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Wöchentliche Marktberichte

Sep 26, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Relativierung ohne Folgen

USD

EUR USD (1,1760)

Wie so oft vor wichtigen Notenbanksitzungen verlief das Handelsgeschehen gestern in überschaubaren Bahnen. Dabei hätte es den Euro durchaus etwas stärker durchschütteln können. Denn EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hielt bei einer Konferenz in London insofern eine interessante Rede, als er das Statement von EZB-Präsident Mario Draghi vom Vortag relativierte. Dieses war von vielen Akteuren als überraschend falkenhaft interpretiert worden, Praet aber erklärte nun, dass in Draghis Rede nichts Neues zu entdecken sei. Dabei hatte sich der EZB- Präsident in Sachen Eurozonen-Inflation recht deutlich geäußert, denn er erwartet, dass diese relativ stark anziehen wird. Interessanterweise hielt sich die Reaktion der Akteure auf die Stellungnahme des EZB-Chefvolkswirts in Grenzen. Hatten Draghis Worte am Montag noch für einen recht kräftigen, wenn auch nur vorübergehenden Aufwärts-Impuls beim Euro gesorgt, gab es gestern kein vergleichbares Nachgeben des Wechselkurses.
Interessanterweise hätten die gestern publizierten US-Daten durchaus für eine Befestigung des Dollar sorgen können. So war etwa das US-Verbrauchervertrauen (Conference Board) im September wie auch bereits im Vormonat ausgesprochen und in den Unterbereichen jeweils gut ausgefallen und markierte sogar den höchsten Stand seit 18 Jahren.
Aber vielleicht sind die Reaktionen angesichts der heute endenden Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank eher verhalten geblieben. Auch wenn eine Erhöhung des Leitzinses um 25 Basispunkte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erwartet und auch ein vierter Zinsschritt in diesem Jahr mit einer impliziten Wahrscheinlichkeit von rund 83 Prozent berechnet wird (vgl. CME FedWatch Tool), dürften insbesondere die Einschätzungen der Marktteilnehmer nach diesem Treffen interessant sein. Denn man kann durchaus davon ausgehen, dass die Fed auch im kommenden Jahr die Zinsen schrittweise weiter anheben wird. Zumindest sprechen die Äußerungen einiger Mitglieder des Offenmarktausschusses vor der am 15. September begonnenen Schweigeperiode der Notenbanksitzung für eine derartige Entwicklung. Denn es waren zuletzt gerade Zinstauben, die sich mit durchaus falkenhaften Statements zu Wort meldeten. Exemplarisch dafür war eine Rede von Lael Brainard, einer Fed-Gouverneurin, die als besonders „dovish“ eingestellt gilt. Sie hielt zuletzt sogar weitere Zinserhöhungen wegen des konjunkturellen Auftriebs, der vor allem auf die US-Steuerreform zurückgehe, für angemessen. Und so behält der Euro sein Aufwärtspotenzial bei, das nunmehr mit 1,1860/65 bzw. 1,1925 etwas höher liegt. Allerdings nur solange, wie an der Unterseite 1,1675/80 nicht verletzt wird.

USD

USD CHF (0,9645)

Positive Konjunkturdaten aus den USA (vergleiche EUR USD) und auch positive Konjunkturaussichten haben den Dollar gegenüber dem Franken gestern nur zeitweise vorangebracht. Immerhin kann der Stabilisierungspunkt im Rahmen des derzeitigen Abwärtstrends nun deutlich auf 0,9680/85 gesenkt werden. Solange dieses Niveau allerdings nicht überwunden wird, bleibt das Risiko an der Unterseite bis 0,9490 bestehen.

GBP

EUR GBP (0,8925)

Auch gegenüber Sterling verbrachte der Euro gestern einen vergleichsweise ruhigen Tag. Immerhin hat das Mitglied des Geldpolitischen Rates der Bank of England, Gertjan Vlieghe, bei seiner gestrigen Rede mit der Annahme, dass ein oder zwei Zinserhöhungen pro Jahr für das Vereinigte Königreich wohl angemessen wären, sofern Löhne und Produktivitätswachstum Fahrt aufnehmen würden, im Großen und Ganzen der Linie der BoE und der ihres Chefs Mark Carney entsprochen. Dieser hatte zuletzt von schrittweisen Zinserhöhungen (ein Schritt von 25 Basispunkten pro Jahr) gesprochen. Allerdings gehen sowohl Vlieghe als auch Carney bei ihren Annahmen von einem störungsfreien Brexit aus. Dass es diesen tatsächlich geben könnte, wird nach Angaben von Beobachtern indes immer fraglicher. Denn auf dem derzeit stattfindenden Labour-Parteitag in Liverpool wurde gestern deutlich, dass kein von Theresa May ins Unterhaus eingebrachter Trennungsvorschlag – sofern er nicht ohne Wenn und Aber die Vorgaben von Labour erfüllt – eine Zustimmung bekommen würde. Dies ist per se keine Überraschung. Doch scheint die Labour-Opposition in Grundfragen zum Brexit alles andere als einig. Dennoch: Der Erfolgsdruck, der angesichts des am Sonntag beginnenden Parteitags der Torys auf der Premierministerin lastet, ist immens. Unterdessen schwächte sich der Euro innerhalb seiner großen Konsolidierung zwischen 0,8850 und 0,9100 noch einmal ein wenig ab.

CHF

EUR CHF (1,1350)

Interessant ist die Entwicklung des Schweizer Franken, der in den vergangenen Wochen vor allen Dingen dann gesucht war, wenn es bei den Haushaltsgesprächen in Italien nicht so recht vorangehen wollte. Nun schien sich gestern Medienberichten zufolge eine Einigung im italienischen Budget-Streit anzubahnen, weswegen sich die Renditen italienischer Staatsanleihen etwas zurückbildeten. Und so schwächte sich auch der Franken ab. Und zwar mit der Folge, dass die Gemeinschaftswährung bis zum Ende der europäischen Handelssitzung gegenüber dem Franken einen bemerkenswerten Gewinn von zeitweise 1,4 Prozent innerhalb von zwei Handelstagen verbuchen konnte. Bliebe es bis Freitag dabei, würde dies nicht nur den größten Wochengewinn des Euro gegenüber dem Franken seit über einem halben Jahr bedeuten. Darüber hinaus würde auch das Fundament für eine deutliche Bremse des seit Mitte Mai zum Leidwesen der Schweizerischen Nationalbank wieder erstarkten Franken geschaffen. Und so hat der Euro fast das obere Ende seiner Seitwärtszone zwischen 1,1180 und 1,1385/90 getestet.

PLN

EUR PLN (4,2850)

Dass die polnische Arbeitslosenquote gestern geringfügig niedriger als erwartet ausgefallen war, hat sich auf das Handelsgeschehen beim Zloty kaum ausgewirkt. Tatsächlich gab es beim Euro recht wenig Bewegung, so dass das Währungspaar wieder unter die Mitte seiner Konsolidierung zwischen 4,2600 und 4,3420 abrutschte.


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