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Wöchentliche Marktberichte

Aug 03, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Mitten im Handelskonflikt

USD

EUR USD (1,1590)

Dass der Euro gestern unter Druck geriet, ist wohl kaum der US-Notenbank zu verdanken. Denn das Statement des Offenmarktausschusses vom Mittwoch dürfte angesichts des geringen Überraschungseffekts im Gedächtnis der meisten Händler schon längst verblasst sein. Zumal am Ende nur ein Eindruck übrig blieb: Das US-Wirtschaftswachstum ist nicht nur robust, sondern sogar stark. Aber daraus ein erhöhtes Tempo bei den Zinserhöhungen abzuleiten wäre wohl zu viel des Guten. Auch ist im Anschluss an die Fed-Sitzung vom Mittwoch die implizite Wahrscheinlichkeit für zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr (vgl. CME FedWatch Tool) nicht gestiegen und hat erst gestern wieder die 70-Prozent-Marke überschritten.
Tatsächlich dürfte der Euro wegen der wieder aufgekommenen Risikoaversion vieler Marktteilnehmer gefallen sein. Eine Risikoaversion, die gestern vor allen Dingen an der typischen Fluchtbewegung in den Yen sichtbar wurde. Denn dass die Trump-Administration chinesische Importe in einem Volumen von 200 Milliarden USD mit einem Zoll von 25 statt 10 Prozent belegen möchte, wird von vielen Akteuren nicht nur als weitere Eskalation des Handelskrieges zwischen den USA und China wahrgenommen. Vielmehr kommt ein anderes Moment zum Tragen. Denn ein Zoll von 10 Prozent hätte vermutlich noch leicht über eine Abwertung des Yuan gegenüber dem Dollar aufgefangen werden können. Aber 25 Prozent? Immerhin ein schwacher Trost: Die öffentliche Kommentarfrist für die Liste der betroffenen China-Importe ist vom Handelsbeauftragten Robert Lighthizer vom 30. August bis zum 5. September verlängert worden, so dass mehr Zeit zum Verhandeln entstanden ist.
Immerhin wird der jüngste Schritt Donald Trumps auch innerhalb der USA kritisch betrachtet. Allen voran von den Handelskonzernen, die die harte Gangart des US-Präsidenten verurteilt haben. Immerhin brachten nun Demokraten und Republikaner im Kongress – wir berichteten darüber bereits in der vergangenen Woche – am Mittwoch tatsächlich einen Gesetzentwurf ein, der die Macht des Präsidenten einschränken soll. So soll es diesem in Zukunft nicht mehr so leicht möglich sein, aus Gründen der nationalen Sicherheit Zölle ohne Mitwirkung des Kongresses zu verhängen. Ob allerdings aus der Vorlage tatsächlich ein Gesetz wird, erscheint fraglich. Denn Donald Trump würde in diesem Fall von seinem Vetorecht Gebrauch machen, das danach erst einmal überstimmt werden müsste.
Unterdessen ist der Euro in die untere Hälfte seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1505 und 1,1855 abgeglitten und auf den niedrigsten Kurs seit zwei Wochen gefallen.

USD

USD CHF (0,9955)

Die guten Wirtschaftsdaten aus der Schweiz haben dem Franken gegenüber dem Dollar gestern nicht geholfen. Letzterer hat sich aber auch nicht wesentlich befestigt. Tatsächlich hat sich der Franken im Vergleich zu anderen Valuten und deren Verhältnis zum Greenback sogar ganz gut geschlagen. Denn gegenüber einem Korb an Währungen hatte etwa der Dollar-Index gestern im Vergleich zum Vortag etwa 0,5 Prozent an Wert gewonnen. Zum Franken hingegen blieb er in seiner Konsolidierungszone zwischen 0,9855 und 0,9995 stecken. 

GBP

EUR GBP (0,8900)

Die Bank of England hat, wie weithin erwartet, den Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent angehoben. Ein Schritt, der, gemessen an den Geldmärkten, allerdings zu 90 Prozent eingepreist war. Dabei gab es dennoch eine Überraschung. Denn die zweite Zinserhöhung seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 wurde vom geldpolitischen Komitee der BoE sogar einstimmig (9:0) angenommen, was von den Händlern zunächst als „hawkish“ empfunden wurde. Allerdings konnte das Pfund, das sich deswegen zeitweise befestigt hatte, diese Gewinne nicht halten, nachdem während der Pressekonferenz unter Leitung von BoE-Chef Mark Carney klar wurde, dass die Bank sich in der nahen Zukunft nicht ohne weiteres zu einem zweiten Zinsschritt  durchringen dürfte. Überdies hat die Bank of England deutlich gemacht, dass die Prognosen und ihre derzeitige Geldpolitik weiterhin, wie auch bei den Sitzungen zuvor, auf der Voraussetzung eines relativ reibungslosen Brexit beruhten. Immerhin gab es – überschattet von der Sitzung der Bank of England – auch noch ein positives Wirtschaftsdatum für das Pfund zu vermelden. So ist der Einkaufsmanagerindex im Baugewerbe deutlich stärker als erwartet (55,8 gegenüber 53,1 im Vormonat) gestiegen. Doch schien es niemanden zu interessieren, dass die Geschwindigkeit beim Immobilienneubau das höchste Niveau seit Dezember 2015 erreichte. Per Saldo hat Sterling gegenüber dem Euro im Vergleich zum Vortag sogar an Wert verloren. Allerdings bewegt sich der Euro weiterhin in seiner Seitwärtsbewegung zwischen 0,8790 und 0,8990. 

CHF

EUR CHF (1,1540)

Es waren wohl nicht die Schweizer Einzelhandelsumsätze, die im Juni mit einem Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr stärker als erwartet ausgefallen waren, und auch nicht der positiv überraschende Einkaufsmanagerindex der Industrie, die dem Franken gestern maßgeblich geholfen haben. Vielmehr glauben wir, dass der Franken wegen der wieder aufkeimenden Risikoaversion infolge des Handelskonflikts zwischen den USA und China genauso wie der Yen als Fluchtwährung gesucht war. Dabei ist die Untergrenze der zuletzt leicht aufwärtsgerichteten Seitwärtsbewegung bei 1,1540 durchbrochen worden, die nun absolut horizontal zwischen 1,1485 und 1,1655 verläuft.

PLN

EUR PLN (4,2750)

Der Euro legte gestern eine kleine Pause in seinem Abwärtstrend ein, muss aber 4,2590 unterlaufen, um die nächste Stufe im Abwärtstrend in Richtung 4,2230 auszulösen. Unterdessen ist die obere Begrenzung des Trends nun auf 4,3060 gefallen. 

CZK

EUR CZK (25,66)

Dass die Tschechische Nationalbank (CNB) gestern erneut den Leitzins, den zweiwöchigen Reposatz, um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent angehoben hat, hat der Krone kaum mehr Kraft verliehen. Auch nicht, dass CNB-Chef Jiri Rusnok eine weitere Leitzinsanhebung in „sehr naher Zukunft“ nicht ausschloss. Gut möglich, dass die Akteure die deutlich zurückgenommene Wachstums-Vorhersage für dieses Jahr (3,9 auf 3,2 Prozent) in Kombination mit einer erhöhten Inflationsprognose nicht goutieren wollten. Trotz dieser Gegenbewegung bleibt der Euro allerdings im Abwärtstrend, der zurzeit zwischen 25,74 und 25,46 verläuft. 


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