Wöchentliche Marktberichte

Aug 31, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Im Namen der Risikoaversion

USD

EUR USD (1,1680) 

Wirtschaftsdaten scheinen derzeit keine allzu große Rolle zu spielen. Vor allen Dingen, weil sie in letzter Zeit häufig den Erwartungen entsprechen. Dies gilt auch für die gestrigen Inflationszahlen aus den USA. So bewegte sich auch der Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE) mit +2,0 Prozent im Juli gegenüber dem Vorjahr ziemlich genau auf dem Niveau, wie es Ökonomen prognostiziert hatten. Dies ist insofern von Bedeutung, als die US-Notenbank sich bei der Inflationsbeurteilung in erster Linie auf diesen Index stützt. Und deswegen ist auch die implizite Wahrscheinlichkeit für zwei weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr zuletzt erneut gestiegen (vgl. CME FedWatch Tool) – sie liegt seit kurzem wieder über 70 Prozent. Gut möglich, dass der US-Dollar von den gestrigen Zahlen profitiert hat. Zumal gleichzeitig der vorläufige harmonisierte Konsumentenpreisindex für Deutschland im August mit 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr etwas hinter den Erwartungen zurückblieb. Aber Kommentatoren sprachen eigentlich lieber über die Risikoaversion, die zurückgekehrt sei und auch den Euro gedrückt hätte. Ursächlich dafür sei die Entwicklung an den Emerging Markets, besonders in der Türkei, hieß es. Tatsächlich hat die Lira gestern weiter an Wert verloren und liegt nun im Vergleich zum 16. August, dem Tag, an dem der türkische Finanzminister eine Investoren-Telefonkonferenz einberufen hatte, gegenüber dem Dollar über 15 Prozent hinten. Gegenüber dem Euro hat die Lira sogar seither in der Spitze fast 20 Prozent an Wert eingebüßt.
        Vielleicht waren es ja auch die Renditen italienischer Staatsanleihen, die hier und da Händler wachgerüttelt haben. Denn die Rendite der zehnjährigen Papiere ist nun gestern mit in der Spitze fast 3,23 Prozent auf den zweithöchsten Stand dieses Jahres gestiegen – das bisherige Rendite-Hoch datiert vom 29. Mai, als sich die Händler panikartig von italienischen Anleihen trennten, weil die Regierungsbildung zwischen der Lega Nord und der Fünf-Sterne-Partei seinerzeit zu platzen und somit Neuwahlen drohten. Derzeit ist die Situation zwar eine andere, aber letztlich geht es um die gegensätzlichen Positionen Italiens und der EU, nicht nur in Sachen Staatsverschuldung. Trotz der gestern neu aufgekeimten Risikoaversion hat sich an der Position des Euro nicht viel geändert. Dieser kann im Rahmen seines Aufwärtstrends durchaus 1,1815 erreichen, allerdings unter der Prämisse, dass 1,1610 nicht mehr verletzt wird. Die Trenduntergrenze liegt nach wie vor bei 1,1565.

USD

USD CHF (0,9680) 

Der Greenback hat auch gestern gegenüber dem Franken an Boden verloren, konnte aber im Gegensatz zu den Vortagen das Momentum seines Abwärtstrends ein wenig verringern. Letzterer bleibt schmal und reicht derzeit bis 0,9650 bzw. 0,9615. Der Stabilitätspunkt ist unterdessen wieder ein gutes Stück gefallen und liegt nun bei 0,9760.

EUR

EUR CHF (1,1310) 

Am deutlichsten zeigt sich die neu aufgekommene Risikoaversion – vor allen Dingen im Zusammenhang mit der Entwicklung der italienischen Anleiherenditen – am Verhältnis des Euro gegenüber dem Franken. Denn die Gemeinschaftswährung kam gestern den dritten Tag hintereinander recht kräftig unter die Räder und erreichte heute früh in Fernost etwa ein Niveau von 1,1290. Zwar würden wir zumindest aus heutiger Sicht, solange die Marke 1,1230 hält, nicht von einem Abwärtstrend sprechen wollen, aber der Euro ist zumindest angeschlagen, solange er sich unterhalb von 1,1420 bewegt.

GBP

EUR GBP (0,8970) 

Der Euro hat sich am Ende des gestrigen Tages nicht nennenswert erholt und befindet sich an der unteren Begrenzung seines Aufwärtstrends bei 0,8955/60 – darunter würde die Gemeinschaftswährung wieder in eine Seitwärtsbewegung zurückfallen. Was aber hat Michel Barnier den Briten gestern eigentlich konkret angeboten? Enge Bindungen, ein "beispielloses" Handelsabkommen, aber „keinen Binnenmarkt à la carte", das versprach der EU-Chefunterhändler. Indes: In einem Interview mit dem Deutschlandfunk gestern früh klangen die von den Pfund-Händlern am Vorabend noch so euphorisch aufgenommenen Worte Barniers eigentlich fast schon ein wenig ernüchtert. Keine Sonderregeln für Großbritannien soll es geben, tönte auch der deutsche Außenminister Heiko Maas. Unterdessen gab sich der französische Präsident Emmanuel Macron im Gespräch mit der „Times“ interessanterweise schon etwas konzilianter und zeigte sich gegenüber den Vorschlägen von Chequers (benannt nach dem Landsitz, auf dem Premierministerin Theresa May vor einigen Wochen dem Kabinett ihre Pläne zu einem Brexit-Abkommen vorstellte) wesentlich offener als noch zuletzt. Trotz aller Hinweise, dass man auch auf ein sogenanntes "No-deal-Szenario" vorbereitet sein müsse, blieb Sterling gegenüber dem Euro in seiner robusten Position. Nicht zuletzt, weil viele Short-Positionen am Mittwochabend ausgestoppt wurden und wahrscheinlich so schnell nicht wieder neu eröffnet werden.
 

PLN

EUR PLN (4,2975)  

Die massive Schwäche in den Emerging Markets, vor allen Dingen der Fall der türkischen Lira, hat auch den Zloty unter Druck gesetzt. Und der Euro hat nun sogar erwartungsgemäß seinen Stabilitätspunkt überwunden, mündet aber nicht in einen neuen Trend, sondern lediglich in eine verbreiterte Seitwärtsbewegung ein, deren Grenzen mit 4,2640 und 4,3380 recht weit auseinanderliegen.


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