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Aug 08, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Euroschwäche scheint vorerst abgewehrt

USD

EUR USD (1,1620)

Euro-Bullen können eigentlich fast von Glück sagen, dass die Risikofreude angeblich im richtigen Moment zurückgekehrt ist. Denn tags zuvor sah es fast so aus, als ob die Gemeinschaftswährung womöglich nach unten durchgereicht würde. Dies scheint jetzt abgewehrt. Vorerst. Denn plötzlich will niemand mehr etwas vom Handelskonflikt zwischen den USA und China wissen – zumindest meinten Kommentatoren, er sei in den Hintergrund getreten. Möglicherweise, weil es China anscheinend gelungen ist, die Talfahrt der eigenen Währung zu bremsen. Zumindest soll sich die chinesische Zentralbank, die People‘s Bank of China, mit mehreren Banken, die sich am Yuan-Fixing beteiligen, darauf verständigt haben, in Zukunft Herdenverhalten zu vermeiden. Zwar befürwortet die Zentralbank nach wie vor Devisenmärkte, die sich nach den ökonomischen Gegebenheiten entwickeln, aber [spekulative] trendfolgende und sich womöglich selbst verstärkende Kursentwicklungen will man nicht hinnehmen. Denn die Abwertung des Yuan hat zwei Seiten. Zum einen bleibt man zwar exportseitig angesichts der US-Importzölle halbwegs wettbewerbsfähig. Andererseits könnte eine zu starke Abwertung der heimischen Währung zur Kapitalflucht in den Dollar führen. Und so kamen Analysten mancherorts zum Schluss, dass die Aufwärtsbewegung des Greenback (nicht nur gegenüber dem Yuan) womöglich schon bald zum Ende gekommen sein könnte. Wir vermuten jedoch nicht derart tiefgreifende Ursachen hinter dem gestrigen Kursrückgang des Dollar, sondern schlicht und einfach preisliche Gründe, zumal es mancher Händler-Seele sehr entgegenkommt, in der Nähe des Jahreshochs Dollar verkauft zu haben.
Denn eigentlich gibt es kein plausibles Motiv dafür – außer eben dem, in der Nähe des Extrempunkts zu handeln –, sich derzeit stärker im Euro zu engagieren. Allein ein Blick auf die italienische Haushaltspolitik genügt, um Zweifel aufkommen zu lassen. Denn die Politik muss heute über ein Defizit befinden, das nach gestrigen Angaben von Claudio Borghi, Chef der Haushaltskommission im italienischen Parlament, nur ein bisschen höher als bisher sein müsse, um die Konjunktur anzukurbeln. Wobei dieses „ein bisschen“ wohl stark untertrieben ist, wenn man bedenkt, dass es sich bei Borghi um einen ausgewiesenen Euro-Kritiker handelt, der wohl lieber heute als morgen den Euro verlassen würde. Addiert man die Aussage des stellvertretenden Ministerpräsidenten Luigi di Maio vom Montag hinzu, der immerhin geäußert hatte, dass die fiskalischen Regeln der EU bei den Haushaltsgesprächen nicht oberste Priorität hätten, kann man nur hoffen, dass jene nicht gebrochen werden. Und so bleibt der Euro in seiner nach unten hin schlecht abgesicherten Konsolidierungszone zwischen 1,1505 und 1,1855.

GBP

EUR GBP (0,8970)

Der Brexit und die taktischen Geplänkel drumherum bleiben das Hauptthema in Großbritannien. Und die Angst, dass die Brexit-Gespräche am Ende mit einem sogenannten „No Deal“ ausgehen könnten, zeigt sich bereits in zunehmend Verbreitung findenden Horrorszenarien. So wies etwa der britische Bauernverband darauf hin, dass bei einem Brexit ohne Abkommen mit der EU die Lebensmittelregale zur selben Zeit im kommenden Jahr leer bleiben würden, weil es dem Vereinigten Königreich spätestens ab 7. August 2019 an Nahrungsmitteln fehlen würde. Zwar sei man diesbezüglich zu 60 Prozent autark, aber drei Viertel der fehlenden Lebensmittel würden eben von der EU importiert werden.
Medienberichten zufolge möchte nun das Vereinigte Königreich möglicherweise die Deadline für die Brexit-Gespräche auf November verschieben, da sich der Fokus der Agenda für den bislang geplanten EU-Gipfel am 18./19. Oktober zu stark auf die Frage konzentrieren könnte, wie man auf die Zoll-Politik von US-Präsident Donald Trump reagieren soll. Allerdings scheinen sich EU-Vertreter zeitlich genau in die andere Richtung bewegen zu wollen. So soll dem Vernehmen nach bereits für den 20. September ein informeller Gipfel mit Großbritannien angedacht sein. Die Idee, sich bezüglich der Deadline hinter Donald Trump verstecken zu wollen, ist bei den Händlern offenbar nicht so gut angekommen, so dass sich der Euro gegenüber Sterling nun deutlich in der oberen Hälfte seiner breiten Konsolidierung zwischen 0,8790 und 0,8990 befindet.
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EUR

EUR CHF (1,1555)

Die verminderte Risikoaversion der Händler zeigte sich gestern auch im Verhältnis des Euro zum Franken. Allerdings blieb die Erholung der Gemeinschaftswährung, die sich nach wie vor in einer Seitwärtsbewegung zwischen 1,1480 und 1,1655 befindet, überschaubar.

PLN

EUR PLN (4,2580)

Seit einer Woche kriecht der Euro förmlich nur noch nach unten, aber das Potenzial des Abwärtstrends reicht nach wie vor bis 4,2230. An der Oberseite darf nun 4,2925 zum Erhalt des Trends nicht mehr überschritten werden.


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