Wöchentliche Marktberichte

Aug 24, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Dieses Mal ist alles anders

USD

EUR USD (1,1550)

Eigentlich möchte man nicht jeden Tag über Donald Trump schreiben. Aber wenn der US-Präsident für den Fall seiner Amtsenthebung – wie in einem Interview mit Fox News – damit droht, dass die Märkte kollabieren würden, sollte man dies zumindest erwähnen. Dennoch: Viele Akteure dürften diese Drohung gestern nicht sonderlich ernst genommen haben. Oder sie haben die Wahrscheinlichkeit, dass es derzeit tatsächlich zu einer Amtsenthebung kommen könnte, schlichtweg als sehr gering eingeschätzt. Denn tatsächlich reicht zwar eine einfache Mehrheit im Repräsentantenhaus für einen derartigen Schritt aus, aber der Senat müsste eine Zweidrittelmehrheit zustande bringen, um Donald Trump feuern zu können.

Auch wenn das Handelsgeschehen gestern in recht ruhigen Bahnen verlief, hat sich zumindest an der Zinsstrukturkurve wieder etwas geändert. Denn der Renditevorsprung der zehnjährigen US-Staatsanleihen gegenüber Staatsanleihen mit zweijähriger Laufzeit ist gestern auf weniger als 21 Basispunkte geschrumpft; dies ist der niedrigste Vorsprung seit Mitte 2007. Kein Wunder, dass sich selbst das am Vortag veröffentlichte Fed-Protokoll mit der Gefahr einer inversen Zinsstrukturkurve beschäftigt. Allerdings gehen die Meinungen im Offenmarktausschuss über deren Folgen auseinander. Während einige FOMC-Mitglieder wie nach bisheriger landläufiger Meinung eine inverse Zinsstruktur als Vorboten einer Rezession sehen, widersprachen andere dieser Sichtweise. Trotz historischer Belege geht diese Gruppe davon aus, dass dieses Mal alles anders kommen werde. Und sie haben laut FOMC-Protokoll auch gute Argumente dafür angeführt: Zum einen drücken die Nachfrage nach sicheren Anlagen und auch die Anleihekaufprogramme der Zentralbanken auf die Renditen der Anleihen. Und so müsse man auch eine inverse Zinsstrukturkurve anders als zu früheren Zeiten beurteilen. Wobei man allerdings einwenden könnte, dass sich das Angebot an Staatsanleihen durch die stark gestiegene US-Neuverschuldung sowie die Bestrebungen der Fed, ihre Bilanzsumme zu verringern, ebenfalls vergrößert und somit auch am langen Ende einen positiven Einfluss auf die Renditen haben müsste. Wie dem auch sei: Die Märkte preisen nun interessanterweise zwei Zinsschritte für dieses Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent ein (vergleiche CME FedWatch Tool) – am Dienstag hatte diese implizite Wahrscheinlichkeit noch bei 60 Prozent gelegen.

Nun gab es gestern auch noch ein EZB-Protokoll zu begutachten, die sogenannten „accounts“. Allerdings enthielt das Protokoll kaum Überraschendes, so dass es auch nicht zu größeren Kursausschlägen kam. Auch die vorläufigen Einkaufsmanager-Indices der Eurozone, die für das verarbeitende Gewerbe etwas hinter und bei den Dienstleistern recht genau den Erwartungen entsprachen, konnten die Händler gestern nicht beunruhigen. Tatsächlich blieb der Euro weiterhin in seinem Findungsprozess, mit der Tendenz sich zwischen 1,1295 und 1,1670/75 zu konsolidieren. Erste Nachfrage aus gestrandeten früheren Short-Positionen erwarten wir allerdings bereits bei 1,1495. Der Euro bleibt jedenfalls robust, solange 1,1420/25 gehalten werden kann.

