Wöchentliche Marktberichte

Aug 21, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Trumps heftige Fed-Kritik sorgt für Unruhe

USD

EUR USD (1,1525)

Der gestrige Handelstag verlief eigentlich ohne großartige Impulse. Und am Ende machte sich sogar etwas Risikofreude bereit. Vielleicht auch, weil es aus der Türkei keine neuen Meldungen gab und auch an den kommenden Tagen nicht mit großen Ankündigungen oder Maßnahmen zu rechnen ist. Denn gestern Abend wurde das muslimische Opferfest begonnen, das über mehrere Tage hinweg bis zum Ende der Woche andauert. Und so sind zumindest kurzfristig keine geldpolitischen Maßnahmen, etwa eine deutliche Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank oder ein konkretes Sparprogramm des Finanzministeriums, zu erwarten. Beide Maßnahmen würden nach Ansicht vieler Investoren dazu beitragen, etwas vom verlorenen Vertrauen in die türkische Lira zurückzugewinnen. Immerhin blieb den Marktteilnehmern durch diese feiertagsbedingte Ruhe zunächst Zeit, sich auf andere Neuigkeiten zu konzentrieren. Dazu trug gestern sicherlich auch bei, dass es in Italien ebenfalls zu einer Beruhigung am Anleihemarkt kam – die Renditen der zwei und zehnjährigen Staatsanleihen waren leicht rückläufig.

Interessantes gab es zum Wochenende hinsichtlich der Positionierungen an der Chicagoer Futures-Börse zu vermelden. Der CFTC Bericht zeigte nämlich nicht nur, dass Berechnungen zufolge (vgl. Reuters) die spekulativen Netto-Long-Positionen in US-Dollar den höchsten Stand seit Januar 2017 erreichten. Auch der Euro fiel auf, weil die spekulativen Positionierungen, die per Dienstag vergangene Woche ermittelt wurden, zum ersten Mal seit Mai 2017 von „long“ auf „short“ drehten. Allerdings war das Volumen dieser Positionen gering. Eindrucksvoll war hingegen der Stand der Netto-Short-Positionen in zehnjährigen US-Staatsanleihen, der zuletzt ein historisches Hoch erreichte. Für manchen Kommentator Anlass genug, auf die Gefahr einer sogenannten massiven Shortsqueeze hinzuweisen. Auch wenn diese Positionsdaten allesamt bereits eine Woche alt und auch nicht immer repräsentativ für den Gesamtmarkt sein mögen, zeigen sie doch einen gewissen Trend auf.

Dass der Euro an einem relativ ereignislosen Montag im New Yorker Handel doch noch einen gehörigen Schub bekam, ist weniger seiner inneren Stärke als US-Präsident Donald Trump zu verdanken. Dieser wandte sich erneut gegen die US-Notenbank, indem er deren Kurs kritisierte. In einem Interview sprach sich Trump gegen höhere Zinsen aus und stellte mit seiner heftigen Kritik an Fed-Chef Jerome Powells Zinspolitik einmal mehr die Unabhängigkeit der Fed infrage. Am Ende der New Yorker Handelssitzung und heute früh in Fernost geriet der Dollar damit derart unter Druck, dass er den Euro aus seinem Abwärtstrend herausdrückte und in eine vorläufige neue Seitwärtsentwicklung zwischen 1,1295 und 1,1640 überführte.

USD

USD CHF (0,9885)

Fast erscheint es wie ein Treppenwitz, aber der Dollar schaffte es zumindest gegenüber dem Franken bis gestern Abend nicht, irgendeine Art von Momentum zu entwickeln. Dies hat sich nun mit der heftigen Kritik Donald Trumps am Kurs der US-Notenbank zumindest insoweit geändert, als der Dollar beinahe die Untergrenze seiner Konsolidierungszone zwischen 0,9855 und 0,9995 getestet hätte.

EUR

EUR CHF (1,1390)

Ohne fundamentale Einflüsse von Wirtschaftsdaten gelang es dem Euro nicht, seine zuletzt entwickelte Kraft weiterzuentwickeln. So gesehen, kann man auch nicht wirklich von wieder aufgekeimter Risikofreude sprechen. Damit bleibt auch das gestrige Szenario weitgehend erhalten. Der Abwärtstrend, der bereits vor dem Wochenende fast vollends zum Erliegen gebracht wurde, würde nach Überschreiten von 1,1400 auch pro forma beendet sein. Allerdings bleiben an der Oberseite die Hürden bei 1,1435 und 1,1485 bestehen, bevor wir dem Euro eine positivere Positionierung bescheinigen können. Das erste Nachfrageniveau hält sich unterdessen bei 1,1325.

GBP

EUR GBP (0,8980)

Nicht allzu viel Volatilität gab es gestern hingegen bei diesem Währungspaar: Zwar schwächte sich der Euro temporär ab, lag aber zum Handelsschluss fast auf dem Eröffnungsniveau. Die heute beginnenden zweitägigen Brexit-Verhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU werden nach Ansicht von Beobachtern wahrscheinlich keine großen Überraschungen mit sich bringen. Immerhin treffen sich Brexit-Minister Dominic Raab und der EU-Chefunterhändler Michel Barnier heute Abend zu Gesprächen am Rande der offiziellen Verhandlungen. Gleichzeitig gab es gestern eine Umfrage von Bloomberg unter 31 Ökonomen zu berücksichtigen. Danach wird der nächste Zinsschritt der Bank of England für das zweite Quartal 2019 erwartet. Zum Ende des kommenden Jahres wird nun mit zwei Zinserhöhungen à 25 Basispunkten gerechnet – zuletzt war nur von einem Zinsschritt die Rede. Während die Wachstumsprognosen gegenüber der vergangenen Umfrage eine Spur besser ausfielen, findet sich bei den Inflationsprognosen nur eine winzige Änderung nach unten. Unterdessen bleibt der Euro in seinem Aufwärtstrend, dessen Potenzial nunmehr bis 0,9070 reicht. Das Ganze unter der Voraussetzung, dass 0,8915 nicht mehr verletzt wird. 

PLN

EUR PLN (4,3045)

Weder die besser als erwartete Industrieproduktion Polens im Juli noch die niedriger als prognostiziert ausgefallenen Produzentenpreise (Juli) haben dem Zloty gestern geholfen. Stattdessen befestigte sich der Euro, bleibt aber in seiner derzeit angedachten Konsolidierung zwischen 4,2680 und 4,3420, deren Begrenzungen sich vermutlich noch verengen werden. 


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