Wöchentliche Marktberichte

Jul 30, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Trumps Selbstlob stößt im Markt auf Skepsis

USD

EUR USD (1,1650)

Miteinander reden ist besser, als auf Kollisionskurs zu gehen, dürften sich Händler mit Rückblick auf die vergangene Handelswoche gedacht haben. Tatsächlich scheint das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die Wogen im Handelsstreit etwas geglättet zu haben. Und auch Trumps neuerliche Kritik an der Fed scheint der Markt gut verdaut zu haben. Jedenfalls gab es kurz vor dem Wochenende, Assetklassen-übergreifend, keine außergewöhnlichen Marktbewegungen. Dies bedeutet, dass Akteure sich am Freitag voll und ganz auf die Veröffentlichung der US-Wachstumszahlen des zweiten Quartals konzentrieren konnten. Auch der US-Präsident schien sich für dieses ökonomische Datum eine Erinnerungsfunktion in seinen Terminkalender gesetzt zu haben. Dies war in jüngster Vergangenheit bereits des Öfteren der Fall. Werden wichtige US-Wirtschaftsdaten (z. B. der Arbeitsmarktbericht) veröffentlicht, ist Trump sofort mit einem Kommentar – meist per Twitter – präsent. Das auffallende Muster, das sich in den vergangenen Monaten zeigte: Er meldet sich immer nur dann, wenn es sich um sehr gute Daten handelt. So auch am vergangenen Freitag: Als das starke Wirtschaftswachstum bekanntgegeben wurde, war es somit nur logisch, einen Tweet von ihm zu erwarten. Die Wirtschaftsleistung der Monate April bis Juni betrug auf das Jahr hochgerechnet 4,1 Prozent – hat sich also gegenüber dem ersten Vierteljahreszeitraum nahezu verdoppelt. Trump reklamiert den Erfolg für sich und reagierte mit einer Salve des Selbstlobes. „Einmal mehr beneidet uns die ganze Welt um unsere Wirtschaft“, ließ er – auf gewohnt bescheidene und selbstkritische Art und Weise – in einer Videobotschaft wissen. Sich weiter auf seine gewinnbringende America-First-Politik berufend, stimmte er noch weitere Lobeshymnen auf sich und seine protektionistische Wirtschaftspolitik an.
Analysten hatten im Vorfeld bereits mit einem starken Wachstum gerechnet. Es stellte für den Markt also keine Überraschung dar. Uneinigkeit herrscht indes über die mögliche Dauer des Aufschwungs. Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang, dass der Aufschwung fast vollständig vom Konsum getragen wurde, der seinerseits einem massiven fiskalischen Stimulus zu verdanken war. Dergleichen kann nicht einmal Trump beliebig oft reproduzieren. Eine ebenfalls berechtigte Frage ist, mit welchen Mitteln sich der nächste Boom darstellen lassen könnte. Immerhin stehen am US-Jobmarkt kaum noch qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung. Zudem werden die ausstehenden Zinserhöhungen der Fed mehrheitlich als Damoklesschwert gesehen.
Devisenhändler ließen sich weder von Trumps Selbstgefälligkeit noch den Wachstumszahlen beeindrucken. Sie gaben dem Euro den Vorzug, der nun wieder etwa in der Mitte seiner Konsolidierungszone (1,1505 - 1,1855) pendelt.

USD

USD CHF (0,9950)

Die starken US-Wachstumsdaten halfen dem US-Dollar am vergangenen Freitag nicht, seine Position gegenüber dem Franken zu verbessern. Im Gegenteil, die Tagesgewinne, die er vormittags erarbeitete, gab er nach Veröffentlichung der US-Daten fast komplett wieder ab und beendete die Sitzung einmal mehr in der Mitte seiner Seitwärtsbewegung, die zwischen 0,9855 und 0,9995 verläuft.

GBP

EUR GBP (0,8895)

Mit Erstaunen blickten Marktteilnehmer kurz vor dem Wochenende auf eine neue Umfrage. 1653 britische Bürger wurden vom Meinungsforschungsinstitut „YouGov“ im Auftrag der Zeitung "The Times" gefragt, ob sie eine Volksabstimmung über die Bedingungen des Austritts ihres Landes aus der Europäischen Union befürworten. Das Ergebnis: Gut 42 Prozent meinen, eine neue Abstimmung sei notwendig, während 40 Prozent dies verneinen. Damit will die Mehrheit ein weiteres Referendum über Brexit-Bedingungen. Dagegen wäre im Prinzip nichts einzuwenden, wenn nicht in den vergangenen Monaten seitens vieler Briten immer wieder geäußert worden wäre, dass das ursprüngliche Brexit-Referendum vor zwei Jahren bereits nicht die beste Idee gewesen sei. Umso erstaunlicher ist nun der Wunsch, die wichtige Ausstiegsregelung erneut per Volksentscheid durchführen zu wollen. Oder wollen die Briten mit der neuen Abstimmung vielleicht ihr Gewissen beruhigen? Sterling-Händler zeigten sich von der Idee einer weiteren Abstimmung nur wenig angetan und beließen den Euro in seinem kurzfristigen Aufwärtstrend, der oberhalb von 0,8860 verläuft.

EUR

EUR CHF (1,1590)

An der insgesamt leicht nach oben gerichteten Seitwärtsbewegung haben die Euro-Verluste der vergangenen Woche nichts geändert. Das Potenzial, 1,1730 zu erreichen, besteht nach wie vor, solange die am vergangenen Freitag erfolgreich getestete 1,1570er Marke standhält. Lediglich unterhalb von 1,1535 würden sich Aussichten auf eine Wiederaufnahme der Aufwärtsbewegung deutlich eintrüben.

PLN

EUR PLN (4,2830)

Am Freitag vermeldete das polnische Finanzministerium einen Haushaltsüberschuss in Höhe von 9,5 Milliarden Zloty (ca. 2,58 Mrd. USD). Überschattet wurde diese Meldung aber von den zahlreichen regierungskritischen Protesten, die in verschiedenen polnischen Städten gegen die umstrittenen Justizreformen stattfanden. Auch die EU-Kommission meldet diesbezüglich seit mehr als zwei Jahren Bedenken an. Polens Außenminister Jacek Czaputowicz steuerte mit einer starken Aussage gegen den allgemeinen Aufruhr und verkündete am Wochenende in einem Interview, sein Land sei das pro-europäischste der EU – „ohne Wenn und Aber". Eine vergleichsweise starke Haltung nimmt derzeit auch der Zloty gegenüber dem Euro ein. Letzterer befindet sich nun auf dem Weg in Richtung 4,2590. Darunter dürfte sich die Bewegung bis 4,2350 ziehen. Die 4,3250er Hürde hält den Abwärtstrend intakt.


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