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Wöchentliche Marktberichte

Aug 23, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Unsicherheit ja, Risikoaversion nein

USD

EUR USD (1,1550)

Der gestrige Handelstag stand im Großen Ganzen eigentlich im Zeichen von Donald Trump. Denn nach überwältigender Medienmeinung ist der US-Präsident spätestens gestern wegen der beiden Gerichtsverfahren gegen seine ehemaligen Unterstützer, seinen früheren Anwalt Michael Cohen und den Ex-Wahlkampfleiter Paul Manafort, massiv unter Druck geraten. Und so dürfte es nicht wenige Händler gegeben haben, die sich angesichts der damit verbundenen politischen Unsicherheit gegen den Dollar entschieden. Juristisch ist die Position Donald Trumps wohl kaum antastbar, aber auch die politischen Folgen bleiben überschaubar. Ein Kommentator drückte es so aus: Trumps Schicksal werde nicht vor Gericht, sondern letztlich von der öffentlichen Meinung entschieden. Und ökonomisch dürfte sich deswegen ohnehin nicht viel ändern, auch wenn der US-Präsident während der vergangenen Tage besonders laut polterte. Vor allem aber auf Wahlkampfveranstaltungen, wo er gestern wieder einmal einen 25-prozentigen Strafzoll auf jedes importierte Kraftfahrzeug aus der EU ankündigte. Obgleich US-Handelsminister Wilbur Ross erst Stunden zuvor dem Wall Street Journal gegenüber geäußert hatte, dass der für August geplante Bericht zu den Strafzöllen auf Autoimporte erst später vorgelegt werden könne, womit eine Entscheidung über die Strafzölle ebenfalls verschoben würde. Immerhin war es dennoch erstaunlich, dass kaum Anzeichen einer Risikoaversion im Markt festzustellen waren und der Euro trotz der ungelösten Probleme in Italien oder auch der derzeit nur wegen der Feiertage in den Hintergrund getretenen Krise um die türkische Währung so stark gesucht ist.

Schließlich gab es noch das Protokoll der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank zu begutachten, die vor drei Wochen stattgefunden hatte. Bezüglich der künftigen graduellen Zinserhöhungen gab es ohnehin keine Überraschungen, so dass im September der nächste Zinsschritt mit hoher Wahrscheinlichkeit stattfinden dürfte. Beim US-Wachstum gehen die Mitglieder des Ausschusses davon aus, dass dieses im zweiten Halbjahr nicht so stark wie im zweiten Quartal ausfallen, aber dennoch über dem langfristigen Durchschnitt liegen wird. Der Inflationsausblick blieb dagegen unverändert. Allerdings ist eine sorgenvolle Note beim Durchlesen der sogenannten „minutes“ unverkennbar. Denn die Risiken, die sich aus einem eskalierenden Handelskonflikt, dem US-Immobilienmarkt oder den Emerging Markets ergeben könnten, sind den FOMC-Mitgliedern nicht nur bewusst. Vielmehr wurde auch intensiv über die Sorge diskutiert, wie man die nächste Rezession bekämpfen könne.

Am Ende konnte der Dollar im Anschluss an das Protokoll etwas Boden gut machen, aber der Euro bleibt weiterhin robust und versucht sich in den Grenzen zwischen 1,1295 und 1,1675 (modifiziert) zu konsolidieren.

USD

USD CHF (0,9845)

Auch gestern stand der Dollar gegenüber dem Franken unter Druck und blieb aber letztlich an seinem ersten Nachfragepunkt bei 0,9810 hängen. Nach wie vor ist das Risiko einer Fehlentwicklung an der Unterseite (mit nachfolgenden Aufwärtsbewegungen) relativ hoch. Und so wären etwaige stärkere Abwärtstendenzen bereits nach Überschreiten von 0,9925 ad acta zu legen. Nachhaltigeres Abwärtsmomentum ist ohnehin nur unterhalb von 0,9775/80 zu erwarten.

EUR

EUR CHF (1,1375)

Eine Handelsspanne von nicht einmal 40 Stellen spricht nicht nur für ausbleibende Risikoaversion oder Risikofreude, sondern für eine typische Seitwärtsbewegung. Erwartungsgemäß tat sich nämlich der Euro gestern an der Oberseite nach wie vor schwer, etwas Momentum aufzubauen. Ganz davon zu schweigen, dass die wichtigen Hürden bei 1,1435 und 1,1485 überhaupt in Angriff genommen wurden – deren Überquerung ist nämlich Voraussetzung für einen neuen Aufwärtstrend. Immerhin ist die Unterseite bei 1,1330, einem Niveau, an dem wir ordentliche Nachfrage erwarten, recht gut abgesichert.

GBP

EUR GBP (0,8980)

Abermals machte der Euro gestern einen Ausflug an die Oberseite, ohne allerdings seinem Trend wirklich Flügel zu verleihen. Wieder einmal war bei 0,9000 Schluss. Unterdessen beschäftigte sich ein Artikel in der Financial Times mit der Abschaffung der Ein- und Zwei-Pence-Münzen, zu der das britische Finanzministerium bereits im März Sondierungsgespräche eröffnet hatte. Bei diesem Thema erhitzen sich automatisch die Gemüter. Nicht nur weil die Sammelleidenschaft die Münzen in zahlreichen Gefäßen in den Privathaushalten oft für Jahre verschwinden lässt. Immer wieder wird behauptet, die Abschaffung dieser Kleinstmünzen würde zu steigender Inflation führen, weil die Einzelhändler die Preise häufiger auf- als abrundeten. Dies hat nun Analysten der Bank of England dazu veranlasst, in einem Blog darauf hinzuweisen, dass die Abschaffung dieser Münzen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht inflationstreibend sei. Zumal in Großbritannien nur 3 Prozent der persönlichen Verbrauchsausgaben in bar abgewickelt werden. Auch würden sich Rundungsdifferenzen nicht auf die einzelnen Waren, sondern bestenfalls auf die Endsummen der Einkäufe auswirken, war zu lesen. Allerdings haben sich diese Diskussionen nicht auf das Wechselkursverhältnis zum Euro ausgewirkt, dessen Aufwärtspotenzial nunmehr bis 0,9080 reicht, solange an der Unterseite 0,8925 nicht verletzt wird.

PLN

EUR PLN (4,2750)

Die anhaltende Dollarschwäche hat dem Zloty gestern weiteren Auftrieb verliehen. Darüber hinaus gab es Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen im Juli, die besser als erwartet ausgefallen waren. Nach wie vor versucht der Euro, die Untergrenze einer möglichen breiten Konsolidierungszone zwischen nunmehr 4,2670 und 4,3410 auszuloten – unterhalb von 4,2670 würde allerdings ein neuer Abwärtstrend eingeleitet.


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