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Wöchentliche Marktberichte

Aug 27, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Begrabene Risiken?

USD

EUR USD (1,1620)

Nun ist das Symposium in Jackson Hole also vorüber. Eine Zusammenkunft, die im Großen und Ganzen durch eines gekennzeichnet war: Absagen. Denn die Präsidenten der EZB, Mario Draghi, der Bank of England, Mark Carney, und der Bank of Japan, Haruhiko Kuroda, glänzten durch Abwesenheit. Einzig die Fed schien besonders präsent, und natürlich harrten die meisten Marktteilnehmer dessen, was Jerome Powell zu sagen hätte. Tatsächlich äußerte der Fed-Chef, er könne keine Anzeichen für eine beschleunigende US-Inflation, die über das Ziel der Fed von 2 Prozent hinausginge, erkennen. Auch bestehe kein erhöhtes Risiko für eine Überhitzung. So entstand bei vielen Marktteilnehmern der Eindruck, dass die Fed bei Erreichen des neutralen Zinses – das ist der Zins, der der Theorie nach das Wachstum weder hemmt noch fördert – zunächst nicht mehr automatisch mit weiteren Zinserhöhungen fortfahren werde. Dieser sogenannte neutrale Zins liegt übrigens nach Ansicht der Fed zwischen 2,5 und 3 Prozent.

Während man Powell nicht unbedingt nachsagen konnte, er sei bezüglich des US-Wachstums euphorisch gewesen, erklärte etwa seine Kollegin aus dem Offenmarktausschuss, Loretta Mester, die Wachstumsdynamik sei höher ausgefallen, als sie ursprünglich erwartet habe. Die dem Falkenlager zugerechnete Chefin der Fed von Cleveland sieht weitere Zinserhöhungen fast schon als zwingend an. Auch gehört Mester zu denjenigen, die keine Angst vor einer sich weiter abflachenden Zinsstrukturkurve bis hin zu einer inversen Zinsstruktur als möglichem Vorboten einer Rezession hat. Sie gehört damit auch zu denjenigen, die – trotz eines am Freitag auf weniger als 20 Punkte geschrumpften Renditevorsprungs zehnjähriger gegenüber zweijährigen US-Staatsanleihen – davon ausgehen, dass dieses Mal alles anders käme. Taubenhaft äußerte sich hingegen der Chef der Fed von St. Louis, James Bullard, der vor zu schnellen Zinserhöhungen warnte. Allerdings ist Bullard derzeit im Offenmarktausschuss nicht stimmberechtigt. Obwohl zum Wochenende die implizite Wahrscheinlichkeit für zwei weitere Zinserhöhungen der Fed in diesem Jahr bei 64 Prozent und damit etwa auf dem Stand von vor einer Woche lag, hat der Euro gegenüber dem Dollar den größten Wochengewinn seit über einem Jahr produziert.

Für viele Akteure mag dieser Euro-Aufschwung durchaus überraschend gekommen sein, denn bei allem Gerede um Jackson Hole haben die Marktteilnehmer offensichtlich ganz übersehen, dass die Vorgespräche zwischen den USA und China zu einer möglichen Beilegung des Handelskonflikts in der vergangenen Woche (wie vielerorts erwartet) keinen Anlass zu Optimismus gegeben haben. Vielmehr rückt das Datum, zu dem weitere Strafzölle auf ein zusätzliches Importvolumen chinesischer Produkte in Höhe von 200 Mrd. USD in Kraft treten sollen, immer näher. Und somit auch die Eskalation des Handelskonflikts, der zumindest in der Vergangenheit eigentlich eher ein Dollar-Kaufargument darstellte. Ganz zu schweigen von der damit möglicherweise einsetzenden Risikoaversion. Wenn man außerdem bedenkt, dass die Türkei-Probleme spätestens zu Wochenbeginn nach der Feiertagsperiode wieder aufflammen könnten und auch die zehnjährigen italienischen Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen am Freitag fast den größten Vorsprung seit dem bisherigen Höchststand vom Mai dieses Jahres erreichten, muss man den Eindruck haben, alle möglichen Risiken für den Euro würden derzeit ausgeblendet. Auch legt die Struktur der Euro-Erholung in der vergangenen Woche den Schluss nahe, dass einige Akteure offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Tatsächlich zeigt die Gemeinschaftswährung immer noch Tendenzen, sich zwischen 1,1295 und 1,1670/75 konsolidieren zu wollen. Und solange der Euro nun oberhalb von 1,1505/10 (deutlich angehoben) bleibt, werden wir ihm auf jeden Fall Robustheit attestieren.