USD

USD CHF (0,9855)

Die Zahlen zu den US-Einkaufsmanager-Indices können es nicht gewesen sein, die den Dollar gestern gegenüber dem Franken leicht nach oben befördert haben. Jene waren nämlich sowohl für die Industrie als auch die Dienstleister nicht dramatisch, aber dennoch schlechter als erwartet ausgefallen. Unterdessen scheint sich unser Szenario einer Fehlentwicklung an der Unterseite, das wir bereits seit einigen Tagen angekündigt haben, zu bewahrheiten („False Break“). Denn statt seinen ursprünglichen Abwärtsimpuls fortzusetzen, hat eine Gegenbewegung eingesetzt, die den Greenback in seine alte Konsolidierungszone zurückgeführt hat. Dieser Aufwärtsimpuls würde sich dabei oberhalb von 0,9925 bestätigen. Die beste Unterstützung bleibt an der Unterseite bei 0,9810 und darf in diesem Zusammenhang nicht mehr unterlaufen werden.

EUR

EUR CHF (1,1395)

Der Euro scheint gegenüber dem Schweizer Franken nicht mehr von der Stelle zu kommen. Gut möglich, dass die Akteure ebenso wie wir die Oberseite mit 1,1435 und 1,1485 als derart vernagelt sehen, dass man auch den über der zweiten Marke winkenden Aufwärtstrend derzeit nicht als vielversprechend einstuft. Nach wie vor bleibt an der Unterseite 1,1330 das wichtigste Nachfrageniveau.

GBP

EUR GBP (0,9015)

Gestern ließ ein neuer Berg von Dokumenten Sterling-Händler ziemlich ratlos dastehen. Obgleich der britische Brexit-Minister Dominic Raab immer noch eine Scheidungsvereinbarung mit der EU für das wahrscheinlichste aller Szenarien hält, hat die britische Regierung gestern eine Anleitung veröffentlicht, was im Falle eines Brexit ohne „Deal" mit der EU zu tun wäre. Die 25 (von insgesamt 84) bislang veröffentlichten Merkblättern reichen von Hinweisen, dass britische Unternehmen in Zukunft Umsatzsteuer und Importzölle auf EU-Waren wie bei Einfuhren aus Drittländern entrichten müssten, bis hin zu Vorschriften für Apotheken zur Bevorratung von Medikamenten für den Notfall. Auch wird in den Dokumenten darauf hingewiesen, dass Zigarettenpäckchen mit neuen Warnbildern versehen werden müssten, da die EU an den derzeitigen Aufschriften zur Gesundheitsgefährdung des Rauchens die Urheberrechte hätte. Übrigens hat die EU-Kommission bereits ihre eigene Einschätzung für den Fall eines „no-deal“ Szenarios veröffentlicht, die allerdings bislang keine besonderen Regelungen für EU-Bürger, die im Vereinigten Königreich oder britische Bürger, die in der EU leben, umfassen. Außer der Warnung vor massiven Verspätungen an den Grenzen. In der Folge befestigte sich der Euro gegenüber Sterling deutlicher als an den Tagen zuvor und peilt nun seinen Potenzialpunkt bei 0,9080 an. Dieses Szenario hat Gültigkeit, solange an der Unterseite nicht 0,8935 verletzt wird.

PLN

EUR PLN (4,2880)

Das Protokoll der vergangenen Sitzung der Polnischen Notenbank vom Juli hat gezeigt, dass die meisten Mitglieder des Geldpolitischen Rates von einer Inflation ausgehen, die sich während des Prognosehorizonts an ihrem Zielwert entlang entwickeln wird. Allerdings wären bei steigenden Löhnen und entsprechendem Inflationsdruck weitere Zinserhöhungen gerechtfertigt, so das Protokoll. Die Abwärtstendenz des Euro ist indes unbeeinflusst vom Notenbankprotokoll kurz vor unserer wichtigen Unterstützung bei 4,2670 gegenüber dem Zloty zunächst einmal zum Erliegen gekommen. Somit zeichnet sich nun eine breite Konsolidierungszone ab, deren obere Begrenzung bei 4,3410 ausgewiesen ist. Allerdings ist die Unterseite des Feldes als etwas weich einzustufen.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.