Wöchentliche Marktberichte

Aug 29, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Große Kapitalströme sprechen nicht

USD

EUR USD (1,1680)

Auch gestern setzte der Euro seinen Aufwärtstrend fort. Tatsächlich ist es nun der neunte Handelstag in Folge, an dem die Gemeinschaftswährung – abgesehen von einer Ausnahme – mit einem Plus abschloss. Und diese eine Ausnahme war letztlich nicht viel mehr als eine Korrektur von 0,8 Prozent. Im Vergleich zum Wertzuwachs des Euro von 4,2 Prozent seit dem 15. August ist dies erstaunlich wenig. Tatsächlich zeigt die Struktur des Trends, dass kurzfristige Euro-Short-Positionen oft nur mit Verlust wieder zurückgekauft werden konnten. Dass einige Akteure auf dem falschen Fuß erwischt worden sein müssen, zeigt auch die Art und Weise, wie Nachrichten derzeit verarbeitet werden. Denn tatsächlich hat sich die Lage seit den vergangenen beiden Wochen nicht so grundlegend verändert, als dass der Euro derart stark innerhalb so kurzer Zeit hätte reagieren müssen. So hat sich an den Zinserwartungen kaum etwas geändert, und der ökonomische Datenkalender ist während der vergangenen Tage ohnehin nicht prall gefüllt gewesen. Zwar hat sich der Konjunkturoptimismus für die Eurozone ein wenig verbessert, aber auch die USA können mit erstklassigen Wachstumserwartungen für das dritte Quartal in diesem Jahr (vgl. Fed von Atlanta in unserem gestrigen Bericht) aufwarten.
                 Die Art der Nachrichtenverarbeitung lässt darauf schließen, dass der Euro-Bewegung möglicherweise auch größere Kapitalströme zugrunde liegen können – eine Umschichtung bei den Währungsreserven von Dollar in Euro durch einen großen Akteur würde hier schon ausreichen. Für langfristige Kapitalströme würde zumindest sprechen, dass die Euro-Bewegung fast kaum von schlagkräftigen Informationen begleitet wird. Wer große Engagements in den Märkten zu bewegen hat, versucht dies ohnehin möglichst unauffällig zu tun, um sich nicht die Preise zu zerstören. Kurz gesagt: Langfristige Kapitalströme sprechen nicht.
                 Tatsächlich sieht es so aus, als ob die Marktteilnehmer große Risiken ausblendeten. Denn nach gängiger Lesart dürfte die Gemeinschaftswährung bestenfalls aufgrund zunehmender Risikofreude gestiegen sein. Natürlich mag das Freihandelsabkommen zwischen den USA und Mexiko mancherorts als Erfolg gefeiert werden. Auch die Tatsache, dass die Trump-Administration immerhin zu Gesprächen bereit ist, schon heute auch mit Kanada, um die Teilnehmer des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) zwar nicht unter dem gleichen Namen, aber am gleichen Tisch wieder zusammenzubekommen, mag ermutigen. Daraus zu schließen, dass sich etwaige Strafzölle auf Auto-Importe für Europa damit schon fast erledigt hätten, scheint dennoch etwas verfrüht. Und was den US-Chinesischen Handelsstreit angeht, gibt es dort überhaupt keine Fortschritte zu verzeichnen.
                 Ein Blick nach Italien zeigt, dass die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen gestern den höchsten Stand seit Ende Mai erreicht haben – ein Spiegel dessen, was aus Italiens Regierung derzeit kommuniziert wird. Gestern war es wieder einmal der stellvertretende Premierminister Luigi Di Maio, der durchblicken ließ, Italien könne womöglich die Schuldengrenze reißen. Zumindest brachte Di Maio wieder einmal die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für die Bevölkerung ins Gespräch. Kein Wunder, dass etwa Finanzminister Giovanni Tria beruhigend eingreifen musste, indem er zusicherte, dass sich Italien an die EU-Neuverschuldungsgrenze von 3 Prozent halten werde. Am Ende des Tages halten wir fest, dass der Euro einen Aufwärtstrend zeitigt, dessen Potenzial mindestens bei 1,1775 liegen sollte. In diesem Zusammenhang würden wir bestenfalls Rückschläge bis 1,1610/15 akzeptieren wollen – die Untergrenze dieses recht steilen Trends liegt allerdings erst bei 1,1565.