USD

USD CHF (0,9835)

Gut möglich, dass die Worte von Fed-Chef Jerome Powell in Jackson Hole von den Akteuren zumindest kurzzeitig als taubenhaft interpretiert wurden. Denn der Dollar gab am Freitag gegenüber dem Franken noch einmal nach und testete abermals die gut abgesicherte Unterseite unseres Szenarios (0,9810) für eine spätere Aufwärtsbewegung des Greenback. Da sich bei 0,9790/95 ein weiteres gutes Nachfrageniveau befindet, würden wir im Rahmen eines Dollar-positiven Umfelds zumindest für heute Kursrückgänge bis dorthin zulassen. Allerdings sollte sich ein etwaiger Aufwärtsimpuls nun alsbald einstellen, zumal dieser ohnehin erst oberhalb von 0,9925 endgültig bestätigt würde.

EUR

EUR CHF (1,1430)

Immerhin ist der Euro gegenüber dem Schweizer Franken ein kleines Stück vorangekommen, muss aber nach wie vor an der Oberseite Hürden bei 1,1435 (fast erledigt) und 1,1485 beiseite räumen, damit sich ein Aufwärtstrend entfalten kann. Unterdessen ist die Unterseite bei 1,1360 besser unterstützt.

GBP

EUR GBP (0,9040)

Heute dürfte der Sterling-Handel relativ überschaubar bleiben, denn in Großbritannien ist Bankfeiertag. Die Brexit-Diskussionen haben dem britischen Pfund während der vergangenen Woche jedenfalls geschadet. Dies zeigt sich auch am CFTC-Bericht vom Freitag. Demnach sind die spekulativen Shortpositionen in Sterling an der Chicagoer Futures-Börse netto nicht nur – abgesehen von einem kleinen Ausreißer – die zehnte Woche in Folge gestiegen. Vielmehr haben sie per vergangenen Dienstag den höchsten Stand seit Mai 2017 erreicht. Auch wenn die CFTC-Zahlen nicht repräsentativ sein mögen und auch immer erst mit einer Verzögerung von knapp einer Woche dem Markt zur Verfügung stehen, zeigen sie doch zumindest einen gewissen Stimmungstrend an. Selbst im Verhältnis zum Euro ist Sterling zwar nicht dramatisch, aber dennoch Tag für Tag stetig gefallen. Gleichzeitig bleibt der Euro in der Aufwärtsbewegung, wobei das Potenzial mittlerweile bis 0,9090 reicht. In diesem Zusammenhang sollte 0,8970 nicht mehr unterlaufen werden – die Trenduntergrenze verläuft allerdings noch tiefer bei 0,8935.

PLN

EUR PLN (4,2700)

Polens Arbeitslosenquote blieb am Freitag ohne größere Konsequenzen für den Zloty – sie war für den Monat Juli mit 5,9 Prozent wie erwartet ausgefallen. Und so bewegte sich der Euro weiterhin innerhalb des Handelsbandes vom Vortag und verharrte ziemlich nah an unserer wichtigen Unterstützung bei 4,2670, der weichen, provisorischen Untergrenze einer möglichen Konsolidierungszone. Die Obergrenze eines derartigen Feldes bleibt nach wie vor bei 4,3410.


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