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Wöchentliche Marktberichte

Sep 06, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Brexit-Abkommen so nah und doch so fern

USD

EUR USD (1,1625)

Eigentlich waren die Voraussetzungen für die Akteure am gestrigen Handelstag ähnlich wie am Tag zuvor. Denn an der Emerging-Markets-Krise hatte sich nichts geändert, außer dass sich die Händler möglicherweise an Hiobsbotschaften aus dieser Ecke gewöhnt haben. Vielleicht wurde es beispielsweise für die türkische Lira auch schon als kleiner Erfolg gewertet, dass sich deren Kurs gegenüber dem Dollar nunmehr seit einer Woche nicht mehr weiter abgeschwächt hat. Und was die ab heute drohende Erweiterung der US-Strafzölle auf chinesische Importe angeht, gab es ebenfalls keine Neuigkeiten, so dass sich die Händler auch diesbezüglich an das Grundrauschen der Nachrichten gewöhnt haben könnten.
Immerhin hat sich die Abwärtsbewegung bei den Renditen italienischer Staatsanleihen auch gestern fortgesetzt. Dieser Schritt in Richtung Normalisierung war auch schon am Vortag festzustellen, kam aber wohl erst gestern richtig bei den Marktteilnehmern an. Vielleicht trug ein Statement des stellvertretenden Premierministers Luigi Di Maio zu dieser positiveren Bewertung der Italien-Risiken bei. Di Maio hatte nämlich im Vergleich zu den Vortagen offensichtlich seine Meinung geändert und gab nun ebenfalls ein Bekenntnis zur Einhaltung der Verschuldungsregeln der EU ab. Allerdings erweckte Di Maio nicht den Eindruck, als wolle er seine Vorhaben, ein Grundeinkommen für alle Bürger, eine Rentenreform oder auch Steuersenkungen, tatsächlich ad acta legen. Denn diese Maßnahmen würden die 3-prozentige Neuverschuldungsgrenze der EU mit hoher Wahrscheinlichkeit sprengen.
Schließlich war es verwunderlich, dass mancherorts sogar von zurückgekehrter Risikofreude der Akteure die Rede war, während sich an den hiesigen Aktienbörsen eine doch recht deutliche Risikoaversion breitmachte. Vielleicht aber hat die Gemeinschaftswährung ganz einfach auch von einer gewissen Dollarschwäche profitiert, möglicherweise ausgelöst durch den Chef der Fed von St. Louis. Der als Zinstaube bekannte James Bullard hatte nämlich in einem Statement signalisiert, dass die Geldpolitik der Fed bereits neutral oder gar sogar etwas restriktiv sei, so dass weitere Zinserhöhungen unnötigerweise die Risiken einer Rezession erhöhen könnten. Bullard ist zwar in diesem Jahr im Offenmarktausschuss der Fed nicht stimmberechtigt, aber sein Wort hat durchaus Gewicht. Schließlich hat der Euro die Verluste des Vortages wieder wettgemacht, bleibt aber in seinem Korrekturmodus, der derzeit den Aufwärtstrend des Euro unterbricht. Allerdings hat sich die Wahrscheinlichkeit weiterer Korrekturen deutlich verringert. Deren Spielraum reicht derzeit nur noch bis 1,1485/90. Auf der anderen Seite würde der Korrekturmodus des Euro mit Überschreiten von 1,1685 (modifiziert) beendet.

USD

USD CHF (0,9700)

Der Dollar hat sich gestern gegenüber dem Franken lediglich in einer Bandbreite von knapp 50 Stellen bewegt, kann aber seine korrektive Aufwärtsbewegung immer noch fortsetzen – diese kann bis 0,9810/15 reichen. Allerdings wäre die Korrektur bereits nach Unterlaufen von 0,9660 beendet und würde eine Fortsetzung des übergeordneten Abwärtstrends, dann in Richtung 0,9580, einleiten.

GBP

EUR GBP (0,9000)

Wilde Bewegungen gab es gestern bei Pfund Sterling zu beobachten. Sterling-Händler mögen sich an den Mittwoch vergangener Woche zurückversetzt gefühlt haben, als seinerzeit ermutigende Meldungen die Runde machten, dass sich Großbritannien und die EU bei ihren Brexit-Verhandlungen erheblich nähergekommen seien. Dies hatte sich zwischenzeitlich aber als Trugschluss erwiesen. Umso überraschter zeigte sich der Handel, als gestern erneut das Gerücht kursierte, es habe Fortschritte in Sachen Brexit gegeben. Ungenannten Quellen zufolge, die sich gegenüber Bloomberg geäußert haben sollen, wolle Deutschland, um ein Brexit-Abkommen abschließen zu können, eine Übereinkunft über die künftigen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit Großbritannien treffen, die weniger detailliert sein soll als bisher geplant. Demnach sei ein zweistufiger Brexit vorgesehen. Zuerst soll eine Trennungs-Vereinbarung sicherstellen, dass der Brexit in geordneten Bahnen verläuft. Verhandlungen über ein Handelsabkommen sollen erst aufgenommen werden, nachdem Großbritannien die EU verlassen hat. Die Idee, auf ein detailliertes Abkommen zu verzichten, ist übrigens nicht neu. Bereits Anfang August wurden schon einmal verbreitet, die EU sei bereit, wichtige Teile der Brexit-Verhandlungen unklar stehen zu lassen ("fudge"), um ein „No-deal-Szenario“ zu vermeiden.
Ihren Höhepunkt erreichte die durch widersprüchliche Schlagzeilen ausgelöste Hektik im Markt gestern jedoch erst zum Ende der europäischen Handelssitzung. Danach wurde ein Regierungssprecher von der Nachrichtenagentur Reuters mit den Worten zitiert, an der Haltung Deutschlands habe sich hinsichtlich des Brexit nicht geändert. Ob es sich dabei um ein Dementi der vorangegangenen Meldung handelte, blieb indes unklar. Aber der Euro konnte nach einem heftigen Rücksetzer gegenüber dem britischen Pfund wieder genauso schnell auf sein Ausgangsniveau zurückkehren. Trotz der hohen Volatilität blieb die Konsolidierung zwischen 0,8890 und 0,9100 unangetastet.

EUR

EUR CHF (1,1290)

Die leichte Tendenz zur Risikofreude hat sich gestern im Verhältnis des Euro zum Franken fortgesetzt. Allerdings konnte das Niveau für eine kurzfristige Stabilisierung des Euro bei 1,1315/20 nicht überwunden werden. Deswegen bleibt der Abwärtstrend der Gemeinschaftswährung erhalten, der sich unterhalb von 1,1230 wieder in Richtung 1,1170 und tiefer verstärken würde.

PLN

EUR PLN (4,3280)

Die Polnische Nationalbank hat bei ihrer gestrigen Sitzung den Leitzins bei 1,5 Prozent belassen. Dabei äußerte Zentralbankchef Adam Glapinski, er gehe davon aus, dass die Leitzinsen über das Jahr 2019 hinweg, möglicherweise sogar bis Ende 2020, unverändert bleiben könnten. Dies dürfte ein Grund dafür gewesen sein, dass der Euro gestern beinahe die Obergrenze seiner Seitwärtsbewegung bei 4,3380 getestet hätte. Die Untergrenze des Feldes liegt übrigens nach wie vor bei 4,2645.


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