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Wöchentliche Marktberichte

Sep 11, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Die Sache mit der Risikofreude

USD

EUR USD (1,1600)

Bis gestern am frühen Vormittag schien für die Devisenhändler eigentlich alles recht klar zu sein. Es gab den US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag, bei dem vor allen Dingen die gestiegenen Löhne für viele Händler nur einen Schluss zuließen: In diesem Jahr wird es aller Wahrscheinlichkeit nach noch zwei weitere Zinsschritte in den USA geben. Doch mit einem Male schlug dann die Stimmung schlagartig um und der Euro setzte, nachdem er an der Unterseite wieder einmal unsere Unterstützung und das Tief der Vorwoche bei 1,1525 nicht unterlaufen konnte, zu einem eindrucksvollen Höhenflug an. Dass zeitgleich die typischen Fluchtwährungen Yen und Schweizer Franken (vgl. unten) ebenfalls umdrehten, wurde mit dem typischen Argument wiederkehrender Risikofreude begründet. Tatsächlich zeigt die impulsartige Reaktion des Euro, dass viele Akteure offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden waren.
Wo her kam also die angebliche Risikofreude? Tatsächlich war etwa das Wirtschaftswachstum in der Türkei mit einem Plus von 5,2 Prozent in Q2/2018 gegenüber dem Vorjahresquartal immerhin in etwa wie von den Ökonomen prognostiziert ausgefallen. Aber die türkische Lira konnte die höchsten Kurse der vergangenen Woche gegenüber Dollar und Euro vermutlich auch deswegen nicht überbieten, weil der größte Teil der jüngsten Lira-Abwertung erst im dritten Quartal bei den Wachstumszahlen zum Tragen kommen dürfte – die Lira hat alleine seit Mitte des Jahres gegenüber dem Greenback noch einmal knapp 29 Prozent ihres Wertes verloren. Natürlich kann man auf einige Emerging-Markets-Währungen verweisen, die gestern keine neuen Tiefststände markierten. Dies galt aber nicht für den russischen Rubel, der gegenüber dem Dollar gegen den Trend auf den tiefsten Stand des Jahres fiel.
Glücklicherweise gab es ja noch die italienischen Anleiherenditen, die gestern noch einmal (zum fünften Mal hintereinander) gefallen waren. Aber damit eine neu aufgekommene Risikofreude der Akteure zu begründen, fällt doch etwas schwer. Zwar hat der italienische Finanzminister Giovanni Tria abermals betont, die Neuverschuldung Italiens werde mit etwa 1,5 bis 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Rahmen der EU-Neuverschuldungsgrenze bleiben, aber dies war weder eine Neuigkeit noch Überraschung.
Tatsächlich vermuten wir, dass es beim Euro gestern eine sogenannte Short-squeeze gegeben hat. Ohnehin ist davon auszugehen, dass Euro-Shortpositionen derzeit eher kurzfristiger Natur sein dürften. Denn unser verhaltensorientiertes Modell berechnet derzeit einen durchschnittlichen Einstandspreis mittelfristiger Engagements von 1,1605, also unweit des gestrigen Schlusskurs-Niveaus des Euro. Mit anderen Worten: Es dürfte derzeit weder große mittelfristige Positionen noch massive Schieflagen mit diesem Handelshorizont geben. Damit bleibt der Euro immer noch in der Konsolidierung/Korrektur seines übergeordneten Aufwärtstrends, der nun bereits nach Überwinden von 1,1655 wieder aufgenommen werden kann. Die untere Grenze für die derzeitigen Korrekturen liegt nunmehr tiefer bei 1,1465/70.

USD

USD CHF (0,9740)

Auch der US-Dollar hat gestern vom schwachen Franken profitiert, weswegen der Greenback nun der Obergrenze seiner kurzfristigen Konsolidierung zwischen 0,9635/40 und 0,9760/65 ziemlich nahegekommen ist. Jenseits der oberen Begrenzung würde der USD sogar seinen kurzfristigen Abwärtstrend verlassen.

GBP

EUR GBP (0,8900)

Gestern genügte ein einziger Zeitplan für ein Brexit-Abkommen, um Sterling-Liebhaber zum Zuge kommen zu lassen. Die Rede ist jetzt von einem Brexit-Sondergipfel, wahrscheinlich am 13. November, der nach einem Bericht des britischen „Guardian“ in der kommenden Woche bei einem Treffen der EU-Regierungschefs in Salzburg angekündigt werden soll. Allerdings dürfte EU-Chefunterhändler Michel Barnier entgegen zunächst anderslautender Medienberichte keine neuen Vorgaben für die Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich erhalten. Bereits zuvor hatte Barnier mit der Ankündigung, ein Abkommen sei innerhalb von acht Wochen "realistisch" und "möglich", für eine gewisse Pfund-Euphorie gesorgt. Aber es gab auch einen anderen Grund für die gestrige Pfund-Befestigung. Denn das britische Wachstum ist im Juli mit einem Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat stärker als erwartet ausgefallen. Damit ist auch der gleitende Dreimonatsdurchschnitt des Bruttoinlandsprodukts auf +0,6 Prozent gestiegen. Unterdessen wurde der Euro gestern an die Untergrenze seiner derzeitigen Konsolidierung (Obergrenze 0,9100) gedrückt, die wir zumindest für heute etwas niedriger bei 0,8880 ansetzen. Unterhalb davon würde ein Abwärtstrend des Euro in Richtung 0,8790 eingeleitet werden.

EUR

EUR CHF (1,1300)

Das Schweizer Dörfchen Rheinau besteht aus 1300 Einwohnern und hat sich nun gestern für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens von 2500 Franken pro Monat entschieden – zumindest für die Dauer von einem Jahr soll dieses Experiment durchgeführt werden. Die Entscheidung kommt etwa zwei Jahre, nachdem ein ähnlicher Vorschlag bei einem Referendum auf landesweiter Ebene nicht die erforderliche Mehrheit erhalten hatte. Nun muss nur noch das erforderliche Geld für die Finanzierung des Projektes (vermutlich 3 bis 5 Mio. Franken) eingesammelt werden. Allerdings dürfte das Projekt nicht der Grund für die gestrige Frankenschwäche gewesen sein. Vielmehr führten Händler die heftige Euro-Korrektur auf gestiegene Risikofreude zurück, zumal die andere Fluchtwährung in solchen Fällen, der japanische Yen, gestern ebenfalls schlagartig an Wert verlor. Auch wurde hier und da von einer möglichen Intervention der Schweizerischen Nationalbank zugunsten des Euro gemunkelt. Unterdessen hat der Euro gestern kurz vor seinem Stabilisierungsniveau bei 1,1320 Halt gemacht, nachdem er zuvor beinahe seinen Potenzialpunkt bei 1,1170 an der Unterseite erreicht hatte.

PLN

EUR PLN (4,3100)

Der Zloty-Handel verlief gestern in relativ ruhigen Bahnen und schloss etwa auf dem Niveau vom vergangenen Freitag. Der Euro bleibt weiter innerhalb seiner breiten Konsolidierung, die zwischen 4,2645 und 4,3420 verläuft.


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