im dritten Quartal – gemessen am Modell der Fed von Atlanta GDPNow – von 4,4 auf 3,8 Prozent gesunken.
Vielleicht ist der Kursrückgang des Euro auch deswegen stärker als sonst wahrgenommen worden, weil sich der Aufwärtstrend nach Unterschreiten von 1,1680/85 nunmehr deutlich verlangsamt hat und infolge der jüngsten Korrektur jetzt flacher, nämlich zwischen 1,1580/85 und 1,1830, verläuft. Daran hat auch das von Italiens Regierung gestern Nacht verabschiedete Budget mit einer Neuverschuldung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nichts geändert.

USD

USD CHF (0,9770)

Es dürfte wohl eher eine Frankenschwäche als eine Dollarstärke gewesen sein, die den Greenback gestern weiter nach oben trieb. Die Bewegung ist wahrscheinlich vor allen Dingen deswegen so heftig ausgefallen, weil sie viele Akteure überrascht haben dürfte. Denn es gibt weder stichhaltige Argumente für die gestrige Dollarstärke noch Zeichen einer hohen Risikofreude, die die Frankenschwäche rechtfertigen würde. Zumal die Abschwächung der schweizerischen Währung noch vor Beendigung der Haushaltsgespräche in Italien stattgefunden hatte. Auch wenn wir dem Dollar eher eine Shortsqueeze als einen nachhaltigen Aufwärtstrend attestieren, kann sich der derzeitige Impuls bis auf 0,9865 fortsetzen. Zumindest, solange die weit entfernte Unterstützung bei 0,9630 nicht unterlaufen wird.

GBP

EUR GBP (0,8900)

In Sachen Brexit bleibt es spannend. Einem Bericht der britischen "Times" zufolge, sollen sich gestern EU-Botschafter zu einem streng geheim gehaltenen Treffen verabredet haben, um erstmals über explizite Notfallpläne für den Fall eines "No-Deal-Brexit" zu beraten. Die Gespräche seien notwendig geworden, nachdem die während des Labour-Parteitags zu Anfang der Woche gefassten Beschlüsse deutlich gemacht hätten, dass die Unsicherheit in Sachen Brexit-Abkommen gestiegen ist. Denn es sieht so aus, als werde Labour praktisch jeden Vorschlag der Premierministerin zu einem Brexit-Abkommen ablehnen. Das kolportierte Treffen der EU-Botschafter findet also noch vor dem für heute anberaumten Treffen zwischen EU-Chefunterhändler Michel Barnier und Labour-Chef Jeremy Corbyn statt. Ein Treffen, das übrigens nicht nur bei den konservativen Torys Befürchtungen schürt, die Opposition könne mit der EU womöglich hinter dem Rücken der Regierung gegen diese zusammenarbeiten. Allerdings könnten diese Sorgen zu dem positiven Effekt führen, dass die wegen des Brexit-Abkommens in sich zerstrittenen Konservativen wieder näher zusammenrücken. Per Saldo hat Sterling auch gestern leicht von diesem Szenario profitiert, wodurch der Euro abermals einen kleinen Verlust zeitigte. Das Geschehen spielt sich aber nach wie vor innerhalb der Konsolidierungszone zwischen 0,8850 und 0,9100 ab.

EUR

EUR CHF (1,1370)

Die Entwicklung des Schweizer Franken spiegelt eigentlich recht gut die gestrige Gemengelage wegen der unsicheren Budget-Situation in Italien wider. War der Franken anfangs zeitweise stark gesucht und der Euro deswegen vorübergehend deutlich zurückgefallen, gab es später eine heftige Gegenbewegung und etliche Stopp-Loss-Rückkäufe, die den Euro im Anschluss sogar die Obergrenze seiner Konsolidierung bei 1,1390/95 durchbrechen ließen. Damit hat sich die Gemeinschaftswährung weiter stabilisiert und dürfte oberhalb von 1,1335 eine gewisse Robustheit beibehalten. Dennoch möchten wir erst jemseits von 1,1440/45 einen neuen Aufwärtstrend ausrufen.

PLN

EUR PLN (4,2640)

Ohne neue ökonomische Daten ist der Euro gestern wieder unter Druck geraten und hat gegenüber dem Zloty die Untergrenze seiner Konsolidierung zwischen 4,2600 und 4,3420 getestet. Nach wie vor rechnen wir allerdings frühestens nach Unterlaufen von 4,2440 mit einem neuen Abwärtstrend des Euro.


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