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Wöchentliche Marktberichte

Sep 10, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

US-Zinserhöhung unter Dach und Fach

USD

EUR USD (1,1545)

Dass das Euroland-Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent gestiegen war (Revision), ließ Händler völlig kalt. Auch die tendenziell schwachen Daten zur Entwicklung der deutschen Industrie, die ein moderates Wachstum im dritten Quartal prophezeiten, vermochten Marktteilnehmer kaum von ihrer Konzentration auf die am Nachmittag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten abzulenken. Aus Sicht der Akteure lohnte es sich tatsächlich, auf die Job-Zahlen zu warten, denn sie fielen wieder einmal gut aus und beeindruckten vor allem in Bezug auf das Lohnwachstum. US-Gehälter stiegen im Vorjahresvergleich um 2,9 Prozent. Der stärkste Anstieg seit Mitte 2009 führte bei den meisten Händlern zur gleichen Spontanreaktion: US-Dollar kaufen. Denn man muss kein Ökonom sein, um zu wissen: Haben US-Verbraucher erst einmal mehr Geld in der Tasche, gelangt dieses in der Regel direkt in den Konsum, was wiederum die Aussicht auf weiteres Wachstum schürt. Insofern war auch eine andere Reaktion des Handels nachvollziehbar: Am Bondmarkt herrscht nun beinahe absolute Gewissheit (99 Prozent), dass es bei der nächsten Fed-Zinssitzung am 26. September zu einer Zinserhöhung kommen wird. Auch der Wert für den Mitte Dezember anstehenden Zinsentscheid liegt mittlerweile deutlich höher, bei nunmehr fast 80 Prozent (vgl. CME FedWatch Tool).
Der US-Wirtschaftsboom geht munter weiter, dürfte sich vermutlich auch Fed-Mitglied Eric Rosengren während seines Interviews beim Sender CNBC gedacht haben. Rosengren schien sich von der allgemeinen Begeisterung über die andauernde Stärke aber offensichtlich nicht beeindrucken zu lassen. Er machte deutlich, dass das Wachstum irgendwann auch wieder abflauen werde. Dieses Szenario vor Augen, sprach der Chef der Boston-Fed das aus, worüber andere lieber noch gar nicht nachdenken wollen: die nächste Rezession. Seine Analyse wird Wachstums-Fans daher nicht gefallen haben. Die USA, so Rosengren, seien geldpolitisch noch nicht genügend auf ein Rezessions-Szenario vorbereitet. Natürlich möchten sich Politiker in Boom-Zeiten eher mit den positiven Ergebnissen schmücken, statt das R-Wort zu bemühen oder sich gar mit Vorsorgemaßnahmen zu beschäftigen. Rosengren ist in dieser Beziehung anders. Weitsichtig rät der Notenbanker dazu, den Leitzins schrittweise anzuheben, bis dieser irgendwann spürbar Einfluss auf das Wachstum nimmt, um dann ausreichend Handlungsspielraum für eventuelle Gegenmaßnahmen zu haben. Ob sein vorbildlicher Ansatz im Offenmarktausschuss (FOMC) jedoch Gehör finden wird, bleibt abzuwarten; denn Rosengren hat dieses Jahr im FOMC kein Stimmrecht.
Die verhaltenen Daten aus der Eurozone und die starken US-Jobzahlen spiegelten sich am Freitag im Wechselkurs wider. Der Euro wurde vom Dollar zusammengestaucht und in die Nähe der Unterkante seiner kurzfristigen Konsolidierung (1,1480/85) gedrückt. Es bedarf nach wie vor eines Überwindens der 1,1680/85er Hürde, um den übergeordneten Aufwärtstrend fortsetzen zu können.

USD

USD CHF (0,9695)

Das Kräftemessen zwischen US-Dollar (guter Arbeitsmarktbericht) und Franken (starke Wachstumszahlen) entschied der Greenback am Freitag am Ende für sich. Am Morgen tauchte er zwar kurz auf das niedrigste Kursniveau seit Mitte April ab, wechselte dann aber die Richtung und schloss nahe der 0,97er Marke. Alles deutet nun auf eine kurzfristige Konsolidierung hin, die zwischen 0,9635 und 0,9760 verläuft. Jenseits der oberen Begrenzung würde der USD seinen kurzfristigen Abwärtstrend verlassen.

GBP

EUR GBP (0,8940)

In zwei Worten fasste EU-Chefunterhändler Michel Barnier am Freitag unmissverständlich zusammen, was er vom zentralen Element des jüngsten britischen Brexit-Plans hält: "Nicht akzeptabel!". Dies ging zumindest aus der veröffentlichten Abschrift eines Treffens mit britischen Parlamentariern hervor. Das deutliche Statement dürfte bei EU-Hardlinern bestimmt Gefallen gefunden haben. Allerdings mehren sich auch innerhalb der Europäischen Union kritische Stimmen, die sich über den Tag eins nach dem Brexit Sorgen machen. Sollte nämlich der Fall eintreten, dass bis dahin keine Lösung gefunden wurde und am Ende der Warenverkehr zum Stillstand käme, wäre daran nicht alleine Großbritannien schuld. Auch die EU-Kommission hätte dann in ihrer Rolle als Verhandlungsführerin versagt, gaben Kommentatoren zu bedenken. Als hätte die Kritik bei Händlern umgehend Gehör gefunden, fiel der Euro am Freitag. Der Kursverfall stoppte jedoch kurz vor der Unterkante seiner Konsolidierung, die nach wie vor zwischen 0,8890 und 0,9100 verläuft.

EUR

EUR CHF (1,1200)

Die Schweizer Wirtschaft gehört zu den wenigen, die dem starken US-Wachstum in nichts nachstehen. Vor allem ließ sich der Export-Boom der Eidgenossen nicht vom Handelskonfliktschatten, der den Welthandel in den vergangenen Monaten überlagert, beeinträchtigen, wie die Wachstumszahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft am Freitag eindrucksvoll unter Beweis stellten. Das Schweizer BIP liegt seit fünf Quartalen in Folge deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt. Mit diesen Zahlen im Rücken war es für den Franken ein Leichtes, den Abwärtstrend des Euro weiter voranzutreiben. Verluste in Richtung 1,1170 und 1,1110 sind nach wie vor wahrscheinlich. Das Stabilisierungsniveau bleibt ebenfalls unverändert bei 1,1320.

PLN

EUR PLN (4,3130)

Die Reserven der Polnischen Nationalbank (NBP) wuchsen, nach eigenen Angaben vom vergangenen Freitag, im August um 1,4 Mrd. Euro auf 97,1 Mrd. Euro an. Größeren Einfluss auf den Devisenmarkt hatte diese Meldung allerdings nicht. Der Euro bleibt weiter innerhalb seiner breiten Konsolidierung, die zwischen 4,2645 und 4,3420 verläuft, gefangen.

HUF

EUR HUF (324,80)

Ungarns Haushaltsdefizit lag im August bei umgerechnet 557,09 Millionen USD. Das Wirtschaftsministerium ließ wissen, dass sich diese Größenordnung weiterhin mit dem Erreichen des angepeilten Defizitziels von 2,4 Prozent des Wachstums decke. Der Euro geriet am Freitag den zweiten Tag in Folge unter Druck, bleibt jedoch stabil innerhalb eines Seitwärtstrends, der zwischen 323,10 und 329,30 verläuft.


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