Wöchentliche Marktberichte

Aug 28, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wer hat mehr Überraschungspotenzial?

USD

EUR USD (1,1670)

Eigentlich begann der gestrige Handelstag angesichts des Bankfeiertags in Großbritannien relativ verhalten. Gut möglich, dass die meisten Akteure erst einmal abwarten wollten, was sich hinsichtlich der Türkei-Probleme nach der Feiertagswoche für die Märkte ergeben würde. Tatsächlich war die Lira anfangs um über 4,5 Prozent gegenüber dem US-Dollar gefallen, konnte aber mehr als die Hälfte dieses Verlustes wieder wettmachen. Aus Italien gab es zunächst einmal etwas festere Renditen der Staatsanleihen zu bewerten, die allerdings im zehnjährigen Bereich noch unter dem bisherigen Hoch vom Mai blieben – zu jenem Zeitpunkt also, als feststand, dass Italien von einer Koalition aus Lega Nord und Fünf-Sterne-Partei regiert werden würde. Aber auch dies schien die Akteure nicht sonderlich zu beeindrucken, was allerdings ebenso für positive Nachrichten, wie etwa dem gestern publizierten ifo-Index, galt. Das einzig wirklich interessante Wirtschaftsdatum an diesem Tag fiel nämlich deutlich besser als erwartet aus. Und dies galt nicht nur für die Einschätzung der derzeitigen Konjunktursituation, sondern auch für die Konjunkturerwartungen. Tatsächlich hat der ifo-Index seine Rückgänge seit Dezember vergangenen Jahres mit der gestrigen Erhebung von 103,8 zur Hälfte wieder wettgemacht. Erst im weiteren Verlauf gegen Schluss der europäischen Handelssitzung bekam der Euro etwas mehr Dynamik, was sich letztlich auch der gestiegenen Risikofreude der Marktteilnehmer verdankte. Dazu hat auch die Einigung der USA und Mexiko auf ein neues Freihandelsabkommen beigetragen.

Dass der Dollar gleichermaßen wieder leiden musste, dürfte unter anderem mit der Erwartungshaltung der Marktteilnehmer zusammenhängen. So ist etwa der Citigroup Economic Surprise Index, eine Messzahl, wie stark ökonomische Daten den Erwartungen entsprechen, für die USA nach Angaben des Wall Street Journal stetig und zuletzt auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr gefallen. Für Europa sieht der Index zwar nicht viel besser aus, aber er zeigt seit Mitte des Jahres einen deutlichen Aufwärtstrend an. Mit anderen Worten: Die ohnehin hochgesteckten Erwartungen in die US-Daten können nur noch schwerlich übertroffen werden. Allerdings wäre es überzogen, daraus zu schließen, dass der Euro sich nur noch nach oben und der Dollar nur noch nach unten entwickeln könne. Denn die ungelösten Haushaltsprobleme Italiens werden derzeit von den Händlern fast völlig ausgeblendet, und auf der anderen Seite zeigt die letzte Prognose des Vorhersagemodells der Fed von Atlanta, GDPNow, für das dritte Quartal einen Wert für das US-Wachstum von 4,6 Prozent an. Unterdessen hat der Euro seinen festen Kurs fortgesetzt und nun einen Aufwärtstrend eingeschlagen, dessen Potenzial bei 1,1770/75 liegt. Das Ganze unter der Voraussetzung, dass der Euro nun nicht mehr 1,1520/25 unterläuft.

USD

USD CHF (0,9790)

Nun hat sich der Dollar auch für unseren Geschmack zwar nicht dramatisch, aber dennoch zu stark abgeschwächt, um noch auf einen schnellen Aufwärtsimpuls setzen zu wollen. Allerdings kann man derzeit auch nicht von einem Abwärtstrend des Greenback gegenüber dem Franken sprechen, sondern bestenfalls von einem so gearteten Impuls. Auch weil bereits nach Überschreiten von 0,9855 dieser erste Schwächeansatz zunichte gemacht würde. Das Potenzial an der Unterseite reicht derzeit zunächst nur bis 0,9760, darunter bis 0,9700.

EUR

EUR CHF (1,1440)

Die gestiegene Risikofreude der Akteure scheint sich im Verhältnis zum Schweizer Franken nicht richtig niederschlagen zu wollen. Während etwa der japanische Yen als Fluchtwährung einen deutlichen Abwärtstrend zeigt, lässt sich derartiges für den Franken immer noch nicht feststellen. Denn an der Oberseite besteht noch ein Widerstandsniveau bei 1,1485, das für einen Aufwärtstrend des Euro aus dem Weg geräumt werden muss. Immerhin ist die Unterseite mittlerweile bei 1,1380 erstmals gut unterstützt.

GBP

EUR GBP (0,9060)

Obgleich gestern in Großbritannien Bankfeiertag war, hat sich Sterling gegenüber dem Euro weiter abgeschwächt. Nicht primär wegen einer Pfund-Schwäche, sondern vornehmlich wegen der derzeitigen inneren Stärke der Gemeinschaftswährung. Dessen ungeachtet scheinen Bankfeiertage Kommentatoren zu inspirieren. So beschäftigte sich gestern ein Artikel vom Bloomberg mit interessanten Erzählungen über die Bank von England, möglicherweise, weil deren Chef Mark Carney im kommenden Jahr vom 121. Governor abgelöst werden wird. Dabei geht es in dem lesenswerten Beitrag (Bank of England Tales: The Ghost, Giant and Heroic Sewer Worker) unter anderem auch um die Bewältigung der ersten großen Krise, die aus der im Jahre 1720 geplatzten Südsee-Spekulationsblase hervorging. Damals hatten sich in Großbritannien viele Investoren verspekuliert, weil sie an Unternehmen glaubten, deren Ziel oft einzig darin bestand, "etwas Großartiges“ zu schaffen. Weniger irrational als damals, aber durchaus genauso ernsthaft werden derzeit die Brexit-Diskussionen geführt, von denen die Sterling-Händler gestern gewissermaßen eine Auszeit nahmen. Dennoch bleibt das Potenzial für den Euro bis 0,9090 erhalten. Zumindest solange die Unterstützung bei 0,8980 unverletzt bleibt – die Trenduntergrenze verläuft nun bei 0,8940.

PLN

EUR PLN (4,2700)

Es ist wohl der Risikofreude unter den Akteuren zu verdanken, dass der Zloty gestern ganz leicht zugewinnen konnte und den Euro minimal unter die Untergrenze einer möglichen Konsolidierung gedrückt hat. Damit ist für den Euro ein kleiner Abwärtstrend erkennbar, der zunächst nur bis 4,2430 (darunter 4,2145) reicht. Der Trend wäre auf der anderen Seite bereits mit Überschreiten von 4,2910 schon wieder beendet.


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