Wöchentliche Marktberichte

Sep 12, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

UK: Mark Carney macht weiter

USD

EUR USD (1,1590)

Bemerkenswert ist, wie sehr auch gestern der Devisenhandel durch Risikofreude und -aversion der Akteure bestimmt wurde. So scheinen viele der derzeit kurzfristigen Bewegungen des Euro anders gar nicht erklärbar zu sein. Natürlich könnte man die gestrige anfängliche positive Stimmung mit den zunächst weiter gefallenen Renditen italienischer Staatsanleihen begründen. Aber war dieses Motiv und die damit einhergehende Risikofreude tatsächlich nicht etwas abgenutzt? Jetzt könnte man zugunsten des Euro auch noch den ZEW-Index heranziehen, der zwar mit einem negativen Vorzeichen versehen war, aber dann doch nicht so schlecht wie befürchtet ausfiel. Aber auch damit tut man sich schwer, vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass dieser Index häufig nur ein Abbild der Stimmung an den Aktienmärkten ist. Und dann kam ja plötzlich diese eine Schlagzeile, die die gute Stimmung für den Euro verderben sollte. Es war die Meldung, dass China bei der Welthandelsorganisation WTO Sanktionen gegen die USA beantragen wolle, weil diese gegen Anti-Dumping-Vorschriften verstießen. Natürlich kann man diese Meldung als Eskalation im Handelsstreit mit den USA und als Dollar-Kaufargument einstufen. Aber interessanterweise entstand der größte Druck auf den Euro gestern zu einem Zeitpunkt, als die europäischen Aktienmärkte gerade den tiefsten Punkt des Tages markiert hatten. Während man also im Devisenhandel von plötzlich aufgekommener Risikoaversion sprach – sichtbar auch an den Kurssteigerungen der typischen Flucht-Währungen Yen und Franken –, müssen Börsianer ganz schön mutig gewesen sein.
Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Risikowahrnehmung der Akteure als nachträgliche Begründung für kurzfristige Kursentwicklungen herangezogen wird. Zumal sich die Ausschläge des Euro ohnehin immer noch in überschaubaren Bahnen abspielen. Dies ist, wie wir gestern schon erwähnten, ein Hinweis darauf, dass der Euro-Handel derzeit kaum von mittelfristig orientierten Akteuren beherrscht wird. Dafür spricht nicht nur das gestern erwähnte verhaltensorientierte Modell, das den durchschnittlichen Einstandspreis der Positionen mittelfristig orientierter Akteure bei 1,1605 berechnet hat. Auch der rechnerische Mittelkurs des Euro während der vergangenen drei Monate hat sich seit vier Wochen kaum mehr verändert und befindet sich derzeit etwa bei 1,1620. Mit anderen Worten: Der Handel wird von kurzfristig agierenden Akteuren beherrscht, deren Stimmung genauso schnell wie die zugrunde liegenden Positionen wechseln.
Unter den ökonomischen Daten von gestern dürfte allein der neue Rekord beim Optimismus kleiner Unternehmen in den USA (NFIB) – normalerweise nicht marktbewegend – den Akteuren aufgefallen sein. Aber der Dollar konnte davon nur kurzfristig profitieren. Damit blieb der Euro auch gestern in seiner Konsolidierung/Korrektur seines übergeordneten Aufwärtstrends zwischen 1,1465/70 und (an der Obergrenze leicht erhöht) 1,1660/65.

USD

USD CHF (0,9740)

Der Dollar verharrte gestern gerade einmal in einer Bandbreite von rund 40 Stellen, blieb aber gegenüber dem Franken innerhalb seiner kurzfristigen Konsolidierung zwischen 0,9635/40 und 0,9760/65, deren Obergrenze gestern abermals getestet wurde.

GBP

EUR GBP (0,8915)

Auch gestern schienen Pfund-Händler für gute Nachrichten sehr offen zu sein. Und die wollen derzeit nicht enden. So stach unter den gestern veröffentlichten ökonomischen Daten die Entwicklung der durchschnittlichen Wochenlöhne heraus, deren Dreimonatsdurchschnitt per Juli gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent stärker als erwartet (+2,4 Prozent) ausfiel. Allerdings enttäuschten die Daten zum Arbeitsmarkt ein wenig. Auch wenn die Bank of England deswegen bei ihrer Sitzung am morgigen Donnerstag nicht den Leitzins erhöhen dürfte, hatten Sterling-Fans dennoch Grund zur Freude. Denn der britische Schatzkanzler Philip Hammond verkündete gestern, dass BoE-Chef Mark Carney seine Amtszeit nun tatsächlich bis Ende Januar 2020 verlängern wird, um die Bank durch eine möglicherweise turbulente ökonomische Periode im Anschluss an den Brexit zu führen. Sterling hat aber auch von der zuletzt positiven Stimmung wegen eines möglicherweise schon bald abgeschlossenen Deals zwischen Großbritannien und der EU profitiert. Auch wenn überhaupt noch nicht klar ist, wie mit diesem Deal tatsächlich bestehende Hindernisse überwunden werden können. Allerdings gab es einen positiv stimmenden Artikel in der Financial Times, wonach sich die sogenannten konservativen Brexiteers offenbar nicht auf eine Alternative zum von ihnen zuvor heftig kritisierten, sogenannten Chequers-Plan der Premierministerin Theresa May haben einigen können. Am Ende hat sich Sterling gestern zwar nicht wesentlich und auch nicht ohne stärkere Gegenbewegung befestigt. Dabei hat der Euro die Untergrenze seiner Konsolidierung zwischen 0,8880 und 0,9100 allerdings nur knapp verteidigen können. Doch ist aus heutiger Sicht fraglich, ob selbst nach Unterlaufen von 0,8880 sogleich – wie ursprünglich gedacht – ein stärkerer Abwärtstrend in Richtung 0,8790 losgetreten würde.

EUR

EUR CHF (1,1290)

Zwar hat der Euro gestern nach Überschreiten von 1,1320 eine gewisse Stabilisierung erreicht, aber die Risikofreude der Akteure wurde schon bald im Keim erstickt. In der Folge drehte der Euro – zum gleichen Zeitpunkt wie gegenüber der anderen Fluchtwährung, dem japanischen Yen – und verlor temporär wieder deutlich an Boden. Per Saldo bleibt der Euro oberhalb von 1,1240 stabil, bewegt sich ansonsten aber nunmehr in einer breit angelegten Seitwärtszone zwischen 1,1180 und 1,1415.

PLN

EUR PLN (4,3050)

Auch gestern zeigte sich der Euro gegenüber dem Zloty wenig bewegt und blieb deswegen an seinem ersten größeren Nachfrageniveau bei 4,3000 bislang hängen. Die Gemeinschaftswährung behauptet sich somit weiterhin innerhalb ihrer Konsolidierung, die zwischen 4,2645 und 4,3420 verläuft.


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