Wöchentliche Marktberichte

Aug 22, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Der Euro, plötzlich gefragt

USD

EUR USD (1,1575)

Nachdem es gestern in Fernost noch hoch her gegangen war, hatte sich der Handel während der europäischen Sitzung merklich beruhigt. Interessanterweise kam es beim Euro zunächst auch nicht mehr zu Anschlusskäufen, sondern eher zu einer Phase des Nachdenkens. Was dafür spricht, dass es zuvor wohl eine Serie von Short-Eindeckungen gegeben haben dürfte. Dabei ist der Dollar vermutlich stärker gefallen, als dies vielen lieb gewesen sein dürfte, vor allen Dingen, wenn man auf die von uns gestern erwähnten Long-Positionen in Dollar an der Chicagoer Futures-Börse denkt. Nun dürfte wohl nicht damit zu rechnen sein, dass US-Präsident Donald Trump trotz der gestrigen Tiraden tatsächlich der US-Notenbank Vorschriften machen oder deren Unabhängigkeit angreifen kann. Aber es muss zumindest Medienberichten zufolge eine gewisse Enttäuschung gegeben haben, denn der US-Präsident hatte sich wohl im vergangenen Jahr auf seine Berater verlassen, die ihm den Eindruck vermittelten, dass Fed-Chef Jerome Powell wohl eher eine Politik des lockeren Geldes unterstützen werde. Beobachter wiesen indes darauf hin, dass die US-Notenbank, deren Sitzungsprotokoll des Offenmarktausschusses vom 31. Juli/1. August heute veröffentlicht wird, auch ohne Einflussnahme des US-Präsidenten demnächst zu dem Schluss kommen könnte, mit weiteren Zinsschritten etwas zurückhaltender zu sein. Denn die Zinsstrukturkurve würde etwa bei Betrachtung zweijähriger und zehnjähriger US-Staatsanleihen immer flacher verlaufen – der Renditeabstand zwischen den beiden Laufzeiten betrug während der vergangenen Tage zeitweise weniger als 23 Basispunkte. Dabei wäre nicht auszuschließen, dass dieser Vorsprung noch weiter schrumpfen und somit von vielen Beobachtern als Vorbote einer späteren Rezession gewertet würde.

Sollte sich sogar die Befürchtung mancher Investoren bewahrheiten, dass es am langen Ende des US-Anleihemarktes zu einer sogenannten „Shortsqueeze“ kommen sollte – immerhin hatten die spekulativen Netto-Shortpositionen in zehnjährigen Staatsanleihen an der Chicagoer Futures-Börse vor gut einer Woche einen historischen Höchststand erreicht –, würden die Renditen am langen Ende natürlich entsprechend deutlich schrumpfen. In diese Richtung scheint auch der Chef der Fed von Atlanta, Raphael Bostic, gedacht zu haben, als er am Montag bereits vor der Tirade Donald Trumps gegen die Fed in einer Rede die Ansicht vertrat, dass für dieses Jahr insgesamt nur drei Zinsschritte erforderlich seien, also einer weniger, als die Notenbank geplant hat. Immerhin: Bostic ist nicht gerade als ausgewiesene Zinstaube bekannt.

Und was haben die Marktteilnehmer davon mitgenommen? Immerhin ist die implizite Wahrscheinlichkeit für vier Zinserhöhungen in diesem Jahr gemäß CME FedWatch Tool von gut 70 Prozent vor knapp einer Woche nunmehr auf rund 62 Prozent gefallen. Derweil versucht sich der Euro zwischen 1,1295 und 1,1460 zu konsolidieren. Bessere Nachfrage erwarten wir allerdings an der Unterseite erst bei 1,1480.

USD

USD CHF (0,9845)

Zum ersten Mal seit drei Wochen „wagte“ es der US-Dollar, die Untergrenze seiner Konsolidierungszone gegenüber dem Franken zwischen 0,9855 und 0,9995 zu testen und zu durchbrechen. Damit sind nun weitere Kursrückgänge in Richtung 0,9810 für den Dollar angezeigt, wobei das Risiko einer Fehlentwicklung (gefolgt von einer Aufwärtsbewegung) derzeit relativ hoch ist. 

EUR

EUR CHF (1,1390)

Einer Bloomberg Umfrage zufolge, die zwischen dem 10. und 16. August stattgefunden hat, geht eine kleine Gruppe von Ökonomen (nur 13 an der Zahl) im Mittel davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank die Zinsen zum ersten Mal im dritten Quartal 2019 anheben wird. Abgesehen davon, dass die Zahl der befragten Ökonomen wegen der Urlaubszeit niedriger als normal war, scheint es unwahrscheinlich zu sein, dass die SNB vor der EZB die Zinsen erhöhen wird – letztere möchte damit bekanntlich bis nach dem Sommer 2019 warten. Allerdings dürfte diese Umfrage den Kurs des Franken gestern nicht beeinflusst haben, der gerade in eine Seitwärtsbewegung gezwungen wurde. Allerdings bleiben an der Oberseite Hürden bei 1,1435 und 1,1485 zu nehmen, bevor der Euro eine positivere Bewertung bescheinigt bekommen kann. Das erste Nachfrageniveau bleibt unterdessen bei 1,1325.

GBP

EUR GBP (0,8960)

Der spätere Rückzug der Gemeinschaftswährung gegenüber dem britischen Pfund, ausgehend von seinem Tageshoch bei 0,9000, dürfte darauf zurückzuführen sein, dass EU-Diplomaten Reuters zufolge wohl eine Verzögerung in Sachen Brexit-Gespräche erwarten. Ursprünglich war der EU-Gipfel, der am 18. und 19. Oktober stattfinden wird, als zeitliche Vorgabe für ein Brexit-Abkommen anvisiert worden. Obgleich bereits für den 19./20. September ein informelles Treffen von EU-Vertretern und der britischen Premierministerin angesetzt wurde, bei dem Theresa May ihre Position darlegen soll, ist für den Abschluss eines sogenannten "Deals" nunmehr ein Sondergipfel im November, möglicherweise sogar erst im Dezember im Gespräch. Dies käme der britischen Seite insofern entgegen, als Ende September der Parteitag der Torys stattfinden wird. Trotz des Rücksetzers des Euro zum Ende des Tages verbleibt dieser in seinem kurzfristigen Aufwärtstrend, verbunden mit der Aussicht, auch in höhere Gefilde vorzudringen, namentlich auf 0,9075. Dies unter der Prämisse, dass 0,8920 an der Unterseite nicht mehr verletzt wird.

PLN

EUR PLN (4,2900)

Die gestrige Dollarschwäche hat nicht nur dem Zloty, sondern auch der ungarischen Währung – die dortige Zentralbank beließ den Leitzins erwartungsgemäß unverändert – etwas geholfen. Unterdessen hat der festere Zloty den Euro leicht unter Druck gesetzt, der zumindest die Obergrenze einer Konsolidierungszone bei 4,3420 etabliert zu haben scheint. Die Untergrenze des Feldes ist indes noch nicht ausgelotet, könnte aber entweder bei 4,2770 oder 4,2620 entstehen.


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