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Sep 04, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Brexit-Verhandlungen: Zurück auf Los

EUR

EUR USD (1,1600)

Ja, es blieb ruhig wegen des gestrigen US-Feiertages. Tatsächlich konnte sich der Euro ein bisschen befestigen, aber die Probleme der vergangenen Tage bestehen weiterhin. Zum einen sind die Anleiherenditen in Italien kaum zurückgegangen. Dies mag damit zusammenhängen, dass Italiens Politiker mit verschiedenen Zungen sprechen. Da gibt es zum einen den parteilosen Finanzminister Giovanni Tria, der es für Italiens Haushalts bei einer Neuverschuldung von 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts belassen möchte. Dies ist in der Tat angesichts der vielen Vorhaben der Regierung schlecht vorstellbar. Immerhin äußerte sich gestern Matteo Salvini, stellvertretender Ministerpräsident (Lega Nord), der sich ein Haushaltsdefizit nahe, aber unterhalb der 3-Prozent-Neuverschuldungsgrenze vorstellen kann, die von der EU vorgegeben ist. Und dann gibt es Luigi di Maio (Fünf-Sterne-Partei), ebenfalls stellvertretender Ministerpräsident und gleichzeitig Minister für wirtschaftliche Entwicklung, der bereits im kommenden Jahr das bedingungslose Grundeinkommen für Bürger einführen möchte. Ein Vorhaben, das ganz bestimmt besagte 3-Prozent-Grenze sprengen würde. Kein Wunder, dass die Anleiherenditen Italiens immer noch in der Nähe des bisherigen Jahreshochs vom 29. Mai 2018 notieren.

Schließlich meldete sich die türkische Nationalbank zurück und kündigte „notwendige Maßnahmen“ an. Darunter kann man eigentlich nur eine deutliche Leitzinsanhebung verstehen, die nach Ansicht vieler Experten mindestens 500 Basispunkte betragen müsste, um der starken Inflation – die Verbraucherpreise sind im August gegenüber dem Vorjahr um 17,9 Prozent angestiegen – einigermaßen Herr zu werden. Maßnahmen, die allerdings ohnehin erst in der kommenden Woche, bei der Sitzung am 13. September, von der Zentralbank verkündet würden. In diesem Zusammenhang hatte Finanzminister Berat Albayrak bereits am vergangenen Sonntag in einem Interview erklärt, die Zentralbank sei unabhängig und würde alle notwendigen Schritte zur Inflationsbekämpfung unternehmen. Ob sich nun Staatspräsident Recep Erdogan, der bekanntermaßen gegen Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung ist, hinsichtlich der jüngsten Entwicklung zurückhalten wird, ist allerdings trotz der verwandtschaftlichen Bande (Finanzminister Berak Albayrak ist Erdogans Schwiegersohn) nicht sicher.

Unterdessen hat der Euro gestern seinen Aufwärtstrend fortgesetzt. Dessen Untergrenze liegt bei 1,1565. Neue Impulse können sich allerdings erst nach Überspringen von 1,1755 einstellen.

USD

USD CHF (0,9695)

Nicht einmal eine Handelsspanne von 30 Stellen produzierte der Franken gestern gegenüber dem Greenback. Dies hing natürlich mit dem gestrigen US-Feiertag zusammen. Dennoch haben sich die Eckpunkte etwas verändert, denn die Unterseite ist nun offen bis 0,9585. Allerdings ist der Stabilitätspunkt ebenfalls etwas nach unten, auf 0,9730, gerutscht.

EUR

EUR CHF (1,1260)

Gemischte Wirtschaftsdaten gab es gestern aus der Schweiz. So ist der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes mit 64,8 für August deutlich höher als erwartet (61,0) ausgefallen. Dafür enttäuschten die Einzelhandelsumsätze des Monats Juli. Allerdings hatten beide Daten keinen Einfluss auf das Kursgeschehen. Der Euro hielt sich ziemlich nahe bei seiner Unterstützung (1,1230), nach deren Unterlaufen ein Abwärtstrend in Richtung 1,1170, möglicherweise auch bis 1,1110 ausgelöst würde. Der Stabilisierungspunkt liegt heute etwas niedriger bei 1,1340. 

GBP

EUR GBP (0,9020)

Unangenehme Wende bei den Brexit-Verhandlungen. Es ging schon gestern in aller Frühe mit der neuerlichen Pfund-Schwäche los, denn Premierministerin Theresa May hatte einem zweiten Brexit-Referendum abermals eine deutliche Absage erteilt. Aber auch von der EU kamen interessanterweise viel kritischere Töne als zuvor. So zeigte sich Chefunterhändler Michel Barnier gegenüber Theresa Mays Brexit-Plänen à la Chequers ausgesprochen ablehnend. Zwar sei Barnier immer schon kritisch gegenüber den Plänen eingestellt, aber sogenannten Quellen zufolge noch nie so deutlich geworden: Ein „gemeinsames Regelwerk“, das nur für Güter, aber nicht für Dienstleistungen Gültigkeit besäße, sei nicht im Interesse der EU. Im Gegenzug äußerte Theresa May, sie werde hinsichtlich ihres Vorschlags nicht nachgeben. Damit stehen die Verhandlungen nach den optimistischen Vorzeichen aus der vergangenen Woche praktisch wieder am Ausgangspunkt, auf "Los" sozusagen. Außerdem dürfte noch erschwerend für die Pfund-Händler hinzugekommen sein, dass Mark Carney nach Angaben eines Regierungssprechers nun doch nicht über den bereits auf Mitte 2019 verschobenen Termin hinaus als Chef der Bank of England tätig sein möchte. Carney wurde nachgesagt, er könne möglicherweise noch einmal einer Verlängerung seiner Amtszeit zustimmen. Am Ende des Tages musste Sterling auch gegenüber dem Euro einen deutlichen Dämpfer hinnehmen, so dass die Gemeinschaftswährung mehr als die Hälfte der Verluste der vergangenen drei Handelstage wieder wettmachen konnte. Dabei bleibt die laufende Seitwärtsbewegung zwischen 0,8885 und 0,9100 erhalten.

PLN

EUR PLN (4,2920)

Der polnische Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes ist mit 51,4 (Markit) auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Obwohl damit nach Ansicht vieler Akteure eine Abkehr der polnischen Zentralbank von ihrer lockeren Geldpolitik sehr unwahrscheinlich ist, hat sich der Zloty gestern nicht signifikant abgeschwächt. Wir gehen weiterhin von einer breiten Seitwärtsbewegung aus, deren Grenzen mit 4,2645 (modifiziert) und 4,3380 recht weit auseinanderliegen.


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