Wöchentliche Marktberichte

Sep 20, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Nur die Hoffnung als Souvenir aus Salzburg 

USD

EUR USD (1,1680)

Gestern schrieben wir an dieser Stelle von der deutlichen Asymmetrie bei den Güterimporten, die China und die USA jeweils theoretisch mit Strafzöllen belegen könnten. Gemessen an der Handelsbilanz zwischen beiden Staaten für das Jahr 2017 würde sich für die USA ein Volumen von 505 Milliarden USD, für China indes nur eines von 130 Milliarden USD ergeben. Und diese Kluft wird für 2018 sogar noch größer sein. Theoretisch könnte China dieses Missverhältnis etwa durch eine Abwertung des Yuan leicht verbessern. Denn ein deutlich schwächerer Yuan könnte die durch die Strafzölle verschlechterte Wettbewerbssituation Chinas zumindest teilweise wieder ausgleichen. Kein Wunder, dass die Trump-Administration China immer wieder mehr oder weniger deutlich der Wechselkursmanipulation beschuldigt, allerdings ohne dabei das Reich der Mitte offiziell als Währungsmanipulator zu klassifizieren. Allerdings widersprach gestern Chinas Premier, Derartiges im Sinne zu haben. China beabsichtige nicht, wie immer wieder behauptet werde, seine Währung zu abwerten. Denn eine solche einseitige Abwertung würde der chinesischen Wirtschaft mehr schaden als nutzen, so Li Keqiang. Tatsächlich hat die chinesische Währung gegenüber dem US-Dollar seit Beginn des zweiten Quartals in diesem Jahr bereits über 8 Prozent an Wert verloren, wobei China bei dieser Entwicklung wahrscheinlich sogar noch dagegengehalten hat. Denn, fundamental betrachtet, gab es ohnehin genügend Gründe für eine Abwertung des Yuan. Umso mehr bleibt die Unsicherheit bei den Händlern, welche Maßnahmen China ansonsten noch ergreifen könnte, um den USA angemessen Paroli bieten zu können.
Auf jeden Fall tun sich die Akteure derzeit schwer, sich hinsichtlich des Euro stärker (auf der Long-Seite) zu positionieren. Denn die Gemeinschaftswährung zeigte zuletzt Schwierigkeiten, auch nur einen kleinen Widerstand bei 1,1730 überhaupt in Angriff zu nehmen. Allerdings – und davon ist weniger die Rede – hat der Euro das erste Nachfrageniveau an der Unterseite genauso wenig durchbrochen. Betrachtet man derweil die Positionierungen mittelfristig orientierter Akteure, so ist, wie unser verhaltensorientiertes Modell aufzeigt, der wahrscheinliche mittlere Einstandspreis dieser Engagements mit 1,1620 gar nicht einmal so weit vom aktuellen Kursniveau entfernt. Mit anderen Worten: Es dürfte zumindest bei diesen Marktteilnehmern keine großen Schieflagen geben, die einen starken Trend loszutreten vermöchten. Und so hat der Euro auch am vierten Tag hintereinander keinen Durchbruch an der Oberseite erreichen können. Wir haben dennoch die nächsten Stationen des derzeitigen langsamen Aufwärtstrends bei 1,1795/00 und 1,1850 nicht aus den Augen verloren. Das Ganze unter der Voraussetzung, dass nun an der Unterseite 1,1595 nicht mehr unterschritten wird.

USD

USD CHF (0,9665)

Der Dollar hat sich gestern zwar temporär befestigt, fiel aber am Ende des Tages wieder deutlich zurück, ohne dass wesentliche ökonomische Auslöser dafür auszumachen gewesen wären. Nach wie vor bleibt der Dollar damit in seinem Abwärtstrend, der allerdings immer noch wenig Dynamik aufweist und an der Unterseite zunächst bis 0,9585 reicht. Der Stabilisierungspunkt liegt nun etwas niedriger bei 0,9730.

GBP

EUR GBP (0,8880)

Der gestrige Handelstag gestaltete sich für Pfund-Händler relativ hektisch. Zunächst konnte Sterling zulegen, da sich die britischen Verbraucherpreise deutlich stärker als erwartet befestigt hatten. Dies gilt für den Konsumentenpreisindex, der gegenüber dem Vorjahr um 2,7, aber auch für die Kernrate, die in der gleichen Zeit um 2,1 Prozent angezogen hatte. Auch die Einzelhandelspreise überraschten mit einem Plus von 3,5 Prozent die Ökonomen an der Oberseite. Schlechte Nachrichten also für die britischen Arbeitnehmer, deren Löhne kaum mit der Inflation mithalten können. Eine kalte Dusche gab es dann für das britische Pfund, als die Meldung durchsickerte, die britische Premierministerin Theresa May werde ein verbessertes Angebot der EU hinsichtlich der irischen Grenzproblematik zurückweisen. Eine Nachricht, die ganz im Gegensatz zum Optimismus der Premierministerin vom Dienstagabend stand, als sie noch in einem Interview mit dem „Daily Express“ äußerte, dass über die Brexit-Vereinbarung praktisch Einigkeit erzielt worden sei. Gut möglich, dass die Premierministerin ganz einfach nur „etwas“ – und wenn es auch nur der Optimismus ist – vom informellen Gipfel mit den EU-Staats- und Regierungschefs aus Salzburg zurückbringen wollte. Und so kehrt der Euro wieder auf seine gestrige Ausgangsposition zurück, ohne den ohnehin moderaten Abwärtstrend in Richtung 0,8825 weiter zu befeuern. Unterdessen liegt der Stabilisierungspunkt bei 0,8955.

EUR

EUR CHF (1,1300)

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat gestern überraschend seine Wachstumsvorhersage für das laufende Jahr von 2,4 auf 2,9 Prozent angehoben, allerdings die Prognose für 2019 bei 2,0 Prozent belassen. Indes: Mit diesen Prognosen geht eine Warnung einher, dass ein zu starker Franken das Wachstum dämpfen könne. Allerdings haben die Vorhersagen den Franken nicht beeinflusst. Genauso wenig wie die heute stattfindende Sitzung der Schweizerischen Nationalbank. Stattdessen hat der Euro gestern, wie von uns beschrieben, einen deutlichen Satz in Richtung seines Stabilisierungspunktes bei 1,1335 gemacht und sich diesem zeitweise bis auf zehn Stellen angenähert. Im großen Bild bleibt die Gemeinschaftswährung innerhalb ihrer breiten Seitwärtszone zwischen 1,1180 und 1,1390/95 (modifiziert).

PLN

EUR PLN (4,2900)

Die gestrigen polnischen Wirtschaftsdaten (Produzentenpreisindex, Industrieproduktion) hatten praktisch keinen Einfluss auf den Zloty. Per Saldo hat sich der Euro abermals geringfügig abgeschwächt, verbleibt aber in seiner Konsolidierungszone zwischen 4,2600 und 4,3420.


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