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Aug 30, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Nicht nur Risikofreude treibt Euro

USD

EUR USD (1,1690) 

Tatsächlich hielt der bereits am Vortag begonnene Rücksetzer des Euro auch gestern Vormittag noch an. Aber es sollte nicht mehr als eine kleine technische Korrektur im Aufwärtstrend sein. So ist wohl kaum davon auszugehen, dass die Risiken, die dem Euro aus Italien oder der Türkei drohen, plötzlich von den Marktteilnehmern intensiver als Bedrohung wahrgenommen wurden. Da gab es zum einen Medienberichte, wonach ungenannten Quellen zufolge Italien die EZB um zusätzliche Anleihekäufe ersuchen könnte, um die Verschuldung des Landes vor spekulativen Attacken und einem drohenden Downgrade der Ratingagenturen zu schützen. Tatsächlich ist dieses Bestreben der italienischen Regierung nicht neu und war schon einmal ins Spiel gebracht worden. Allerdings gibt es wohl kaum jemanden, der diesen Wunsch für durchführbar hält. Immerhin sind die Renditen italienischer Anleihen gestern zum ersten Mal seit einer Woche nicht mehr angestiegen, sondern haben zumindest eine kleine Pause im Aufwärtstrend eingelegt. Vielleicht auch weil Wirtschafts- und Finanzminister Giovanni Tria noch einmal betont hatte, Italien werde sich an die EU-Neuverschuldungsgrenze halten. Ob sich aber der parteilose Tria tatsächlich gegen den europakritischen stellvertretenden Ministerpräsidenten Di Maio langfristig wird durchsetzen können, dürfte von manchem Händler bezweifelt werden.
            Aus der Türkei kamen zumindest gestern keine Signale, dass die Zentralbank die Zinsen erhöhen oder die Regierung mit einem konkreten Sparplan dem Wunsch etwaiger Investoren entsprechen wolle. Auch das vom Wall Street Journal am Dienstagabend ins Spiel gebrachte Angebot, wonach Deutschland angeblich bereit gewesen wäre, im Notfall der Türkei finanzielle Hilfe zukommen zu lassen, wurde umgehend aus deutschen Regierungskreisen dementiert, was der Lira vermutlich einen weiteren Schub nach unten gab. Seit der Telefonkonferenz des türkischen Finanzministers mit Investoren vor zwei Wochen hat die türkische Währung gegenüber dem Dollar inzwischen mehr als 12 Prozent an Wert verloren.
            Immerhin wurden gestern auch Wirtschaftsdaten veröffentlicht, die allerdings auf kein großes Interesse stießen. Sicherlich barg der gestern publizierte GfK-Konsumklimaindex kein großes Überraschungspotenzial in sich. Aber immerhin wurde das US-Wachstum für das zweite Quartal gestern nach oben revidiert, während der Index der persönlichen Konsumausgaben, auf den die US-Notenbank ganz besonders blickt, in der Kernrate mit 2,0 Prozent genau den Erwartungen entsprach. Aber der Dollar konnte kein Kapital aus der Erkenntnis schlagen, dass die US-Notenbank mit diesen Daten im Rücken an ihrem Kurs der schrittweisen Zinserhöhungen – alleine für dieses Jahr projektiert die Fed noch zwei weitere Zinsschritte – festhalten kann. Am Ende des Tages präsentierte sich der Euro jedenfalls wieder in robuster Verfassung und sollte nun im Rahmen seines Aufwärtstrends 1,1785 anvisieren. Nach wie vor würden wir in diesem Zusammenhang bestenfalls Rückschläge bis 1,1610 zulassen, wobei die Untergrenze des Aufwärtstrends bei 1,1565 bleibt.

USD

USD CHF (0,9710) 

US-Wirtschaftsdaten haben dem Dollar auch gestern nicht geholfen. Stattdessen hat der Greenback gegenüber dem Franken seinen jüngsten schmalen Abwärtstrend fortgesetzt, der nun bis 0,9655 reicht. Der Stabilitätspunkt ist auf der anderen Seite noch einmal deutlich heruntergerutscht und liegt nunmehr bei 0,9790.

