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Wöchentliche Marktberichte

Aug 20, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Briten bangen um ihr Sandwich

USD

EUR USD (1,1425)

Regierung und Notenbank der Türkei versuchten in der vergangenen Woche, mit verschiedenen stabilisierenden Maßnahmen Investorengemüter in aller Welt sowie den heimischen Devisenmarkt zu beruhigen. Zunächst färbten die Notenbankaktivitäten und die Zusage Katars, Direktinvestitionen in Höhe von 15 Milliarden USD in der Türkei zu tätigen, auch positiv auf die Lira ab, so dass die türkische Währung eine kräftige Erholung erfuhr. Dann aber mehrten sich Bedenken. Die genannten Aktionen wurden plötzlich in einem anderen Licht gesehen und entsprechend relativiert. Denn der Geldsegen aus Katar reicht keinesfalls aus, um den Fremdwährungsbedarf der Türkei nur annährend zu decken. Analysten haben hochgerechnet, dass dafür Devisen in einer Größenordnung von gut 229 Milliarden US-Dollar erforderlich sein dürften. Weit mehr also, als Katar der Türkei vergangene Woche als Finanzhilfe zugesagt hatte. Und auch der Tenor zur Notenbankaktivität klang wenig überzeugend. Nur eine deutliche reguläre Leitzinserhöhung könne ein Zeichen setzen, das stark genug sei, um wieder Kapital ins Land zu locken. Eine solche vertrauensbildende Maßnahme steht jedoch noch aus. Zu allem Übel haben am Freitagabend auch noch die Ratingagenturen Moody's, Fitch und S&P kritische Kommentare zur Stabilität türkischer Anleihen geäußert. Moody's und S&P gingen sogar noch einen Schritt weiter: Sie haben türkische Staatsanleihen herabgestuft.

Abgesehen von den Entwicklungen der türkischen Lira werden sich die Blicke in dieser Handelswoche auf Fed und EZB richten. Notenbankbeobachter werden zum einen alle Hände voll zu tun haben, die Protokolle der jüngsten Ratssitzungen beider Zentralbanken auszuwerten. Gleichzeitig müssen sie ihr Radar auf das geldpolitische Symposium in Jackson Hole richten. Dort werden sicherlich aktuelle Themen wie die Türkeikrise besprochen und in Abhängigkeit davon auch die Stabilität anderer Schwellenländer auf den Prüfstand gestellt. Vielleicht aber könnten sich auch neue Hinweise auf die künftige EZB-Zinspolitik ergeben. Kommentare von EZB-Präsident Mario Draghi wird man jedoch vermutlich nicht erwarten dürfen. Der EZB-Kalender liefert jedenfalls keinen Hinweis darauf, dass Draghi nach Jackson Hole reisen wird.
Die Erholung des Euro in der vergangenen zweiten Wochenhälfte gibt Anlass zur Hoffnung, dass sich der laufende Abwärtstrend, der die Gemeinschaftswährung noch bis auf 1,1250/55 drücken könnte, ein wenig verlangsamt. Mit einer temporären Beruhigung ist bereits jenseits von 1,1465 zu rechnen. Eine dauerhafte Stabilisierung erfordert aber ein Überwinden der 1,1530/40er Hürde.

EUR

EUR CHF (1,1370)

Vom neuerlichen Sinkflug der türkischen Lira und den damit verbundenen Ängsten über ein Ausbreiten der Währungskrise auf andere Schwellenländer konnte der Schweizer Franken am Freitag zur Abwechslung einmal nicht profitieren. Im Gegenteil, der Euro arbeitete sich, wie schon tags zuvor, kräftig nach oben. Diesmal wurde der Fleiß jedoch belohnt: Der Stabilisierungspunkt konnte überwunden und damit dem Abwärtstrend zunächst einmal Einhalt geboten werden. Der Abstieg der vergangenen vier Wochen hat allerdings einige Angebotsfelder hinterlassen, die es zu bereinigen gilt. Eine dieser Hürden steht bei 1,1435, die nächste wartet bei 1,1465. Mit erster kurzfristiger Nachfrage ist indes bei 1,1325 zu rechnen

USD

USD CHF (0,9950)

Händler dieses Währungspaares kamen diesen Monat noch nicht auf ihre Kosten, denn die Volatilität scheint ihnen völlig abhandengekommen zu sein. Die derzeit gültige Konsolidierungszone hat somit weiter Bestand und zieht bei 0,9855 und 0,9995 ihre Grenzen.

GBP

EUR GBP (0,8965)

Seit 2016 klar wurde, dass Großbritannien die Europäische Union verlassen will, bereitet der Ausstieg Pfund-Investoren und Händlern mit allen seinen Unwägbarkeiten Bauchschmerzen, insbesondere weil immer wieder darüber diskutiert wird, ob der Abschied auch in ungeordneter Weise ablaufen könnte. Auch die British Sandwich Association sieht dem Austrittstermin mit Sorge entgegen. Ein harter Brexit könnte für Liebhaber leckerer Stullen nämlich ein wahrer Albtraum werden. Denn der Großteil der benötigten Zutaten – darunter Käse, Schinken, Tomaten, Tunfisch und Salat – werden aus dem Ausland bezogen. Würden hierauf plötzlich hohe Zölle greifen, gingen die Sandwichpreise vermutlich durch die Decke. Abseits kulinarisch gefärbter Ängste ließen Marktteilnehmer an der einen oder anderen Stelle durchblicken, welche Konsequenzen ein Brexit-Chaos hätte: Die Parität für den Euro-Sterling-Kurs ist hier exemplarisch. Von diesem Szenario ist das Pfund zwar noch weit entfernt. Der Euro bleibt aber in seiner vorteilhaften Position und ist in der Lage, diese innerhalb seines Aufwärtstrends (0,8905 bis 0,9060) noch weiter auszubauen.

PLN

EUR PLN (4,3000)

Wirtschaftspolitische Themen wird Außenminister Heiko Maas bei seinem heutigen Besuch in Polen mit seinem polnischen Amtskollegen Jacek Czaputowicz vermutlich eher nur am Rande besprechen. Maas wird aber sicher alles daran setzen, die Beziehungen zu Polen zu verbessern, denn es gilt, einer Ost-West-Spaltung Europas offensiv entgegenzutreten. Die EU-Kommission wird den Dialog der Staaten sicherlich genau verfolgen, denn auch zwischen ihr und Polen bestehen Unstimmigkeiten, wenn es um Fragen der Rechtsstaatlichkeit, Währungsunion oder Migration geht.
Der Euro scheiterte am Freitag bei dem Versuch, eine Konsolidierung zu etablieren. Anstatt die Obergrenze eines solchen Feldes beispielsweise bei 4,3420 zu markieren, rutschte er deutlich unter die 4,30er Marke ab. Unterstützung steht weiterhin bei 4,2680 zum Auffangen kurzfristiger Rückschläge bereit.


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