USD

USD CHF (0,9760)

Der Dollar schien sich gestern ziemlich losgelöst von Fundamentaldaten nach unten zu entwickeln. So waren selbst die Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen (Conference Board) – obwohl richtig positiv 
und auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2000 – nicht dazu geeignet, für etwas mehr Nachfrage zu sorgen. Tatsächlich hat der Greenback sogar unseren ersten Potenzialpunkt an der Unterseite seines schmalen Abwärtstrends unterschritten, weswegen sich weiteres Risiko bis 0,9680 eröffnet hat. Allerdings wäre der Dollar bereits mit Überschreiten von 0,9820 schon halbwegs stabilisiert.

EUR

EUR CHF (1,1410)

Die angeblich so starke Risikofreude der Akteure scheint sich in der Entwicklung des Euro zum Franken nicht so richtig niederschlagen zu wollen. Es ist aber gut möglich, dass beide Valuten gleichermaßen von oben genanntem etwaigem Kapitalstrom (vgl. EUR USD) profitiert haben könnten. Jedenfalls hat der Euro gegenüber dem Franken nicht das Zeug, vor Überschreiten von 1,1485 einen Aufwärtstrend einzuläuten. Die erste gute Unterstützung bleibt bei 1,1380.

GBP

EUR GBP (0,9080)

Nun hat der Euro im Rahmen seines Aufwärtstrends endlich seinen Potenzialpunkt bei 0,9090 erreicht. Einem Medienbericht zufolge soll der Chef der Bank of England, Mark Carney, der eigentlich Ende Juni 2019 seine bereits um ein Jahr verlängerte Amtszeit beenden möchte, insgeheim von Regierungsmitgliedern gebeten worden sein, seine Chefposition noch um ein weiteres Jahr zu verlängern. Allerdings wurde der Bericht von der britischen Regierung später dementiert, und das könnte Auslöser dafür gewesen sein, dass Sterling gegenüber dem Euro auf den niedrigsten Stand seit elf Monaten gefallen war. Eine Verlängerung von Carneys Amtszeit, der normalerweise ohnehin sieben Jahre im Amt geblieben wäre, aber bereits bei seinem Antritt im Jahr 2013 erklärt hatte, nur fünf Jahre als BoE-Chef dienen zu wollen, wäre, abgesehen von sogenannten Brexiteers, überwiegend begrüßt worden. Auch aus dem Motiv heraus, die Bank of England durch eine turbulente Phase im Falle eines Brexit ohne sogenannten Deal führen zu können. Ein harter Brexit wäre für Theresa May indes kein Weltuntergang, wie die britische Premierministerin in einem TV-Interview äußerte. Unterdessen hängt der Euro praktisch im oberen Bereich seines Aufwärtstrends vor 0,9105, während die Untergrenze nun bei 0,8950 verläuft – erste Nachfrage gestrandeter Euro-Short-Positionen erwarten wir allerdings bereits schon bei 0,9050.

PLN

EUR PLN (4,2670)  

Trotz der Risikofreude, über die allenthalben berichtet wird, bleibt der Zloty zwar gut nachgefragt, konnte aber den Euro nach wie vor nicht wirklich unter Druck setzen. Zwar ist ein kleiner Abwärtstrend immer noch erkennbar, aber dessen Potenzial reicht zurzeit bestenfalls bis 4,2430 (darunter indes bis 4,2145). Vielmehr ist zu befürchten, dass der Euro alsbald wieder eine Seitwärtsbewegung einschlagen wird, was nach Überwinden von 4,2910 auf jeden Fall in Betracht zu ziehen wäre.


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