EUR

EUR CHF (1,1355) 

Der gestern publizierte ZEW/Crédit Suisse-Stimmungs-Index fiel zwar deutlich schlechter als erwartet aus, hat dem Franken allerdings nicht geschadet. Im Verhältnis zum Euro gestaltete sich das Handelsgeschehen wie an den Vortagen sogar zunächst ausgesprochen ruhig. Interessanterweise bekam der Euro ausgerechnet in dem Moment geradezu einen Schlag ins Kontor, als EU-Chefunterhändler Michel Barnier dem britischen Pfund gestern Abend richtiggehend auf die Sprünge half. Dabei war eigentlich nicht zu verstehen, warum in einer ersten Reaktion ausgerechnet der Franken von einer Meldung profitieren sollte, die nicht nur für Großbritannien, sondern auch für die Eurozone hätte positiv aufgefasst werden können. So fiel der Euro kurzzeitig bis knapp vor unsere zweite Unterstützung bei 1,1330, konnte sich allerdings dann auch recht schnell wieder fangen. Gut möglich, dass dieser Rücksetzer den Euro am Ende noch in eine gestärkte Position führen kann. Denn die gestrige Erholung würde der Gemeinschaftswährung jetzt bereits oberhalb von 1,1440 einen neuen Aufwärtstrend eröffnen.

GBP

EUR GBP (0,8975) 

Die europäische Handelssitzung endete gestern mit einem regelrechten Paukenschlag. Denn EU-Chefunterhändler Michel Barnier äußerte am Abend, die EU wolle einen Brexit-Deal abschließen. Zwar ist die Botschaft im Rahmen eines Presse-Briefings in Berlin, wonach die EU zu Verhandlungen bereit sei und auch in Zukunft mit Großbritannien Handel treiben möchte, für sich gesehen keine Riesenüberraschung, muss aber im Kontrast zu den Diskussionen der vergangenen Wochen gesehen werden. Zumal nun auch Brexit-Minister Dominic Raab erklärte, er sei zuversichtlich, dass eine Übereinkunft „in Sichtweite“ sei. Diese Wendung mag die Akteure auch insofern überrascht haben, als Raab sich noch gestern Vormittag enttäuscht zeigte, dass Barnier offenbar nicht zu persönlichen Gesprächen bereit gewesen war. Auch die Verschiebung der Frist für ein Brexit-Abkommen von Oktober auf November wurde zuvor von vielen Akteuren als Indiz dafür gesehen, dass das Risiko eines sogenannten "No-deal-Szenarios" gestiegen sei. In der Folge machte Sterling einen großen Satz und erholte sich innerhalb kürzester Zeit recht drastisch gegenüber verschiedenen Valuten. Dabei wurde der Euro, gestern früh noch im oberen Bereich seines kurzfristigen Aufwärtstrends, auch im Zuge von Stop-Loss-Verkäufen regelrecht nach unten geschleudert. Diese recht deutliche Korrektur hat zwar den Aufwärtstrend mit Untergrenze bei nunmehr 0,8955/60 nicht zerstört, aber wie bereits am gestrigen Handelstag möchten wir derzeit keinen weiteren Potenzialpunkt an der Oberseite ins Auge fassen, die derzeit formal bei 0,9105/10 begrenzt wird.
 

PLN

EUR PLN (4,2880)  

Bei den zentraleuropäischen Währungen hat gestern in erster Linie der Zloty verloren – angeblich, weil die türkische Lira wieder unter Druck geraten sei, war von Kommentatoren zu hören. Ein Argument, das an den Vortagen offensichtlich nicht gegolten hatte, als sich die türkische Währung bereits abschwächte, der Zloty allerdings recht robust aussah. Unter dem Strich hat der Euro gestern seinen Stabilitätspunkt für eine Seitwärtsbewegung bei 4,2910 nur ganz knapp verfehlt und bleibt daher noch pro forma in seinem Abwärtstrend, innerhalb dessen sich derzeit eine Mini-Konsolidierung zwischen 4,2650 und 4,2910 abzeichnet.


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